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Einheitliches Bezahlsystem : „Die Umstellung auf Sepa war schlimm“

Künftig läuft alles nur noch über IBAN und BIC Bild: dpa

Hohe Kosten, wenige Vorteile: Bis Februar müssen Unternehmen und Vereine auf das neue Bezahlsystem umstellen. Weniger aufwendig ist die Umstellung jedoch für Privatkunden.

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          Normalerweise sind Controller eher für nüchterne Zahlenanalysen als für Gefühlsausbrüche bekannt. Aber auf die Frage nach dem Aufwand, den die Umstellung auf das europäische Zahlungssystem Sepa für die Diakonie Düsseldorf bedeutet hat, gibt Petra Rominski eine klare Antwort: „Es war schlimm“, sagt die stellvertretende Leiterin des Rechnungswesens der Einrichtung. Die Diakonie Düsseldorf musste als Träger unter anderem von Altenpflegediensten und Kindergärten etwa 4000 Lastschriften umstellen.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sepa ist ein gigantisches Projekt. Vom 1. Februar an soll der Zahlungsverkehr im gesamten Euroraum und fünf weiteren Ländern vereinheitlicht werden. Für Deutschland bedeutet dies, dass Kontonummer und Bankleitzahl in Zukunft durch eine Kontonummer mit 22 Stellen (IBAN) ersetzt werden. Aufwendig ist diese Umstellung weniger für Privatkunden – für sie gilt noch eine Übergangsfrist bis 2016 –, sondern für Vereine und kleinere Unternehmen. Ihnen bringt die Umstellung zwar höhere Kosten, aber keine Vorteile, da sie kaum in den internationalen Zahlungsverkehr eingebunden sind. Das gilt auch für die Diakonie Düsseldorf.

          Wenige wissen wirklich Bescheid

          „Wir mussten externe IT-Dienstleister beauftragen, durch die uns ziemliche Kosten entstanden sind“, sagt Rominski. Weniger genau zu beziffern, aber mindestens ebenso aufwendig sei die inoffizielle Aufklärungsarbeit gewesen, die die Diakonie geleistet hat. Vor allem bei alten Leuten, die den Pflegedienst der Diakonie in Anspruch nehmen, hätten die Briefe zur Sepa-Umstellung viele Fragen aufgeworfen. „Wir haben viele Gespräche geführt, um den Menschen die Ängste vor der Umstellung zu nehmen“, sagt Rominski. Zu dem Zweck seien auch die Pflegekräfte vorab über das neue Bezahlsystem informiert worden, damit sie auf die Fragen der Patienten eingehen konnten.

          Rominskis Eindruck ist, dass viele Kunden der Diakonie durch ihr Schreiben zum ersten Mal etwas von Sepa gehört haben. Trotz der breiten Berichterstattung in den Medien sei der Kenntnisstand nicht besonders groß gewesen, ist ihre Erfahrung. Besonders aufwendig sei die Umwandlung der Lastschriftverfahren gewesen. Mit der Einführung von Sepa muss jeder Lastschriftempfänger dem Absender der Lastschrift eine Mandatsreferenznummer zuweisen, die auch eine Identifikationsnummer enthält. Von den 4,5 Millionen bereitgestellten Identifikationsnummern wurde bis Ende des Jahres erst etwas mehr als ein Viertel abgerufen. Der Automatismus, dass eine Lastschrift immer zu einem bestimmten Datum jeden Monat eingezogen werden kann, fällt nun weg. „Neuerdings müssen wir zwei bis sechs Tage vor dem Einzug der Lastschrift eine Datei bei der Bank einreichen“, berichtet Rominski. Das sei ein sehr viel höherer Arbeitsaufwand.

          Eine Verlängerung der Übergangsfrist brauchen viele nicht

          Beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern teilt man die schlechten Erfahrungen mit der Umstellung auf das neue Bezahlsystem nicht. „Wir haben uns frühzeitig zusammengesetzt und sind das Thema angegangen“, heißt es dort. „Nun sind wir bereit für die Umstellung.“ Auf die pflichtgemäßen Informationsbriefe an die Dauerkarteninhaber habe es keine negativen Rückmeldungen gegeben. Die Vorteile des neuen Bezahlsystems haben sich den Verantwortlichen des Sportvereins jedoch nicht erschlossen. „Für uns bedeutet Sepa mehr Arbeit. Und in puncto Sicherheit ist es eher ein Rückschritt“, lautet die Einschätzung.

          Ähnlich lautet auch das Resümee beim Volkswohl Bund, einem mittelgroßen Versicherer in Dortmund, in Bezug auf die Umstellung. „Wir sind noch nicht ganz fertig, werden es aber fristgerecht hinbekommen“, heißt es. Eine Verlängerung der Übergangsfrist, wie von der EU-Kommission erwogen, sei nicht nötig. In Dortmund hat man schon vor drei Jahren begonnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Es wurde eine Arbeitsgruppe von 15 Personen aus allen Abteilungen, die von der Umstellung betroffen sind, gebildet. Die ersten Abbuchungen mit dem neuen Verfahren werden Mitte Januar durchgeführt. Und von Februar an laufen dann alle Zahlungen nur noch per Sepa.

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