https://www.faz.net/-hs7-7lgjz

Genussscheine : Fünf Prozent gibt’s noch

Genussscheine von der Commerzbank scheinen momentan attraktiv Bild: dpa

Genussscheine locken mit hohen Renditen von oft mehr als fünf Prozent. Wie machen die das?

          2 Min.

          Auf der Suche nach Anleihen mit halbwegs ordentlicher Verzinsung ist nicht mehr viel übriggeblieben. Tagesgeld bringt höchstens 1,5 Prozent ein, Bundesanleihen zwei Prozent, selbst Staatsanleihen der Euro-Krisenländer meist nicht mehr als vier Prozent - die Niedrigzinspolitik der Notenbanken fordert ihren Tribut. Wer mehr will, muss schon auf Unternehmensanleihen mit schlechter Bonität oder auf Wandelanleihen ausweichen.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Oder auf Genussscheine. Die locken mit hohen Renditen von oft mehr als fünf Prozent. Fonds, die überwiegend in solche Papiere investieren, erzielten im vergangenen Jahr sogar eine noch höhere Wertentwicklung.

          Einen genaueren Blick sind Genussscheine also auf jeden Fall wert. Die meisten werden von Banken und Versicherungen ausgegeben, Anleger wetten mit einem Genussschein auf das Wohlergehen der Finanzbranche. 2013 war für den Sektor ein gutes Jahr, weil sich die Ergebnisse stabilisierten. Daher entwickelten sich auch Genussscheine sehr positiv. Das gilt auch für die meisten Genussscheine, die Industrieunternehmen emittierten.

          Leider zeigen jedoch die aktuellen Turbulenzen rund um den Windanlagenfinanzierer Prokon die Risiken. Prokon hat zur Finanzierung der Windparks Genussscheine ausgegeben. Jetzt droht die Insolvenz, und die Besitzer von Genussscheinen müssen befürchten, ihr ganzes Geld zu verlieren.

          Bild: F.A.Z.

          Verluste entstehen bei Genussscheinen schneller als bei normalen Anleihen. Denn die Scheine sind eine Zwischenform zwischen Anleihen und Aktien. Auf der einen Seite erhalten die Käufer eine jährliche Ausschüttung und am Ende der Laufzeit die Rückzahlung ihres Geldes zum Nennwert. Sie haben kein Stimmrecht auf Hauptversammlungen. Dies entspricht den Charakteristika einer Anleihe.

          Genussscheine sollten börsennotiert sein

          Auf der anderen Seite ist die Ausschüttung nicht sicher. Sie hängt vom Geschäftserfolg des Unternehmens ab. Macht es Verlust, kann die Ausschüttung anders als eine Zinszahlung bei Anleihen ausfallen. Es kann sogar das zurückzuzahlende Kapital gesenkt werden. Geht es der Firma wieder besser, muss dieses Kapital wieder erhöht und Zinsen müssen nachgezahlt werden - allerdings nur während der Laufzeit des Genussscheins. Dauert die Unternehmenskrise länger, wird nichts nachgezahlt und der Inhaber verliert einen Teil seines Geldes. Im Insolvenzfall werden die Inhaber der Genussscheine zwar vor den Aktionären, aber erst nach allen anderen Anleihebesitzern ausgezahlt. Daher sind die Scheine nachrangige Papiere. Als Ausgleich für dieses Risiko bieten Genussscheine höhere Zinsen, auch wenn sie jetzt niedriger sind als noch vor ein paar Jahren.

          Um Unsicherheiten wie bei Prokon zu vermeiden, sollten Anleger darauf achten, dass die Genussscheine börsennotiert sind. Das schützt zwar nicht vor Insolvenz, garantiert aber mehr Informationen und Transparenz, als wenn die Papiere direkt vom Emittenten gekauft und verkauft werden wie im Fall von Prokon. Die Börse Stuttgart ist hier führend. Das Unternehmen, dessen Genussscheine man kauft, sollte ein Geschäftsmodell verfolgen, das Gewinne ziemlich sicher erwarten lässt. Und Scheine mit einem hohen Volumen plazieren. Dann lassen sie sich im Notfall leichter verkaufen.

          Genau studiert werden sollten die Bedingungen, wann Zinsen mal nicht gezahlt werden oder das Kapital herabgesetzt und später nachgezahlt wird. Denn den reinen Genussschein gibt es bald nicht mehr. Neue werden nicht mehr ausgegeben, die verbliebenen laufen in einigen Jahren aus. Es gibt stattdessen viele Varianten, die sich in den Zahlungsbedingungen unterscheiden, aber weiter ein Zwitter zwischen Aktie und Anleihe sind. Sie gelangen unter Namen wie „Corporate hybrids“ oder „Tier 2-Anleihen“ auf den Markt. Einige dieser Anleihen sind wegen hoher Mindestanlagesummen für viele Privatanleger kaum zu bezahlen. Hier können Fonds helfen, die in verschiedene Formen von Hybridkapital investieren, also neben den Genussscheinen und deren Nachfolgern auch in Wandelanleihen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.