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Wie man 50.000 Euro anlegt : Inkognito beim Bankberater

Bild: © ImageZoo/Corbis

Magerzinsen reichen vielen Anlegern nicht mehr. Wir haben uns als Paar ausgegeben, uns in vier Bankfilialen inkognito beraten lassen - und den Beratern dabei mächtig auf den Zahn gefühlt.

          7 Min.

          Heute sind wir nicht nur Kollegen, sondern ein Paar mit zwei Kindern. Außerdem sind wir 50.000 Euro reicher: Wir haben fiktives Geld auf der hohen Kante, das bei Magerzinsen auf Tagesgeld- und Girokonten herumdümpelt und noch nicht einmal die Inflationsrate ausgleicht. Wir sind in der gleichen Situation wie viele entmutigte Sparer, die sich beim Blick auf ihr Sparbuch sagen, dass sie ihr Geld anlegen müssten, aber nicht wissen, wie.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Beratung muss her! Dass wir nur ein fiktives Paar sind, soll die Bank nicht wissen. Und überhaupt wollen wir uns auf ein Institut allein nicht verlassen. Deshalb haben wir bei vier unterschiedlichen Banken und Sparkassen im Rhein-Main-Gebiet Termine mit Vermögensberatern ausgemacht. Die Institute haben wir so ausgewählt, wie die meisten Sparwilligen es wohl auch tun würden: Werbung und Empfehlungen waren wichtig, ausschlaggebend war die Nähe zu unserem Wohnort. Wir sind gespannt, ob die Vermögensberatung in der Bank so schlecht ist wie der Ruf, der ihr seit der Finanzkrise anhaftet. Damals haben deutsche Anleger viel Geld verloren, weil sie hochriskante Wetten eingegangen sind, die ihre Bankberater ihnen als sichere Finanzprodukte empfohlen hatten. Mal sehen, was wir mit unseren 50.000 Euro anstellen sollen.

          An einem kühlen Februartag treffen wir uns vor einer Filiale der Deutschen Bank. Die Eheringe verschwinden vorher noch schnell in der Hosentasche, schließlich sind wir der Legende nach nicht verheiratet. Einen ungelösten Beziehungskonflikt haben wir auch: Sie möchte sich Immobilieneigentum zulegen, er fühlt sich zur Miete wohler. Unser Berater führt uns in einen Besprechungsraum, Wasser, Kaffee, kleine Gummibärchentüten mit Firmenemblem, die Zierpalme in der Ecke wirkt etwas vertrocknet. Ein kurzer Smalltalk lockert die etwas angespannte Situation auf. Dann erklärt er das Prozedere: In diesem Gespräch soll es nur um die Anlage der 50 000 Euro gehen, das Thema Vorsorge wird zunächst ausgeklammert. Im ersten Schritt erklärt er uns das Spannungsfeld zwischen Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit der Geldanlage. Alles auf einmal ist nicht möglich. Nun sollen wir ermitteln, wo unsere Prioritäten liegen. Dazu erstellt er unser Risikoprofil. Die Deutsche Bank hat dafür einen Fragebogen im Computer hinterlegt. Haben wir schon Erfahrungen im Umgang mit Wertpapieren? Bereiten uns Kursschwankungen schlaflose Nächte, oder verderben uns eher die niedrigen Zinsen die Laune? Wie nebenbei arbeiten wir auch das Beratungsprotokoll ab, das der Gesetzgeber seit der Finanzkrise vorschreibt.

          Obwohl der Vorgang stark standardisiert ist, haben wir nicht das Gefühl, nur eine Nummer zu sein. Das liegt vor allem am Berater, der uns mit seiner Kenntnis des Marktgeschehens überzeugt und immer wieder bemüht ist, komplexe Sachverhalte für Laien verständlich zu erklären. Auch kritischen Fragen nach seinem Arbeitgeber weicht er nicht aus. Wir zeigen uns etwas verschreckt durch all die Skandale bei seiner Bank. Er nimmt unsere Bedenken ernst, grenzt sich aber auch ab. Erklärt, dass ihn die Fehler, die im Investmentbanking passiert sind, auch schockiert haben, aber keine Auswirkungen auf das Filialgeschäft hätten.

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