https://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/nachrichten/stiftung-warentest-bemaengelt-viele-online-banking-apps-13601447.html

Online-Banking : Viele Banken-Apps enttäuschen

Wenn’s um Geld geht: Testsieger ist die Sparkasse – die meisten anderen Bankprogramme für Mobiltelefone erreichten im Test nur mittelmäßige Noten. Bild: Picture-Alliance

Kreditinstitute investieren viel Geld in ihre Online-Angebote. Auf dem Handy bleiben die Dienste aber hinter ihren Möglichkeiten. Stiftung Warentest hat die Apps ausprobiert.

          3 Min.

          Viele deutsche Banken hinken den technischen Ansprüchen ihrer Kunden weit hinterher. 5Millionen Deutsche haben sich schon Programme für Bankgeschäfte auf ihr Handy geladen, um auch von unterwegs auf ihr Konto zugreifen und Geld überweisen zu können. Doch nur wenige dieser Apps schöpfen die technischen Möglichkeiten voll aus, ergab ein Test der Stiftung Warentest. Die meisten Programme sind entweder schwer zu bedienen und wenig komfortabel oder haben Mängel beim Datenschutz.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nur sieben der 38 getesteten Apps überzeugten die Tester, die große Mehrzahl wurde als „befriedigend“, „ausreichend“ und eine App sogar als „mangelhaft“ bewertet. In der unteren Hälfte der Bewertungen finden sich auch die Programme von großen Instituten wie Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und Postbank, deren Testergebnisse sich nur in Nuancen unterscheiden, das Programm „Meine Bank“ von der Deutschen Bank kommt auf ein etwas besseres „befriedigend“.

          Damit bleiben die Geldhäuser weit hinter ihren Ansprüchen zurück. Denn seit Jahren versichern die Vorstandsvorsitzenden, dass die Digitalisierung und die gute Erreichbarkeit über alle Online-Kanäle für sie ganz oben auf der Agenda stehe. Commerzbank und Deutsche Bank stecken Millionen in die Weiterentwicklung ihrer sogenannten Multikanal-Strategien. Die Hypo-Vereinsbank halbiert gerade die Zahl ihrer Filialen mit dem Hinweis, dass die Kunden ihre Geschäfte ohnehin über das Internet machen wollten.

          Sparkasse schneidet am besten ab

          Und obwohl der mobile Zugang über das Handy dabei immer wichtiger wird, landete die App der Münchner auf den hinteren Plätzen. Weder die angebotenen Funktionen noch die Umsatzanzeige oder die Überweisungsmöglichkeiten konnten die Tester überzeugen. Ein Sprecher der Hypo-Vereinsbank wollte das Ergebnis am Dienstag nicht kommentieren. Die App werde weiter ausgearbeitet, für eine nähere Bewertung des Ergebnisses fehlten ihm aber die Details. Auch von der Commerzbank gab es keinen Kommentar.

          Besonders gut schnitten die Programme der Sparkassen ab, die es in einer Gratis- und einer Bezahlversion mit einigen Zusatzfunktionen gibt. Sowohl auf dem iPhone-Betriebssystem iOS als auch auf dem Android-System, mit dem viele andere Smartphones arbeiten, belegten die beiden Apps Spitzenplätze.

          Bei der Eingabe von Kontodaten werde sofort die Plausibilität geprüft, Daten von Überweisungsträgern auf Papier ließen sich problemlos einscannen und Empfängerdaten für spätere Überweisungen abspeichern – so einige Vorteile, welche die Tester hervorhoben und auf die Nutzer anderer Programme häufig verzichten müssten. So sei es etwa in der Deutschen-Bank-App nicht möglich, eine Überweisung für einen späteren Wunschtermin anzusetzen, in den Mobil-Angeboten von Hypo-Vereinsbank und Comdirect könne man keinen Dauerauftrag einrichten.

          Apps für Apps

          Wie beim Online-Banking auch, stehen sich beim mobilen Bankgeschäft Sicherheit und Komfort entgegen. Jeder Zwischenschritt, der die Sicherheit erhöht, erschwert die Bedienbarkeit. So liegt es am Ende am Geschmack des einzelnen Kunden, was ihm wichtiger ist. Bei einigen Programmen sahen die Tester die Möglichkeit, das Passwort abzuspeichern, als Sicherheitsmangel.

          Bei anderen Apps konnten sie nicht überprüfen, welche Daten an die Zentrale gesendet werden, weil die Experten die „Transportverschlüsselung“ nicht aufbrechen konnten. Was erst einmal nach hoher Sicherheit klingt, stuften die Tester als „nicht bewertbar“ ein.

          Neben den eigenen Angeboten von Banken und Sparkassen gibt es auch Programme, über die Nutzer mehrere Konten bei unterschiedlichen Banken verwalten können. Diese schnitten im Test sehr unterschiedlich ab. Die App „Centralway Numbrs“ landete weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der Wertung. Sowohl der Umfang der Funktionen als auch Passwort- und Datenschutzbestimmungen fielen durch.

          So sicher wie mit dem Computer

          Auf dem ersten Platz unter den iPhone-Programmen landete aber ebenfalls ein bankenunabhängiger Anbieter, Outbank.de. Während die meisten anderen Apps gratis sind, kostet die von Outbank 8,99 Euro im Jahr.

          Immerhin in puncto Sicherheit konnten die Tester Entwarnung geben: Bankgeschäfte mit den geprüften Apps seien ebenso sicher wie Online-Banking über den Computer. Teilweise ist der mobile Zugang zur Bank sogar sicherer, weil zum Beispiel das iPhone relativ immun gegen Viren ist. Da die Nutzerzahlen beim Handy-Banking noch geringer sind, haben sich auch noch nicht so viele Kriminelle darauf spezialisiert.

          Cyber-Kriminalität : Sind unsere Online-Konten sicher?

          Weitere Themen

          Europas Währungen werden immer schwächer

          Pfund auf Rekordtief : Europas Währungen werden immer schwächer

          Der Dollar wird gegenüber den europäischen Währungen immer stärker. Das Pfund sackt zwischenzeitlich auf ein Allzeittief, der Euro ist so billig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Was die Gründe dafür sind, und was daraus folgt.

          Topmeldungen

          Protest in Teheran am 21. September 2022 gegen den Tod von Mahsa Amini

          Proteste in Iran : Den Ajatollahs bleibt nur die Gewalt

          Die Proteste nach dem Tod der jungen Mahsa Amini nähern sich einer kritischen Masse. Aber das Regime ist weder zu Reformen noch zu Kompromissen bereit.
          Mit Eco-Programmen mit Waschwirkung A ist man also auf der sicheren Seite.

          Markus Miele im Interview : „Zu selten im Eco-Programm“

          Wer wäscht, spült und saugt, verbraucht Energie. Dass die immer teurer wird, weiß auch Markus Miele. Im Gespräch sagt er, warum mehr Wasser gut sein kann und im Alltag noch einiges drin ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.