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Seltene Metalle : Mit alten Handys Geld verdienen

Das ist kein Schrott Bild: Rüchel, Dieter

Die Deutschen horten rund 80 Millionen alte Mobiltelefone zuhause. Dabei sind sie bares Geld wert. Wer sie abgibt, kann für neuere Modelle leicht hundert Euro pro Gerät kassieren.

          In fast jedem Haushalt gibt es diese eine Schublade, in die keiner von uns so gerne hineinschaut. Denn in ihr liegen alte, ausrangierte Handys, die wir nie mehr benutzen werden, die wir aber aus alter Verbundenheit oder aus Ratlosigkeit hinsichtlich der korrekten Entsorgung nie weggeworfen haben. Aber ausgerechnet um diese alten Handys buhlen viele Unternehmen. Ja, sie zahlen den Besitzern sogar dreistellige Summen für manche Geräte. Denn die Telefone oder zumindest die Rohstoffe darin sind bares Geld wert.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Etwa 80 Millionen gebrauchte Handys liegen in Deutschland ungenutzt herum, schätzen Technik- und Umweltverbände. Und damit eine gigantische Menge derjenigen Metalle, die weltweit selten sind und immer teurer werden: 1,9 Tonnen Gold, 20 Tonnen Silber und 720 Tonnen Kupfer stecken schätzungsweise in diesen 80 Millionen Geräten. Wer sich von ihnen trennt, kann auf diese Weise der Umwelt helfen oder Familien in Afrika, die vom Recycling des Elektroschrotts leben – oder selbst Gorillas im Kongo, die in dem Erzabbaugebiet leben, dessen Coltan für Handys abgetragen wird. So versprechen es die Handysammler, die jedes Altgerät annehmen.

          Dreistellige Beträge für neuere Geräte

          Die Telekom etwa, die Deutsche Umwelthilfe, die Organisation Pro Wildlife oder der Berliner Müllbetrieb Alba sammeln Schrottgeräte kostenlos ein. Dazu haben sie Adressaufkleber zum Ausdrucken ins Internet gestellt, mit denen Handyspender ihre Telefone portofrei an Sammelstellen schicken können. Die verkaufen die Geräte an Zerlegebetriebe und spenden das Geld nach eigenen Aussagen für Umwelt- oder Naturschutzprojekte. So kann man alte Handys loswerden, die keine Smartphones sind. Hochwertigere Exemplare kann man aber auch in Filialen von Telekom oder Vodafone abgeben, dort bekommt man oft sogar einen Einkaufsgutschein als Recyclingbonus.

          Smartphones dagegen sollte man nicht zum Ausschlachten herschenken, sie lassen sich noch gut verkaufen. Selbst ein iPhone der ersten Generation von 2007 bringt bei manchen Händlern noch 80 bis 90 Euro – neuere Geräte oft sogar dreistellige Beträge. Wer wissen will, was sein Althandy wert ist, kann es entweder direkt auf den Internetseiten der Aufkäufer schätzen lassen. Dazu gibt man etwa bei „verkaufsuns“, „wirkaufens“, „rebuy“, „flip4new“, „duverkaufst“ oder „zonzoo“ einige Daten ein: Um welches Modell geht es? Ist Zubehör vorhanden? Wie ist der Zustand des Handys?

          Kein Geld für defekte Handys

          Noch einfacher kann man den Marktwert auf einer Vergleichsplattform prüfen, etwa auf „werzahltmehr“. Die Plattform verrät schnell: Am meisten erhalten Verkäufer auf den Portalen von Amazon, eBay oder „verkaufsuns“. Und die Plattform informiert auch darüber, ob es für ein Gerät noch 82 bis 111 Euro gibt (wie für ein iPhone 3GS), oder 40 bis 60 Euro (wie für ein Samsung Galaxy Ace) oder wahrscheinlich nur sieben bis acht Euro (wie für den Nokia-Bestseller 6210). Für ein iPhone 4 kann man sogar noch 350 Euro kassieren. Das Apple-Handy zählt momentan zu den wertbeständigsten Telefonen, für die Nutzer noch 50 bis 80 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises erzielen können. Beim Samsung Galaxy sind es eher 30 bis 60 Prozent. Bei neueren Nokia-Modellen maximal 30 Prozent. Über den Preis entscheiden vor allem Modellreihe, Farbe und Speicherkapazität sowie das noch vorhandene Zubehör. Und natürlich der Zustand des Telefons: Hat es schwere Gebrauchsspuren oder nur ein paar Kratzer? Besonders hier sollte man die Bedingungen der Käuferportale genau lesen: Winzige Schrammen finden die meisten akzeptabel. Aber kleine Risse am Kopfhörereingang oder der Ladesteckerbuchse können bei manchen Aufkäufern zu Abzügen führen und den Wert eines Handys um fünf bis zehn Euro mindern. Außerdem ist wichtig, ob das Telefon eine Sperre hat, die den Kunden an ein bestimmtes Netz bindet (SIM-Lock oder Net-Lock), oder ob Vorbesitzer oder Netzbetreiber sich per Branding und Gravur im Gehäuse verewigt haben. Beides mögen Wiederkäufer nicht.

          Hat man sich für einen Handy-Abnehmer entschieden, schickt man ihm das Gerät – nicht immer portofrei – und setzt darauf, dass er den ermittelten Preis dafür überweist. Tipp: Am besten vorher schauen, welche Bewertungen andere Kunden ihm gegeben haben.

          Pech haben eigentlich nur die Handybesitzer, die defekte Geräte loswerden wollen – und als solche gelten auch diejenigen mit gesplittertem Displayglas – oder Billighandys. Für die zahlen Plattformen meist keinen Euro mehr. Aber auch dann kann man ja wenigstens noch die Umwelt retten. Oder die Gorillas.

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