https://www.faz.net/-hs7-7znyz

Gefälschte Urkunden : Die Tricks der Bank-Betrüger

Kontrolle eines Ausweises mithilfe von UV-Licht. Bild: PATRICK LANDMANN/SCIENCE PHOTO L

In Deutschland deckte die Polizei im Vorjahr 65.000 Fälle von Urkundenfälschung auf. Betrüger versuchen, sich Zugänge zu Konten und Krediten zu verschaffen.

          4 Min.

          Wenn Peter Hessel seine Asservatenkammer öffnet, ist er sich der Wirkung bewusst. Regelmäßig schult der Frankfurter Polizeihauptkommissar Gruppen, wie Trickbetrüger sich Kredite erschleichen, ohne ihre Identität preiszugeben. Der Effekt unter Bankmitarbeitern ist dann meist derselbe: „Ich erlebe oft Betroffenheit. Dann heißt es: ,Jetzt müssen wir etwas tun.‘ Diese Schmach will keiner erleben“, sagt Hessel, der die Abteilung Zentrale Ermittlungen im Frankfurter Polizeipräsidium leitet. Alle Delikte, die mit ausländerrechtlichen Verstößen, Sozialkriminalität und Intensivtätern zu tun haben, bearbeiten seine Mitarbeiter. Und eben auch Tricksereien mit gefälschten Ausweisen und anderen Dokumenten. „Es ist unfassbar, was die Leute draußen für Ideen haben – und das zum Teil für 3,50 Euro“, sagt Hessel und fasst sich an den Kopf.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Für diese Zeitung hat er nun seine interessantesten Fundstücke ausgepackt: gefälschte Pässe, Zubehör und viel Fotomaterial. Eines der spektakulärsten Fundstücke sind die 52 französischen Ausweise eines Betrügers, der in einer Bank überführt wurde – 52 Mal dasselbe Gesicht, 52 Mal völlig unterschiedliche Identitäten. Aufgeflogen ist der Trickbetrüger, als er in einer Filiale der Postbank festgenommen wurde, als er einen Kredit beantragen wollte. Wenn Banken solche Kriminelle identifizieren, können sie schnell hochrechnen, welchen Schaden sie abgewendet haben – Grundlage ist die Höhe des Kredits, der soeben verhindert wurde. Die höchste Schätzung im Fall des Franzosen lag bei 80 Millionen Euro.

          Noch in der Filiale festgenommen

          „Wir erwischen meistens die, die es schlecht gemacht haben“, sagt Ulrich Luckas während desselben Termins im Polizeipräsidium. Als die Vorgängerorganisation der Targobank im Jahr 1999 die erste Betrugsbekämpfungsstelle einer Bank in Deutschland einrichtete, war Luckas mit dabei. Bis heute ist die Abteilung auf 31 Mitarbeiter angewachsen. Sein Institut greift rigoros durch, wenn Betrüger mit gefälschten Urkunden eine Transaktion erschleichen wollen: Kreditanträge, Überweisungen, Schecks, Auszahlungen. Die Delinquenten werden nach einer Überprüfung durch die Polizei noch in der Filiale festgenommen. Jeden Tag überführen die Mitarbeiter in einem der 360 Standorte der Targobank einen Kriminellen.

          Sieht man sich die Fundstücke von Kommissar Peter Hessel an, scheint die Phantasie tatsächlich grenzenlos zu sein: täuschend echt aussehende Pässe aus fiktiven Staaten wie Khalistan, British Honduras oder Schottland (!), Führerscheine, die an einer Cocktail-Bar in Texas ausgestellt wurden, „Original“-Kontoauszüge einer Sparkasse aus dem Netz. Durch das Internet wird es immer leichter, sich falsche Stempel mit den Originalemblemen zu besorgen. Lässt sich mit ein wenig Allgemeinbildung noch feststellen, dass es in Dänemark keine Personalausweise gibt und dass der Stempel aus dem schottischen Aberdeen eine Fälschung sein muss, gibt es auch schwieriger zu entlarvende Dokumente. Hessel zeigt, wie die Originalfolie von Pässen der Repubblica Italiana inklusive Visa-Hologramm kommerziell vertrieben wird – Mindestabnahme 10000 Stück, zu bestellen über obskure Seiten im „Invisible Internet“.

          Weitere Themen

          Börsenneuling Teamviewer liefert gute Zahlen

          Nach IPO : Börsenneuling Teamviewer liefert gute Zahlen

          Der Software-Anbieter ist im dritten Quartal rasant gewachsen. Das Unternehmen bekräftigt seinen Ausblick und will nun das obere Ende der Prognose erreichen. Aktionäre dürfen sich freuen.

          Topmeldungen

          Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

          Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.
          Kahlschlag im Netzwerk: Produktion des norddeutschen Windkraftanlagenherstellers in Magdeburg

          Enercon in der Krise : Angst vor Kahlschlag in der Windbranche

          Der Hersteller Enercon aus Aurich will Tausende Stellen streichen und schreckt Politik und Gewerkschaften auf. Geschäftsführer Kettwig fordert Hilfe für die Industrie. Braucht es die tatsächlich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.