https://www.faz.net/-hs7-7rty4

Bezahldienste : Wenn das Smartphone die Rechnung übernimmt

Gewaltiges Potenzial - der Markt für Smartphonezahlungen steckt noch in den Kinderschuhen. Bild: Isis

„Mobile Payment“ ist in Deutschland noch Randphänomen, Paypal könnte das nun verändern. Bis Ende 2015 sollen 2000 Betriebe mit dabei sein.

          3 Min.

          Bei den „Bagel Brothers“ in Frankfurt kann es in Zukunft öfter vorkommen, dass sich Kassierer und Kunde tiefer in die Augen schauen. In der Filiale der Restaurantkette, die das gleichnamige Rundgebäck in zahlreichen Varianten im Sortiment hat, können Gäste seit kurzem per Smartphoneanwendung bezahlen. „Bagel Brothers“ ist einer der ersten Gastronomiebetriebe in Frankfurt, der die sogenannte „Einchecken“-Funktion des Bezahldienstanbieters Paypal als Zahlungsmethode akzeptiert. Nutzer des Dienstes geben über die Anwendung an, dass sie sich im Laden befinden. Dann sagen sie dem Personal, dass sie über ihr Paypalkonto bezahlen wollen. Zuletzt erscheint das Foto des Kunden auf dem Tabletrechner an der Kasse. Ein letzter Blick, ob es sich um die richtige Person handelt - schon fließt das Geld. Ohne Münzensuchen, Unterschrift oder Pin-Eingabe.

          Münzensuchen war früher

          Bundesweit bieten seit dieser Woche 75 Cafés, Restaurants und Bars die Bezahlmöglichkeit an, die Paypal zusammen mit dem iPad-Kassensystembetreiber Orderbird entwickelt hat. Für Konsumenten ist das Bezahlen per Onlinekonto kostenlos, die Gebühren übernimmt der Gastronom. Bis Ende nächsten Jahres sollen 2000 Betriebe in ganz Deutschland die Bezahlmöglichkeit anbieten. Viele davon gehören wohl zu digitalen Vorreitern, so wie der Frankfurter „Bagel Brothers“-

          Geschäftsführer Andreas Bolze. „Ich bin sehr technikaffin“, schildert der Betriebswirt seine Motivation, das bargeldlose Zahlen mit einer digitalen Geldbörse in seinem Laden zu ermöglichen. Gleichzeitig hofft Bolze aber auf die Zukunft. „Das mobile Bezahlen per Smartphone wird ein großes Thema werden.“

          Das sehen auch Fachleute wie das Analysehaus Gartner so (siehe Grafik). Bis 2017 soll sich das globale Umsatzvolumen für Handyzahlungen um 36 Prozent auf mehr als 721 Millionen Dollar steigern. In Westeuropa werden es demnach knapp 100 Millionen Dollar sein. Ähnlich optimistisch ist die Unternehmensberatung PWC. Sie sieht in einer gerade erschienenen Analyse die Gesamterlöse durch mobile Bezahlsysteme bis 2020 auf 500 Millionen Euro anwachsen. Die Kundenbasis könnte sich von derzeit 176 000 Personen auf 11 Millionen Menschen verbreitern. Bagel-Verkäufer Bolze will darauf vorbereitet sein.

          Heute steckt der Markt für Smartphonezahlungen dagegen noch in den Kinderschuhen. Ein Grund dafür ist, dass er in vielerlei Hinsicht zersplittert ist: Es gibt verschiedene Techniken, wie etwa die Nahfeldkommunikation (NFC) oder das Bezahlen per Anwendung wie im Falle von Paypal. Dazu kommen zahlreiche verschiedene Anbieter sogenannter Mobile Wallets. Der Eintritt eines großen Spielers wie Paypal könnte das nun ändern. In Deutschland hat Paypal nach eigenen Angaben immerhin mehr als 12 Millionen aktive Kunden, die mit dem Dienst bislang aber vornehmlich in Onlineshops ihre Rechnungen beglichen haben. Die Frage ist, ob sie das auch im Einzelhandel an der Kasse tun werden.

          Markt für Smartphonezahlungen noch in den Kinderschuhen

          „Wenn man über digitale Geldbörsen nachdenkt, dann bietet Paypal derzeit die einzige weitverbreitete Lösung und besitzt dementsprechend jetzt schon eine breite Akzeptanz auf der Konsumentenseite“, lautet die Einschätzung von Konstantin Wolff, Gründer und Chef des Berliner Unternehmens Payleven. Wolffs Unternehmen hat in der vergangenen Woche ebenfalls eine Kooperation mit Paypal bekanntgegeben: Sein Bezahlsystem sollte bisher kleinen Händlern oder Gewerbetreibenden die Annahme von Kartenzahlungen ermöglichen, jetzt ist auch das Bezahlen per Paypal integriert. „Ich bin davon überzeugt, dass Karten als Zahlungsmittel noch über Jahre existieren werden“, sagt Wolff. Gleichzeitig sei das Bezahlen über den amerikanischen Dienst eine weitere Möglichkeit für seine Kunden, ihren Kunden einen Mehrwert zu bieten.

          Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Handelsforschung in Köln unter 520 Konsumenten haben bisher 15 Prozent der deutschen Verbraucher diesen Mehrwert auch genutzt. Allerdings können sich 58 Prozent der Nichtnutzer vorstellen, künftig mobile Bezahllösungen zu wählen. Und 40 Prozent der Nutzer würden in Zukunft gerne häufiger mit dem Handy bezahlen.

          Vielleicht werden die in der vergangenen Woche bekanntgewordenen Partnerschaften zwischen Paypal und Orderbird sowie Payleven beitragen, diesen Wunsch zu erfüllen. Paypal selbst teilt auf Anfrage mit, dass es sich bei den Kooperationen zwar um die ersten für mobiles Bezahlen in Deutschland handele. Doch: „Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht auch an weiteren Partnerschaften interessiert wären“, verlautet aus der deutschen Niederlassung in Berlin. Grundsätzlich sei das Unternehmen offen für jeden, der daran interessiert ist, den Bezahldienst in sein bestehendes System zu integrieren. „Wir führen Gespräche mit verschiedenen Anbietern.“Und das durchaus auf Kosten eigener Entwicklungen. Unter dem Namen „Here“ bietet das Unternehmen in Amerika ein ganz ähnliches System an wie jetzt mit den hiesigen Partnern. In Deutschland ist es bisher nicht auf dem Markt.

          Weitere Themen

          Breiter Kursverfall an den Weltbörsen

          Angst vor dem Virus : Breiter Kursverfall an den Weltbörsen

          Das Coronavirus infiziert immer mehr Menschen außerhalb Chinas. Die Sorgen vor dem Virus haben schon 3 Billionen Euro Börsenwert vernichtet. Die Wall Street erlebte den schlechtesten Tag seit zwei Jahren. Ein Ende ist nicht in Sicht.

          Topmeldungen

          Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske.

          Liveblog zu Coronavirus : Erste Fälle in Hessen und Hamburg

          Insgesamt 22 Neuinfizierte in sechs Bundesländern +++ Kuriose Vorgaben bei Ski-Weltcup +++ Erste Infektionen in Neuseeland und Litauen +++ Schwarzer Tag an der Wall Street +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.
           Unsere Autorin: Jessica von Blazekovic

          F.A.Z.-Newsletter : Der Beginn einer Epidemie

          In Deutschland steigt die Anzahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen immer weiter. In Hanau werden zwei weitere Opfer des rassistischen Anschlages beigesetzt. Alles was wichtig ist, steht im F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.