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Sinkende Gebühren : Der Aktienkauf ist bald kostenfrei

Ein Aktienhändler vergleicht Börsenkurse Bild: Getty

Online-Banken senken die Gebühren für den Wertpapierhandel drastisch. Bald müssen Privatanleger vielleicht gar nichts mehr zahlen.

          5 Min.

          Dieser Mann hat einen Plan: „Schon in fünf Jahren kann man Aktien vielleicht kostenlos kaufen.“ Das klingt gut in den Ohren von Privatanlegern, die von ihrer Bank anderes gewohnt sind. Da werden schnell mal 100 Euro für ein Börsengeschäft fällig - und zwar für ein einziges.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Mann, der kostenlose Aktienkäufe verspricht, heißt Jasper Anderluh. Er hatte 2008 mit vier Bankkollegen den Online-Broker Degiro in den Niederlanden gegründet, der nun auch in Deutschland an den Start gegangen ist. Er hat die Preise schon jetzt kräftig unter Druck gebracht.

          Kostenlos ist dieser Börsenhandel über das Internet zwar noch nicht. Und ob es dann wirklich in ein paar Jahren gelingt, die Kosten durch Werbeeinnahmen statt durch Provisionen der Kunden zu decken, ist noch offen. Aber schon jetzt verlangt Degiro für einen 5000-Euro-Kaufauftrag nur noch 2,40 Euro. Das ist noch einmal deutlich günstiger als die bisherigen Preisführer, die rund fünf bis sieben Euro abrechnen. Und etwa 80 Prozent preiswerter als große Online-Broker wie Comdirect, die Consorsbank oder die DAB Bank. Sowie Lichtjahre entfernt von den klassischen Filialbanken, die am Schalter für so einen Auftrag manchmal noch 50 Euro verlangen.

          Verschlanktes Geschäftsmodell

          Degiro, seit dem Herbst in Deutschland, hat damit eine neue Preisrunde im Wertpapierhandel für Privatanleger eingeläutet. Schon in 13 europäischen Ländern ist Degiro aktiv, 21 sollen es am Jahresende sein. Eine neue Richtlinie der EU macht es dem Broker leicht, mit wenig Aufwand überall präsent zu sein. Eine Übersetzung der Website und der ein oder andere neue Börsenzugang reichen aus.

          Bisher hat Degiro erst 25.000 Kunden, davon mehr als 2000 in Deutschland. „Aber jede Woche kommen europaweit mehrere tausend hinzu“, sagt Jasper Anderluh. Die europaweite Ausbreitung auf einer einheitlichen Handelsplattform ermöglicht erst die niedrigen Preise. Genauso wie die kleine Mitarbeiterzahl von gerade einmal 130 Leuten und der Verzicht auf eine teure Banklizenz. Die Einlagen werden daher in einem Geldmarktfonds und die Wertpapiere bei einer Verwahrbank geparkt. „Das ist sicher“, betont Anderluh. Im Pleitefall sei das Depot so geschützt.

          Mit diesem Geschäftsmodell will Degiro nun angreifen. Im Heimatmarkt Niederlande möchte die Firma schon in diesem Jahr den Marktführer Binck überholen, bei dem die fünf Gründer bis 2008 gearbeitet hatten, bevor sie Degiro auf die Welt brachten. Ende 2016 wollen sie Marktführer in Europa sein.

          Auch wenn das wahrlich ambitioniert ist: Der Broker ist einer der spektakulärsten Newcomer auf einem eigentlich seit Jahren aufgeteilten deutschen Online-Broker-Markt. Aber nicht der Einzige. Neu kam 2014 auch die Aktionärsbank hinzu, eine Schwestergesellschaft von Flatex des umstrittenen Kulmbacher Unternehmers Bernd Förtsch. Anfang 2014 war zudem Benk gestartet, die bisher ihre Technik anderen Banken zur Verfügung gestellt hat und jetzt selbst an den Markt gegangen ist. Sie gehört in Teilen zu Vitrade, das ebenfalls als Online-Broker aktiv ist.

          Ganz am anderen Ende des Marktes schließen sich gerade zwei große Anbieter zusammen. Im Mai sollen die Aktionäre der DAB Bank der Fusion mit der Consorsbank zustimmen. Dann soll aus beiden bis Mitte 2016 der größte Internet-Wertpapierhändler Deutschlands werden.

          Es ist also wieder einiges los in diesem Markt. Seit der Jahrtausendwende gibt es in Deutschland die Möglichkeit, Wertpapiere über das Internet zu kaufen. Mehrere Millionen Deutsche machen das mittlerweile, und die Zahl wächst weiter. Denn zum einen vertrauen immer weniger Kunden ihren Bankberatern und entscheiden lieber selbst, welche Aktien sie kaufen. Dann brauchen sie aber auch nicht mehr ihre Depots bei den teuren Filialbanken einzurichten. Die Online-Broker sind günstiger, weil sie keine teuren Filialen mit viel Personal vorhalten müssen. Und weil in der Regel auch keine Beratung angeboten wird.

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