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Umschuldung : Raten- statt Dispokredit spart Tausende Euro

Nicht die günstigste Finanzierungsalternative - schon gar nicht derzeit Bild: dpa

Die Zinsen sind niedrig wie nie. Wer jetzt Kredite umschuldet, spart viel Geld. Das gilt besonders für den Wechsel vom Dispo- zum Ratenkredit.

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          So zynisch es sein mag: Die Krisen in der Ukraine und in den Schwellenländern haben auch eine gute Seite: Weil die Anleger verstärkt die Sicherheit deutscher Anleihen suchen, sind die sowieso schon niedrigen Zinsen in Deutschland noch einmal ein kleines Stückchen tiefer gesunken. Was Sparer frustriert, freut die, die sich Geld pumpen müssen: 2,9 Prozent für einen Baukredit mit 15 Jahren Zinsbindung, 5,5 Prozent für einen dreijährigen Ratenkredit - so günstig war das Schuldenmachen noch nie.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und daher war es auch noch nie so attraktiv, alte, hochverzinste Kreditverträge in neue Kredite mit deutlich niedrigeren Zinsraten umzuschulden. Oder den ständig voll ausgeschöpften Dispokredit des Girokontos in einen viel günstigeren Ratenkredit umzuwandeln.

          Letzteres will die Bundesregierung sogar gesetzlich verordnen. Im Koalitionsvertrag steht, dass der Kunde künftig einen automatischen Warnhinweis bekommen soll, wenn sein Girokonto ins Minus rutscht und er damit den Disporahmen nutzt. Bei dauerhafter und umfangreicherer Nutzung des Dispo soll die Bank günstigere Alternativen wie einen Ratenkredit vorschlagen müssen.

          Dispokredit zu Ratenkredit

          Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen kritisierte die Vorschläge unlängst: „Die Kunden könnten sich belästigt fühlen.“ Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, kann sich damit anfreunden, solange nur der ebenfalls in der Politik diskutierte Deckel für die Höhe der Dispozinsen verhindert wird. Die Commerzbank nimmt mit 11,9 Prozent besonders hohe Dispozinsen. Je günstiger die Zinsen, desto höher verschuldeten sich die Verbraucher, rechtfertigt sich Blessing.

          Die ersten Banken wie die ING-Diba und einige Sparda-Banken reagieren bereits auf die Debatte und senken zumindest die noch höheren Überziehungszinsen, die dann fällig werden, wenn der Disporahmen ausgereizt ist. Sie gehören aber sowieso nicht zu den Banken, die sehr viel verlangen. Die Spanne für die Dispozinsen reicht von 5 bis 13,7 Prozent, im Durchschnitt werden 10,2 Prozent fällig, für Überziehungszinsen rund 14 Prozent. Besonders teuer sind neben der Commerzbank auch die Postbank und die Targobank.

          Die Umschuldung von ständig ausgeschöpften Dispokrediten lohnt sich aber für alle Bankkunden. Denn die Zinsunterschiede sind überall erheblich. Wer 2000 Euro im Minus ist, kann 500 Euro Zinsen sparen, wenn er die Summe in etwa vier Jahren über einen Ratenkredit mit monatlich 50 Euro für Zins und Tilgung zurückzahlt.

          Das ist auch günstiger, als jeden Monat seinen Dispo um 50 Euro weniger auszuschöpfen und so die Schulden abzubauen. Günstige Anbieter von Ratenkrediten sind derzeit „Bank11Kredit“, die SKG und die Degussa Bank mit Zinsen von etwas weniger als fünf Prozent. Voraussetzung ist eine ordentliche Bonität. Manche Banken gewähren Ratenkredite auch bonitätsunabhängig. Für die Auswahl entscheidend ist nicht der Nominal-, sondern der Effektivzins, der auch die Nebenkosten mit einrechnet. Wichtig ist zudem, dass der Disporahmen nach der Umschuldung gesenkt wird, damit nicht gleich wieder neue Schulden entstehen.

          Eine flexiblere Variante als der Ratenkredit ist der Abruf- oder Rahmenkredit. Dabei wird dem Kunden wie beim Dispo ein bestimmter Kreditrahmen eingeräumt, den er beliebig stark in Anspruch nehmen kann. Der Zins wird nur auf den abgerufenen Betrag fällig. Der Zins liegt niedriger als der für den Dispokredit, aber oft höher als der für einen Ratenkredit. Und er kann sich jeden Monat verändern. Der Kunde muss jeden Monat einen fixen Betrag tilgen, kann aber auch viel mehr zurückzahlen - das dann ohne Gebühren. Leider bieten nicht alle Banken einen Rahmenkredit an.

          Möglich ist auch eine Umschuldung von alten, teurer verzinsten auf neue, günstigere Ratenkredite. Doch das lohnt sich nicht immer. Denn die Zinsunterschiede sind kleiner als zwischen Dispo und Ratenkredit, und es wird eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Zudem sind die Kreditbeträge meist geringer und die Laufzeit kurz.

          Umschuldung von Baukredit lohnt nicht immer

          Also ganz anders als bei Baudarlehen. Hohe sechsstellige Summen und Zinsbindungsfristen von zehn und mehr Jahren sind hier völlig normal. Die machen es schon bei kleinen Zinsdifferenzen attraktiv, einen alten Vertrag in einen neuen umzuwandeln. Das spart in wenigen Jahren mehr als zehntausend Euro (siehe Grafik).

          Allerdings ist eine Kündigung eines alten Baukredits erst nach Auslaufen der Zinsbindungsfrist, spätestens nach zehn Jahren möglich. „Läuft die Bindung noch, verweigern viele Banken die vorzeitige Kündigung oder verlangen eine sehr hohe Vorfälligkeitsentschädigung. Eine Kündigung würde sich dann in keinem Fall mehr lohnen“, warnt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Nach Ablauf der Frist ist die Kündigung kostenlos. Allerdings muss der Eintrag im Grundbuch, den die Banken als Sicherheit fordern, an das neue Institut abgetreten werden. Das kostet zum Beispiel für 100.000 Euro zwischen 300 und 450 Euro. Manchmal gibt es aber Aktionen der Banken, in denen sie die Kosten übernehmen.

          Für den neuen Darlehensvertrag empfiehlt Herbst eine möglichst lange Zinsbindung von 15 und mehr Jahren, die Möglichkeit zu Sondertilgungen von mindestens fünf Prozent der Darlehenssumme im Jahr und die Flexibilität, die Tilgungsraten anpassen zu können, wenn die finanzielle Situation sich verändern sollte. Dann ist die Umschuldung von Baukrediten das Beste, was man derzeit machen kann.

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