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Tagesgeldkonten : Noch eine Bank nimmt Negativzinsen von Privatkunden

Nach der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt jetzt eine weitere Genossenschaftsbank in Deutschland Negativzinsen auch von Privatkunden. Bild: dpa

Nach der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt jetzt eine weitere Genossenschaftsbank in Deutschland Negativzinsen auch von Privatkunden.

          Wie das Internetportal Verivox berichtet, müssen Kunden der Volksbank Stendal jetzt für Einlagen auf dem Tagesgeldkonto über 100.000 Euro einen Zinssatz von 0,4 Prozent zahlen. „In diesem Zinsumfeld schließen wir nicht aus, dass auch andere Banken nachziehen müssen“, heißt es bei Verivox. „Zumindest höhere Guthaben könnten stärker betroffen sein.“ Hintergrund sind die Einlagenzinsen in Höhe von 0,4 Prozent, die Banken derzeit für ihre eigenen Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen müssen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Raiffeisenbank Gmund hatte berichtet, mehrere weitere Banken hätten bei ihr angefragt und sich nach den technischen Details und der Kommunikationsstrategie zu den negativen Zinsen erkundigt, weil sie offenkundig gleichfalls darüber nachdenken, eine solche Regelung einzuführen. Als erstes Institut in Deutschland hatte die Skatbank Negativzinsen für Privatkunden eingeführt, allerdings nur für noch deutlich größere Einlagen ab 500.000 Euro.   

          Ingo Freidel, Vorstand der Volksbank Stendal, sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Aus meiner Sicht ist das, was wir machen, nichts Besonderes.“ Seit dem Jahre 2012 gebe es negative Renditen von Wertpapieren, seit 2014 verlange die Europäische Zentralbank negative Einlagenzinsen, die im März dieses Jahres auf 0,4 Prozent angehoben worden seien. „Seit dem 1. August nimmt auch die DZ Bank, bei der wir Volksbanken unsere überschüssigen Mittel parken, von uns 0,4 Prozent Negativzinsen.“

          Deshalb habe sich die Volksbank entschlossen, seit dem 1. Oktober diese Negativzinsen an Kunden mit mehr als 100.000 Euro Einlagen weiterzugeben. „Wir schlagen da nichts drauf, die Aufbewahrung des Geldes ist gleichsam weiter kostenlos“, meinte Freidel. Vorab habe die Volksbank mit den Kunden gesprochen, die künftig von den Negativzinsen betroffen seien, damit diese ihre Geldanlage umstellen könnten. „Die Negativzinsen gelten für alle täglich fälligen Einlagen, nicht aber beispielsweise für 30-Tage-Festgeld“, sagt Freidel.

          Mit Stendal treffen die negativen Zinsen eine Region, die weniger wohlhabend ist als Gmund am Tegernsee, wo viele Millionäre wohnen. „Unsere Region hat eine andere Struktur, wir liegen auf dem Prognos-Zukunftsatlas sogar auf dem letzten Platz“, sagte Freidel. Entsprechend gebe es wohl auch relativ weniger reiche Privatkunden als am Tegernsee, die eine solche Regelung treffe. Eine Zahl dazu wollte Freidel jedoch nicht nennen. Mit anderen Instituten, etwa der örtlichen Sparkasse, abgesprochen  habe man sich nicht. Das sei auch wohl kartellrechtlich nicht zulässig.         

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