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Gewusst wie : So finden Sie die besten Ökofonds

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Fonds, die mit ökologisch oder ethisch vertretbaren Anlagen werben, gibt es auf den Markt viele. Doch nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig: Worauf Anleger bei der Auswahl eines Ökofonds achten müssen.

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          1. Darauf achten, was drin ist

          Ökologisch, nachhaltig, ethisch, grün - es sind diese Modewörter (gerne auch unter Verwendung des englischen Namens „Sustainable“), auf die zahlreiche Investmenthäuser bei der Bezeichnung ihrer Fonds gerne zurückgreifen. Denn sie wissen: Vielen Anlegern geht es heutzutage längst nicht mehr allein um die Rendite - genauso wichtig ist ihnen, dass der Wertzuwachs auf anständige Art und Weise zustande kommt. Tatsächlich haben die Investmentgesellschaften nach eigenen Angaben noch nie so viel Geld unter Beachtung ökologisch-nachhaltiger Kriterien angelegt wie derzeit. Weltweit sollen es aktuell mehr als 1300 Milliarden Dollar sein. Eine gewaltige Summe, die aber eines verdeckt: Was genau die jeweiligen Anbieter unter Nachhaltigkeit verstehen, kann sehr unterschiedlich sein - eine einheitliche Definition fehlt. Hier lauert eine erste Falle für Privatanleger: Oft ist die vermeintliche ökologische Korrektheit nämlich ein bloßer Etikettenschwindel, der den Verkauf ankurbeln soll. So gibt es zwar zahlreiche Fonds, die beispielsweise in großem Stile in Wasserversorger oder die Entwicklung neuer Klimatechnologien investieren, dabei aber keineswegs die klassischen Energiekonzerne außen vor lassen - für viele Öko-Anleger sicher nicht akzeptabel. Vor dem Kauf eines Fonds bleibt jedem Privatinvestor darum eines nicht erspart: auf der Internetseite des jeweiligen Anbieters nach dessen Definition eines nachhaltig-ökologischen Investments zu suchen. Finden sich dazu nur wenige und zudem schwammige Aussagen, muss klar sein: Finger weg!

          2. Die Investmentstrategie des Fonds prüfen

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Selbst wenn eine Fondsgesellschaft eine genaue Vorstellung davon hat, was nachhaltiges Geldanlegen ausmacht, bedeutet dies eines noch lange nicht: Dass sie diese Vorstellung auch in eine erfolgreiche Anlagestrategie übersetzt. Denn in der Praxis bringt ökologisch-ethisches Investieren erhebliche Probleme mit sich: Wählt der Anbieter einen strengen Ansatz und schließt darum Branchen wie die Rüstungs- oder die Autoindustrie von vornherein aus, stellt er damit zwar ökologisch anspruchsvolle Anleger zunächst zufrieden. Gleichzeitig verstößt er aber gegen einen elementaren Grundsatz jeder Form der Geldanlage: das Vermögen möglichst weit zu streuen. Je strenger die Richtlinien, umso weniger Wertpapiere hat der Fondsmanager also zur Auswahl - und umso riskanter macht dies seinen Fonds. Um dieses Problem zu umgehen, bevorzugen viele Anbieter den sogenannten „Best-in-Class“-Ansatz: Danach kann ein Fonds grundsätzlich in alle Branchen investieren. Aber immer nur in die Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche die Konkurrenz in Sachen Nachhaltigkeit schlagen - die Klassenbesten sozusagen. Allerdings bedeutet dies im Extremfall eben auch: Ein Mineralölkonzern, der der Umwelt nur etwas weniger schadet als die Konkurrenz, darf ohne Bedenken ins Depot. Für manchen mag das in Ordnung sein - am besten entscheiden sich Anleger aber für einen Mittelweg und setzen auf Fonds, die zwar einige Branchen (zum Beispiel die Rüstungsindustrie) ausschließen, ansonsten aber dem „Best-in-Class“-Ansatz folgen.

          Die besten Ökofonds
          Die besten Ökofonds : Bild: F.A.Z.

          3. Die Wertentwicklung vergleichen

          Auch wenn ein Fonds bei seiner Strategie ökologischen Kriterien folgt, sollte dies Anleger nicht nachsichtig stimmen: Die Wertentwicklung muss mit der eines normalen Fonds locker mithalten können. Zahlreiche Studien haben mittlerweile nachgewiesen, dass Öko- und Ethikfonds im Schnitt nicht besser oder schlechter abschneiden als andere Fonds. Ein Indexfonds (ETF) auf den Nachhaltigkeitsindex „Dax Sustainability“ hat sich zuletzt sogar besser entwickelt als der Dax. Es gilt stets, knallhart zu vergleichen (zum Beispiel über die Seite www.nachhaltiges-investment.org). Auch wenn sich früherere Resultate nicht fortschreiben lassen: Nur ein Fonds, der wenigstens in den vergangenen drei Jahren gute Ergebnisse erzielt hat, gehört ins Depot.

          4. Auf eine unabhängige Analyseabteilung achten

          Ethisches Investieren ist mit viel Aufwand verbunden. Fondsmanager, die sich neben der Geldanlage auch noch um die Nachhaltigkeitsanalyse der Unternehmen kümmern, nehmen sich zu viel vor. Anleger sollten darum besser auf Gesellschaften vertrauen, bei denen die Auswahl der ökologisch besten Unternehmen Aufgabe einer eigenen Analyseabteilung ist. So hält dies beispielsweise das Bankhaus Sarasin. Auch der Einsatz spezialisierter Ratingagenturen wie Oekom Research kann sinnvoll sein. Hat eine Firma zudem in einem Beirat unabhängige Experten versammelt, zeigt dies, wie ernst sie den Investmentansatz nimmt: Allerdings gilt dies nur, wenn dem Beirat bei schwierigen Entscheidungen tatsächlich ein Vetorecht zusteht (zum Beispiel bei der Frage: Soll man in Gentechnik-Firmen investieren oder nicht?). All dies hilft dem Fondsmanager, sich voll auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren: nämlich unter den identifizierten nachhaltigen Firmen diejenigen für den Anleger auszuwählen, deren Aktien die besten Renditen versprechen.

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