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Negativzinsen und anderes mehr : Weltspartag der Proteste

Brüche im Sparschwein Bild: dpa

Nur brav das Schweinchen zur Sparkasse bringen – das war früher. In diesem Jahr wurde am Weltspartag gegen die unterschiedlichsten Dinge protestiert. Ein paar Beispiele.

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          Alle Jahre wieder rufen Sparkassen und Banken Ende Oktober zum Weltspartag auf. Ein lustiger Tag, an dem die Kinder mit leuchtenden Augen ihre Sparschweinchen und Spardosen zum Ausleeren am Bankschalter vorbeibringen und im Gegenzug bunte Luftballons, Stifte und Comichefte erhalten. Und auch die Erwachsenen erinnern sich an diesem Tag gern mal ganz nostalgisch daran, wie wichtig das Sparen für eine vorbildliche Lebensweise doch eigentlich ist, getreu dem alten Motto „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In diesem Jahr aber dürfte es nicht ganz so idyllisch zugehen: Zumindest war in den vergangenen Tagen schon ziemlich viel von Protest die Rede. Zwar war es vollkommen unterschiedlich, gegen wen, für was und weshalb eigentlich protestiert werden soll. Aber es scheint doch tatsächlich, als könne der Sparerwelt diesmal ein Weltspartag der Proteste bevorstehen.

          Gegeneinander demonstrieren

          Am bemerkenswertesten war zweifellos der Aufruf der höchst seriösen Finanzaufsichtsbehörde Bafin zum Protest gegen niedrige Zinsen. Er richtete sich keineswegs an unzufriedene Kleinsparer aus Deutschland, die sich insgeheim schon lange gedacht haben, gegen den eklatanten Mangel an Verzinsung der Guthaben auf dem Sparbuch müsste man eigentlich mal mit Transparenten und Sprechchören auf die Straße gehen.

          Nein, ein Bafin-Exekutivdirektor wurde am Dienstag von einer Tagung der Behörde in Bonn zitiert, die deutschen Versicherer sollten sich das mit den niedrigen Zinsen nicht länger gefallen lassen. Da würde sich manch ein Sparer vermutlich gern anschließen. Nur: Wenn es stimmt, was Ökonomen nicht müde werden zu wiederholen, nämlich dass die niedrigen Zinsen gar nicht von der Europäischen Zentralbank erfunden wurden, sondern mit einem Überhang der Ersparnisse am Kapitalmarkt zusammenhängen, was unter anderem eine Folge des Sparens fürs Alter in alternden Gesellschaften sei – dann fragt man sich natürlich, gegen wen man denn überhaupt sinnvollerweise demonstrieren könnte, wenn man seinem Protest gegen niedrige Zinsen Ausdruck verleihen will.

          Das ist ja nicht trivial. Womöglich müssten Sparer, wenn sie sich das ganz genau und bis zum Ende überlegen, dafür demonstrieren, dass nicht mehr so viel gespart wird – damit das Angebot an Ersparnissen schrumpft, und der Zins wieder höher ausfällt.

          Bankraub, um (mir) Gutes zu tun

          Ganz andere Vorstellungen von Protest zum Weltspartag hat dagegen der Dachverband der kritischen Aktionäre und eine Organisation namens „Urgewalt“. Diese riefen dazu auf, am Weltspartag gegen das Engagement von Sparkassen bei Kohle- und Rüstungsunternehmen zu protestieren. Dafür empfehlen sie so unterschiedliche Schritte wie das protestierende Geldabheben bei Sparkassen, das protestierende Trinken sogenannter Blut-Cocktails (das ist hoffentlich nicht wörtlich gemeint) und das protestierende Verteilen von Flugblättern.

          Auch aus der Fintech-Szene gab es einen Aufruf zur Protesten am Weltspartag, gleichsam gegen die konventionelle Bankenwelt und ihre Methoden. Das Finanz-Start-up Tomorrow aus Berlin, ein Anbieter eines digitalen Girokontos, ruft dazu auf. Es schlägt vor, den Weltspartag einfach umzukehren. Die Methode klingt auf Anhieb etwas radikaler als Blut-Cocktails oder Protestnoten an die Europäische Zentralbank: Das Fintech rief nämlich zum Bankraub auf – und verbreitet dazu im Internet Fotos von Menschen mit regenbogenfarbenen Sturmhauben über dem Gesicht, begleitet von dem Motto: „Raub Dein Geld und veränder die Welt.“

          So wild das klingt, will das Unternehmen aber wohl nicht dazu aufrufen, für seinen Idealismus gegebenenfalls eine Haftstrafe billigend in Kauf zu nehmen, sondern nennt den vorgeschlagenen Weg „Bankraub for Good“: Die Leute sollten einfach am Weltspartag ihr Geld am Automaten einer konventionellen Bank abheben und dann zu ihnen bringen – ein Vorschlag, den man dann wiederum marketingtechnisch aus Sicht des Fintech sicherlich verstehen kann. Begründet wird der Aufruf unter anderem mit den hohen Gehältern in Banken, ihrer Lobbyarbeit – und dem unschönen Handel mit heiklen Finanzprodukten.

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