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Negativzins : Der Abschied vom kostenlosen Girokonto

Viele Banken erhöhen wegen des Niedrigzinses ihre Bearbeitungsgebühren, zum Beispiel für Fremdabhebungen. Bild: dpa

Immer mehr Banken geben die negativen Zinsen der EZB weiter, indem sie die Gebühren für Leistungen rund um das Girokonto erhöhen. Welche Bank ist jetzt teuer, welche billig?

          Es ist, als ob viele Banken noch abgewartet hätten, wie ernst es die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren negativen Einlagenzinsen meint. Aber seit EZB-Präsident Mario Draghi den Leitzins vor zwei Wochen auf 0 Prozent gesetzt hat und den Zins für Einlagen der Banken bei der Notenbank weiter ins Negative gesenkt hat, ist klar: Die Banken werden auf absehbare Zeit damit leben müssen, dass sie zwar von ihren Privatkunden schwerlich negative Zinsen auf Spareinlagen verlangen können – selbst aber für Einlagen bei der Notenbank negative Zinsen berappen müssen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neben ärgerlich niedrigen Sparzinsen und verlockend niedrigen Bauzinsen gibt deshalb ein drittes Element in der neuen Nullzinswelt: höhere Bankgebühren. Immer mehr Banken versuchen, aus der für sie ungünstigen Situation zu entkommen, indem sie Gebühren für Leistungen rund um das Girokonto anheben. Möglichst nicht zu auffällig, man will ja keine Kunden vergraulen – aber doch möglichst wirksam, man will ja auch nicht in Schieflage geraten. Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), hat für den Sparkassensektor die Richtung vorgegeben: „Die Zeit kostenloser Girokonten ist vorbei.“ Und auch die Sparda-Banken, bei denen das kostenlose Gehaltskonto gleichsam zur DNA der Institution gehört, wollen offenbar an der Gebührenschraube drehen. „Ich rechne damit, dass wir auf breiter Front Preissteigerungen sehen werden“, sagte Joachim Wuermeling, Vorstand des Verbands der Sparda-Banken.

          Viele Menschen lassen Geld auf dem Girokonto stehen

          Was bedeutet das für den Bankkunden? Welche Bank ist jetzt billig, welche teuer? Die Regel jedenfalls, dass ein Girokonto ohne monatliche Gebühren für den Kontoinhaber noch lange nicht kostenlos sein muss, gilt in Zukunft mehr denn je: Für irgendwas zahlt der Bankkunde meistens. Es kommt daher darauf an, sich zu überlegen, welche Gebühren einen besonders stark treffen – und welche weniger.

          Die Dispo-Zinsen für das Überziehen des Girokontos beispielsweise sind bei vielen Banken recht happig. Im Durchschnitt liegen sie bei 9,5 Prozent – keine Spur also von Nullzinswelt. Aber auch mehr als zehn Prozent Dispozinsen sind keine Seltenheit. Wenn jemand sein Konto laufend um 2000 Euro überzogen hat, geht es also um mehr als 200 Euro Zinszahlungen im Jahr. Wer mit dem Konto oft im Minus ist, für den ist dieser Posten also wohl das entscheidende Kriterium. Seit die Zinsen kaum mehr existent sind, scheint es allerdings mehr Leute als früher zu geben, die immer mehr als genug Geld einfach auf dem Girokonto stehen lassen. Das nimmt diesem Kriterium etwas Relevanz.

          Fremdabhebungen werden immer teurer

          Auch die Gebühren für Kredit- und Bankkarte unterscheiden sich bei den Konten erheblich. Dabei geht es um Größenordnungen zwischen 0 und rund 40 Euro im Jahr. Keine erdrückenden Beträge – gleichwohl ist das eine der Stellschrauben, an denen die Banken im Moment drehen. Wohl in der Hoffnung, dass wegen 10 oder auch 40 Euro im Jahr kaum einer seine Bank wechselt. Vor allem kleinere Banken und Sparkassen sind zudem dazu übergegangen, für bestimmte Buchungen zusätzlich Geld zu nehmen – etwa für sogenannte beleghafte Überweisungen auf Papier, oder auch für Buchungen am Selbstbedienungsterminal in der Filiale. Bei Banken mit hohen Gebühren können sie 1,50 Euro oder 1,90 Euro je Buchung betragen.

          Zu den wichtigen, weil unter Umständen großen Posten gehören außerdem die Gebühren fürs Geldabheben. Hier lohnt es sich zu schauen, ob man als Bankkunde einen Automaten der jeweiligen Bank oder des Verbunds in der Nähe hat. Die Preise für Fremdabhebungen haben nämlich einige Banken Ende vorigen Jahres kräftig erhöht, darunter Deutsche Bank (3,95 Euro statt 1,95 Euro) und Commerzbank (3,90 Euro statt 1,95 Euro).

          Sparda Banken sind teurer als ihr Ruf

          Ein Vergleich von gebührenfreien Girokonten der Internetplattform Check 24 zeigt, dass es gerade bei Online-Banken auch weiter Angebote mit niedrigen Gebühren gibt (siehe Grafik). „Wer ein günstiges Girokonto eröffnen will, der sollte darauf achten, dass es keine Kontoführungsgebühren gibt, keine Gebühr für Buchungen und keine Kosten für Bank- und Kreditkarte“, sagt Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung, die Konditionen für Girokonten vergleicht. „Außerdem sollte man kostenlos Bargeld abheben können.“ Die Online-Banken dürften das weiterhin anbieten, ist Herbst zuversichtlich, und verweist beispielsweise auf das Konto der ING-Diba. Dafür verzichten Kunden in dem Fall auf die Möglichkeit, in eine Filiale zu gehen. Das gilt es abzuwägen.

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