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Schufa & Co. : Bonitätsauskünfte für Privatkunden

Die Schufa im Internet: Bonitätsauskünfte bald für jedermann? Bild: dapd

Bislang standen Daten zur Kreditwürdigkeit nur Gewerbetreibenden zur Verfügung. Jetzt entdecken Auskunfteien eine neue Kundengruppe.

          Der Handel mit privaten Daten ist ein sensibles Geschäft. Missbrauch ist leicht möglich; kommen Informationen in falsche Hände, kann das schädigend fürs Geschäft sein. Gleichzeitig aber verstehen sich Wirtschaftsauskunfteien als Schmierstoff der Wirtschaft. Ihre Informationen können Vertrauen schaffen, um Geschäfte überhaupt anzubahnen. Denn wer kreditwürdig ist, wird wahrscheinlich auch morgen noch liquide genug sein, seine Rechnungen zu begleichen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          An solchen Informationen sind zunehmend auch Privatpersonen interessiert. Wissen sie, dass etwa ein Bauträger eine gute Bonität hat, schlafen sie womöglich besser, wenn sie ihn für ein privates Bauvorhaben engagiert haben. In diesem Sommer wurde zum Beispiel die Internetseite monetas.de freigeschaltet, auf der Kunden Einzelauskünfte oder Datenpakete über mögliche Geschäftspartner erwerben können. Dahinter steckt die schwedische Auskunftei Bisnode, die in Deutschland bis vor kurzem unter der Marke Hoppenstedt operierte. Weil das Unternehmen mit 80 Millionen Euro Jahresumsatz in Deutschland seinen Markenauftritt straffen will, tritt es künftig unter dem Namen des Mutterunternehmens auf.

          Auch die Auskunftei Schufa will sich dieses Segment erschließen. Innerhalb von drei Jahren hat sich dort die Zahl der Privatkunden auf 1,6 Millionen verdoppelt, wie der Vorstandsvorsitzende Michael Freytag dem „Handelsblatt“ sagte. Beschränkten sich die Dienstleistungen bislang darauf, für Kunden nach Einträgen auf schlecht beleumundeten Internetseiten zu suchen, will die Schufa nun ihre Datenbanken für Privatkunden öffnen. Auch an Applikationen für das Smartphone arbeitet das Unternehmen.

          Kunde muss berechtigtes Interesse nachweisen

          Andere Wettbewerber dagegen sind zurückhaltender. Creditreform etwa, mit 15 Millionen Anfragen über Unternehmen im Jahr führend und bei Anfragen über Privatpersonen hinter der Schufa die Nummer zwei, hält die Datenbanken für private Kunden verschlossen. Denn das Bundesdatenschutzgesetz verlangt ein berechtigtes Interesse eines Auskunftwilligen, bevor er Informationen erhält. Damit wollte der Gesetzgeber verhindern, dass jemand die finanzielle Situation seines Nachbarn durchleuchtet und diese Informationen für private Zwecke missbraucht. Einige der 130 lokalen Vereine, aus denen Creditreform besteht, machen davon aber eine Ausnahme. Für umsatzträchtig hält man das in der Zentrale in Neuss aber nicht. „Wir versprechen uns von Privatkundenanfragen kein größeres Geschäft“, sagt ein Sprecher des Unternehmens mit einem Jahresumsatz von knapp einer halben Milliarde Euro.

          Bisnode dagegen ist mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Die Datenschutzbedenken glaubt man in der Darmstädter Zentrale ausräumen zu können. Bei jeder Anfrage müsse der Kunde sein berechtigtes Interesse an der Anfrage nachweisen. Diese Angaben werden archiviert. Kommt es zu rechtlichen Auseinandersetzungen, kann sich das Unternehmen, über das die Auskunft erteilt wurde, auf diese gespeicherten Angaben stützen. Plant der Privatkunde etwa, einen Kaufvertrag mit dem Unternehmen zu schließen oder hat er ein bestehendes Vertragsverhältnis, kann er die Einzelauskunft anfordern. „Wir halten es für sinnvoll, dass unser Angebot auch jemand nutzen kann, der keine dauerhafte Beziehung zu uns anstrebt, sondern sich vor einer großen Investition informieren will, die er nur einmal im Leben tätigt“, sagt ein Sprecher.

          Beim Berliner Wettbewerber Creditsafe schaut man sich die Entwicklung mit Interesse an. Noch verbreitet die Auskunftei Daten exklusiv für Firmenkunden. Momentan aber seien die Kapazitäten des walisischen Unternehmens begrenzt, sagt ein Sprecher. Das Geschäftsmodell sei auf Abonnenten ausgerichtet. Um Einzelauskünfte zu ermöglichen, müsste man sonst viel Geld in die Infrastruktur investieren. Noch grundsätzlicher lehnt die Auskunftei Bürgel eine Öffnung ab. Mit 192 Millionen Euro Umsatz zählt sie zu den Großen der Branche. Bei Privatpersonen entstehe schnell eine rechtliche Grauzone, argumentiert ein Unternehmenssprecher. Wenn aber eine Privatperson eine Information haben wolle, könne sie sich auch anders Zugang verschaffen. „Wer sich über ein Bauunternehmen informieren will, bekommt auch über einen Rechtsanwalt Auskunft, der mit uns in einer Geschäftsbeziehung steht“, sagt er.

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