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Privatkunden : Immer mehr Bankgeschäfte werden mobil erledigt

In China tätigen bereits 60% der Bankkunden ihre Geschäfte über mobile Endgeräte Bild: AFP

Auch hierzulande steigt die Zahl der Kunden, die für ihre Bankgeschäfte mobile Endgeräte wie das Smartphone nutzen. Bei den deutschen Banken besteht allerdings noch Nachholbedarf.

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          Mit den Chinesen, den Indern, Chilenen oder Südkoreanern können die Deutschen noch lange nicht mithalten. Der Trend ist allerdings eindeutig: Das Smartphone ersetzt immer stärker den Besuch der Bankfiliale. Wie aus einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Bain hervorgeht, wächst hierzulande unter Bankkunden die Bereitschaft, für Bankgeschäfte ein mobiles Endgerät zu nutzen. Dazu zählen neben Smartphones wie dem iPhone oder dem Samsung Galaxy auch Tabletcomputer (zum Beispiel das iPad). Die Wachstumsraten in Deutschland sind beeindruckend. Suchten im Jahr 2012 nur 16 Prozent der Kunden mindestens einmal innerhalb von drei Monaten über ein Smartphone oder Tablet den Zugang zu ihrer Bank, sind es im zu Ende gehenden Jahr schon 35 Prozent.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch der für Banken in Deutschland zuständige Bain-Partner Walter Sinn weist auf den hohen Nachholbedarf deutscher Banken hin: „Der rasante Anstieg der Nutzerzahlen im Mobile Banking zeigt die Dynamik der Entwicklung – im Vorjahr war Deutschland noch das Schlusslicht im weltweiten Vergleich.“ Er sieht die deutschen Banken vor großen Herausforderungen, weil sie die Digitalisierung und Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle mit Hochdruck vorantreiben müssen, um die Loyalität ihrer Kunden zu steigern und sich wieder als bevorzugte Ansprechpartner für Finanzthemen zu etablieren. Die digitale Aufholjagd hat seiner Ansicht nach erst begonnen.

          Banking im internationalen Vergleich

          So will die Commerzbank bis zum Jahr 2016 für ihre Angebote im Online- und Mobile Banking mehr als 200 Millionen Euro investieren. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken legen einen strategischen Schwerpunkt auf die Digitalisierung. Das „Kundenfokus 2015“ getaufte Programm hat Beratungsqualität und Internet als zentrale Aktionsfelder auserkoren. Über die Gruppe hinweg soll ein hoher zweistelliger Millionenbetrag investiert werden, wie Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) im Sommer angekündigt hat. Er sieht die genossenschaftlichen Institute auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern. Dabei zielte Fröhlich wohl auf die Sparkassen, die sich mit ihren Applikationen für Smartphone und Tablet als Marktführer in Deutschland betrachten. Nach Angaben von Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon wurden die beiden Sparkassen-Apps bis August mehr als fünf Millionen Mal heruntergeladen. Der durchschnittliche Sparkassenkunde ruft seine Apps 16 Mal pro Monat auf.

          Online- und Offline-Angebote müssen verknüpft werden

          Welche Bedeutung das Internet inzwischen für den deutschen Bankkunden erreicht hat, zeigen die aktuellen Statistiken von Bain. Die Berater haben in der ganzen Welt 190.000 Bankkunden befragt, davon 10.000 in Deutschland. In den vergangenen drei Monaten haben 80 Prozent im Internet Bankgeschäfte erledigt. Zwar hat sich der Anteil der dafür eingesetzten mobilen Endgeräte auf 35 Prozent binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. Aber in China sind es schon 60 Prozent, in Chile 57 Prozent, in Südkorea 56 Prozent und in Indien 55 Prozent. Nicht nur gegenüber vielen Schwellenländern hinkt Deutschland hinterher, sondern auch im Vergleich zu anderen Industrieländern. In den Vereinigten Staaten nutzen 45 Prozent der Bankkunden mobile Angebote. Darauf greiffen in Spanien sogar 49 Prozent mindestens einmal in drei Monaten zurück.

          Dass deutsche Kunden noch zögerlich Banking-Apps verwenden, mag sicherlich auch an den Sicherheitsbedenken liegen. Immer wieder weisen Fachleute auf die Gefahren des Mobile Banking hin. Denn Mobiltelefone gelten als anfälliger für Attacken als ein Computer. Doch sollten die Sicherheitsprobleme behoben werden, dürfte der Wettbewerb unter den Banken deutlich zunehmen. Denn die Apps machen die Bank und die dahinter stehenden Dienstleistungen austauschbar.

          Trotzdem warnt der für das Privatkundengeschäft zuständige Bain-Partner Dirk Vater davor, das Filialgeschäft komplett in Frage zu stellen. Denn die Mehrzahl der Bundesbürger erwarte nach wie vor von ihrer Bank eine persönliche Beratung. Deshalb müssten die Filialbanken möglichst rasch Online- und Offline-Angebote verknüpfen und neue Technologien integrieren. Das gelte vor allem für das mobile Bezahlen. Erst 13 Prozent der Deutschen setzen nach der Bain-Studie dafür ihr Smartphone oder Tablet ein. In China sind es dagegen schon 49 Prozent und in Spanien 21 Prozent.

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