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Vorsorgen fürs Kind : Welche Sparprodukte sich für Eltern lohnen

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Sparziel: Oftmals wünschen sich Kinder mit 18 Jahren von ihren Eltern den Führerschein Bild: Alexander Stein/JOKER

Angesichts niedriger Zinsen stehen viele Großeltern, Eltern oder Paten vor der Frage, wie sie gewinnbringend für den Nachwuchs sparen können. Nicht jedes Finanzprodukt hält, was es verspricht.

          Kinder sind meist lieb – und ganz schön teuer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kostet der Nachwuchs durchschnittlich etwa 550 Euro im Monat. Nach 18 Jahren kommt ein Betrag zusammen, für den man sich einen schicken Porsche hätte leisten können. Den würde wahrscheinlich auch der Filius gerne fahren, wenn er denn einen Führerschein hätte. Aber auch der kostet Geld. Großeltern, Eltern und Paten fangen deshalb oft frühzeitig an, für den Führerschein, die Ausbildung oder das Studium zu sparen.

          Die entscheidende Frage ist allerdings: Welche Art Sparplan ergibt in Zeiten niedriger Zinsen noch Sinn? „Sparen hat mit den Zinsen erst einmal nichts zu tun“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Wichtig sei zunächst, dass man überhaupt anfange, monatlich einen bestimmten Betrag zurückzulegen. „Außerdem ist Flexibilität wichtiger als Rendite“, meint der Finanzfachmann. Beginnen etwa die Großeltern gleich nach der Geburt zu sparen und das Geld anzulegen und soll damit zum Beispiel der Auslandsaufenthalt des Enkels in der Oberstufe bezahlt werden, sei die Flexibilität zu Beginn des mindestens 15 Jahre dauernden Sparens nicht so wichtig. „Je kürzer der Sparplan, desto sicherer sollte jedoch die Anlage sein“, sagt Herbst.

          Höchste Zinsen bei Direktbanken

          In der Tat steht Sicherheit bei der Geldanlage für Kinder oder Enkel meist im Vordergrund. Ein Banksparplan ist oft das Naheliegende, zumal schon mit kleinen Beträgen, etwa zehn Euro monatlich, regelmäßig gespart werden kann. Die Verzinsung ist allerdings variabel und derzeit extrem niedrig. Eine Alternative sind Tages- oder Festgeldkonten. Das macht das Kapital auch flexibel verfügbar, wenn es wieder höhere Zinsen gibt. Die höchsten Zinsen gibt es derzeit bei Direktbanken. Wer 10.000 Euro übrig hat, für den gibt es bei einem Anlagezeitraum von fünf Jahren momentan 2,6 Prozent Zinsen. Ein Vorteil von Banksparplänen, Festgeld und anderen konservativen Anlagen ist zudem, dass die Einlagen gesichert sind.

          Wer das Geld für die Kinder länger als zehn Jahre anlegt, dem raten die Anlageexperten zum Fondssparen. Die monatlichen Sparbeträge fließen dann in einen Aktienfonds oder einen Mischfonds, der in Aktien und Anleihen investiert. Die meisten können ab 25 Euro monatlich bedient werden. Allerdings muss ihn jeder auf seine eigene Risikoneigung abstimmen. Es wäre nicht schön, hinterher dem Enkel sagen zu müssen: „Opa hat sich verzockt.“ Zudem fallen oft hohe Fondsgebühren und die Kosten fürs Depot an. Max Herbst rät deshalb zu sogenannten ETF, bei denen die Zusammensetzung einem Index wie dem Dax nachgebildet wird und daher wenig Gebühren anfallen.

          Riskante Aktienfonds mit höheren Ertragschancen

          Auch Versicherer haben das Geschäft mit Eltern entdeckt, die sich um die Bildung ihrer Kinder sorgen. Die Ausbildungsversicherung wird in der Regel auf den Namen eines Eltern- oder Großelternteils abgeschlossen. Bis zum Studienbeginn werden monatlich zum Beispiel 100 Euro eingezahlt. So können nach 20 Jahren mit einer Verzinsung von 3 Prozent rund 33.000 Euro zusammenkommen. Bei der Ausbildungsversicherung investiert der Versicherer das Geld vor allem in sichere Anlagen, bei fondsgebundenen Policen meist in Aktienfonds. Diese sind zwar riskanter, bieten unter Umständen aber auch höhere Ertragschancen.

          Für Verbraucherschützer gibt es jedoch keinen Grund, eine Ausbildungsversicherung abzuschließen. „Sie ist einfach zu teuer“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Schon die Abschlusskosten belaufen sich häufig auf einige Prozent der Versicherungssumme. Dafür ist die Rendite häufig etwas höher als bei Banksparplänen. Hinzu kommen Verwaltungskosten, die vom Sparbeitrag abgezogen werden. „Bei fondsgebundenen Policen kommen auch noch die Kosten für das Fondsmanagement hinzu“, sagt Nauhauser. Zudem sei es nicht sinnvoll, Geldanlage und Risikovorsorge zu koppeln. Die Ausbildungsversicherung ist außerdem nur für Eltern interessant, für die Flexibilität keine Rolle spielt. Die Verträge seien nur schwer kündbar und eine vorzeitige Auflösung meist mit höheren Kosten verbunden, sagt Nauhauser. Bei der Auszahlungssumme sollten Eltern genau darauf achten, welcher Betrag garantiert wird und welcher von der Lage an den Zinsmärkten abhängt.

          Für Großeltern, Paten oder wohlmeinende Tanten gibt es auch bei der Einrichtung eines Kontos für ein unmündiges Kind einiges zu bedenken. Zunächst müssen die Eltern des Kindes die Geburtsurkunde herausrücken, denn die wollen alle Banken sehen, bevor sie einen Spar- oder Festgeldvertrag auf einen anderen Namen einrichten. Und da ein Kind nicht geschäftsfähig ist, müssen seine gesetzlichen Vertreter dem Vertrag zugunsten von Sohn oder Tochter zustimmen.

          Soll allerdings im Nachhinein das angesparte Geld nur einem bestimmten oder sogar einem völlig anderen Zweck zukommen, empfiehlt es sich, eine Verfügungs- oder Widerrufsklausel in den Vertrag einbauen lassen. Zum Beispiel, wenn die Großeltern einen teuren Altersheimaufenthalt finanzieren müssen oder aus dem süßen Kleinen ein rüpelhafter Teenager geworden ist.

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