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Negative Einlagenzinsen : Sparen wird bestraft

Negative Zinsen bei Tagesgeld- und Girokonten möglich

Welche Zinsen kann das betreffen? Und wie kann man reagieren? Bankenprofessor Burghof meint: „Dass die Zinsen für Kredite an Unternehmen und Private negativ werden, ist sehr unwahrscheinlich. Die Banken nähmen dabei einen Risikoaufschlag – und wollen auch noch eine Marge daran verdienen. „Daran ändert sich nichts.“

Was aber ist mit Tagesgeldkonten? Traditionell war es Lehre der Ökonomen, dass diese Zinsen nominal nicht negativ werden können, weil die Leute sonst das Geld abheben und in bar halten. „Das muss aber nicht stimmen, wenn die Zinsen nur begrenzte Zeit unter null sinken und die Kosten der Bargeldhaltung ja auch nicht null sind“, sagt Burghof. Wer große Mengen Bargeld zu Hause lagere, brauche schließlich einen Tresor. Wer Bargeld in einem Bankschließfach deponiere, müsse dafür Gebühren zahlen. Und auch schon beim Abheben am Geldautomaten können unter Umständen Gebühren fällig werden – außerdem kostet das den Bankkunden Zeit und Mühe. „Die Menschen werden vergleichen, ob es sich lohnt, wegen kurzzeitig leicht negativer Zinsen das Geld abzuheben oder nicht.“

Auch für Girokonten stellt sich im Prinzip die Frage, ob die Banken darauf negative Zinsen erheben können. Zum Teil kosten Girokonten ja Gebühren, über die Banken ihre eigenen Kosten durch negative Zinsen an die Kunden weiterreichen könnten. Tun sie dies nicht und sind die Zinsen auf Spareinlagen negativ, würden noch mehr Menschen Geld auf Girokonten horten.

„Die Situation in der Schweiz war und ist eine besondere“

Immerhin gibt es Erfahrungen mit negativen Zinsen auf Spareinlagen aus der Schweiz. Dort haben Leute tatsächlich Geld auf Festgeldkonten deponiert, bei denen es einen Negativzins von 0,1 Prozent gab. Wer 10000 Franken für ein Jahr anlegte, musste eine Gebühr von zehn Franken zahlen. Am Ende der Laufzeit gab es statt 10000 nur noch 9990 Franken zurück. Nicht viel anders war es auf dem Höhepunkt der Euro-Krise mit Staatsanleihen verschiedener sicherer Länder, bei denen Anleger am Schluss auch weniger zurückbekamen, als sie gezahlt hatten.

„Die Situation in der Schweiz war und ist aber eine besondere“, sagt Burghof. Das Motiv der Sparer, dort negative Zinsen in Kauf zu nehmen, sei der Fluchtgedanke: Sei es, dass es sich um Schwarzgeld handelte, das man nicht gut zurückholen konnte – sei es, dass die Leute Angst vor dem Zusammenbruch des Euro und der Banken in der Eurozone hatten, und deshalb Geld in die Schweiz brachten. Beide Motive entfielen bei negativen Zinsen in Deutschland.

Auch Dänemark hat Erfahrungen mit negativen Zinsen gesammelt – allerdings mit negativen Leitzinsen der Notenbank. Dort reagierte man darauf, dass viel Kapital aus der verunsicherten Eurozone nach Dänemark strömte und die dänische Krone unter Aufwertungsdruck brachte. Das wollte die Notenbank verhindern, um dänische Exporte nicht zu teuer zu machen. Deshalb wurde der Zinssatz für Einlagen der Banken bei der Notenbank auf minus 0,2, dann auf minus 0,1 Prozent gesetzt. Aus dänischer Sicht ging die Rechnung auf: Der Aufwertungsdruck auf die dänische Krone nahm ab. Negative Sparzinsen für Kunden resultierten daraus nicht – allerdings hoben die Banken an der einen oder anderen Stelle die Gebühren an.

Viel grundsätzlicher wird mittlerweile unter Ökonomen diskutiert, ob es womöglich nicht die Notenbankpolitik, sondern die weltweite Flut an Ersparnissen ist, die den Realzins, also die Rendite von Geldanlagen und Investitionen, strukturell ins Negative treibt. Anlass für die Debatte war eine spektakuläre Rede des früheren amerikanischen Finanzministers Larry Summers.

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