https://www.faz.net/-hbv-94w03

Änderungen bei Anlageberatung : So verstehen Sie die Post Ihrer Bank

Für die Anlageberatung gibt es 2018 neue Vorschriften. Bild: Jens Gyarmaty

Im nächsten Jahr müssen sich Bankkunden an einige neue Regeln gewöhnen. Hier kommt ein Überblick über die wichtigsten Änderungen.

          Briefe von der Bank machen selten Freude. In diesen Tagen fallen die Schreiben, die viele Banken derzeit an ihre Kunden verschicken, besonders üppig aus. Der Grund dafür ist eine EU-Richtlinie mit abschreckend klingendem Namen, die im Januar 2018 in Kraft tritt: Mifid II. Diese Richtlinie verändert das Verhältnis zwischen den Kunden und ihren Bankberatern erheblich – zum Besseren, wie EU-Kommission und Bundesregierung behaupten. Unstrittig ist, dass die Richtlinie ein durchaus löbliches Ziel hat: Sie soll Anleger besser vor schlechter Beratung schützen. In der Praxis kann man aber erhebliche Zweifel haben, ob das gelingen wird. Denn gerade für mündige Anleger, die sich hin und wieder gerne mit ihrem Berater austauschen, bedeuten die neuen Regel vor allem eines – mehr Aufwand.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das beginnt schon damit, dass man sich eigentlich durch die dicken Schreiben quälen sollte, die nun im Briefkasten liegen, weil die Banken über die Änderungen informieren müssen. Zumindest diesen Teil der Arbeit können sich F.A.S.-Leser sparen. Hier kommt ein kurzer Überblick über die wichtigsten Änderungen.

          Die weitgehendste Änderung betrifft Telefonate zwischen dem Kunden und seinem Berater. Die Banken sind in Zukunft verpflichtet, solche Gespräche immer dann aufzuzeichnen, wenn sie dazu führen könnten, dass der Kunde ein bestimmtes Wertpapier kauft oder verkauft. Anders gesagt: Von Januar an werden wohl fast alle Gespräche zwischen Berater und Kunden aufgenommen – denn um was sonst soll es in dem Gespräch gehen als ums eigene Depot? Natürlich wird der Kunde vorher darüber informiert. Aber nicht einmal auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin darf die Bank auf die Aufnahme verzichten. Ohne die Zustimmung zum Mitschnitt muss der Berater das Gespräch abbrechen. Fünf bis sieben Jahre muss die Bank die Aufnahmen aufbewahren, im Zweifel sollen sie den Kunden dabei helfen, Falschberatung nachzuweisen. Dass nicht wenige Kunden die Aufnahmepflicht als starken Eingriff in die Vertraulichkeit des persönlichen Gesprächs empfinden werden, ist dem Gesetzgeber egal.

          Natürlich besteht weiterhin die Möglichkeit, zum Beratungsgespräch die Filiale aufzusuchen – womit wir bei der zweiten großen Änderung wären. Das Gespräch in der Filiale muss zwar nicht mitgeschnitten werden, allerdings muss der Berater eine Gesprächsnotiz verfassen. Darüber hinaus, und das ist das eigentlich Entscheidende, muss jedes Anlagegespräch künftig mit einer sogenannten „Geeignetheitserklärung“ enden.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          In ihr muss der Berater festhalten, warum ein bestimmtes Wertpapier (zum Beispiel eine Aktie oder ein spezifischer Fonds) besonders gut zu den Anlagezielen des Kunden passt. Außerdem muss er sicherstellen, dass die Anlageempfehlung nicht zu riskant für den Kunden ist (Stichworte: Risikotoleranz und Verlusttragfähigkeit) und dass sie ihn nicht überfordert (Stichwort: Wertpapierkenntnis). Jede neue Beratung erfordert eine neue Geeignetheitserklärung. Sie ist dem Kunden jeweils im Anschluss an das Gespräch auszuhändigen. Die Erklärung löst das Beratungsprotokoll ab, in dem Bankberater seit 2010 den wesentlichen Gesprächsverlauf festhalten mussten.

          Auf den ersten Blick scheint das eine Verbesserung zu sein, weil die Anforderungen an die Erklärung konkreter sind als an das Protokoll. Doch gut gemeint bedeutet nicht gut gemacht. Denn auch die Geeignetheitserklärung verursacht enormen bürokratischen Aufwand. Und dass sie den Kunden am Ende vor Falschberatung schützt, ist ebenfalls zweifelhaft. Üblicherweise gelingt es den Banken, sich durch geschickt gewählte Standard-Formulierungen unangreifbar zu machen. So war es zumindest im Falle der Beratungsprotokolle häufig.

          Nur die dritte große Änderung, die Mifid II mit sich bringt, ist zu begrüßen: Die Banken müssen in Zukunft noch detaillierter über die Kosten eines Wertpapierkaufs informieren. Beim Kauf eines Fonds beispielsweise reicht es nicht nur, die jährliche Verwaltungsgebühr anzugeben, auch die Depotkosten muss die Bank ausweisen. Dies gilt ebenfalls für die Höhe der Vertriebsprovision, die der Bank zufließt. Außerdem muss die Bank konkret vorrechnen, wie stark all diese Kosten die zu erwartende Rendite schmälern – und zwar nicht nur in Prozentpunkten, sondern in konkreten Eurobeträgen ausgedrückt. Dieser neuen Regel lässt sich einiges abgewinnen. Was die Lage leider nur ein bisschen besser macht: Denn für die meisten Neuerungen gilt dies nicht.

          Weitere Themen

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.