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Digitale Währung : Chinas unheimliches Interesse an den Bitcoins

Bitcoins könnten als Zahlungsmittel nützlich sein, sagen sogar Fachleute vor dem amerikanischen Senat. Bild: Bloomberg

Die digitale Währung Bitcoin befreit sich aus der Schmuddelecke. Auch Großanleger haben schon zugeschlagen, ein Fünftel des Handels findet in Fernost statt. Wozu Bitcoins gut sind - und wie man von ihnen profitieren kann.

          Wenn die größten Skeptiker ihre Zurückhaltung ablegen, ist entweder Vorsicht oder Euphorie angesagt. Die Anhänger der digitalen Währung Bitcoin schwanken im Moment zwischen beiden Extremen wie betrunkene Seemänner zwischen zwei Kneipen. Die Skeptiker, das waren die Behörden in den Vereinigten Staaten. Nirgendwo sonst auf der Welt wurde die Internetwährung so kritisch beäugt wie in Übersee. Dort wurden digitale Geldwechsler wie Liberty Reserve geschlossen, andere Unternehmen, die mit Bitcoins handeln, mussten lange Erklärungen zu ihren Geschäften abgeben.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun wurden zum ersten Mal Fachleute vor dem amerikanischen Senat angehört — und diese Anhörung barg durchaus einige Überraschungen. Die zahlreichen geladenen Experten kamen zu dem Schluss: Bitcoins könnten als Zahlungsmittel nützlich sein, und die Behörden haben sie immer besser unter Kontrolle. So bezeichnete die verantwortliche Vertreterin des Justizministeriums die Währung Bitcoin als „legitime Finanzdienstleistung“.

          Diese Aussagen katapultierten die digitale Devise schnell auf über 900 Dollar je Bitcoin. Noch Anfang November kostete eine Einheit lediglich etwa 200 Dollar, zum Jahresanfang waren es gar nur 10 Dollar gewesen.

          Selbst Ben Bernanke, der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), meldete sich zu Wort, wenn auch nur in einem Brief: Er bezeichnete virtuelle Währungen als „langfristig vielversprechend“, insofern sie „ein schnelleres, sichereres und effizienteres Zahlungssystem fördern“, so der Fed-Vorsitzende. Der Vorsitzende des Senatsausschusses, Tom Carper, führte am Ende aus, die virtuelle Währungen habe viele verwirrt — „auch mich“, bekannte der Demokrat freizügig.

          Die größte Tauschbörse sitzt in China

          Wie bei vielen Dingen ist das grobe Konzept leicht zu verstehen, die Details durchblicken aber nicht einmal Fachleute. Um Bitcoins zu verdienen muss man auf dem Rechner ein Programm installieren, welches komplexe Rechnungen löst. Wird eine Rechnung gelöst, erhält man eine gewisse Anzahl an Bitcoin. Diese sind nur mit dem Vertrauen ihrer Ersteller hinterlegt und mit keinem sonstigen Sachwert.

          Die Währung ist aber noch sehr schwankungsanfällig: In der Nacht der Senatsanhörung schlug der Kurs der Währung kräftig aus. Innerhalb von wenigen Minuten fiel die digitale Devise um 37 Prozent auf nur noch 575 Dollar. Um sich das besser zu verdeutlichen: Würde der Kurs vom Euro zum Dollar so einbrechen, fiele er von 1,352 Dollar auf nur noch 0,85 Dollar. Im Falle des Euro würde ein solcher Kursverfall die Märkte stark verunsichern.

          Die starke Nachfrage nach den Bitcoins kommt aus China.

          Bei den Bitcoins hingegen lösen die heftigen Schwankungen keine große Panik aus. Die Optimisten und Befürworter sind eindeutig in der Überzahl. Doch woher genau kommt die starke Nachfrage nach Bitcoins im Moment? Die wichtigste Triebfeder sind momentan die Chinesen. In dem asiatischen Land ist eine wahre Euphorie rund um die digitale Währung entbrannt, seitdem der Suchmaschinenanbieter Baidu die Bitcoins als Bezahlmittel zugelassen hat. Baidu ist eine Art chinesisches Google und gehört zu den fünf am meisten aufgerufenen Internetseiten der Welt. Selbst der Staatssender CCTV brachte einen längeren Bericht über das Netzgeld — ohne Billigung der Staatsführung in Peking undenkbar.

          Mittlerweile ist auch die größte Tauschbörse für Bitcoins in China beheimatet. Ein weiteres Indiz für die Beliebtheit in China: Der Handel von Yuan in Bitcoin macht inzwischen 21 Prozent des Umsatzes des Marktes der digitalen Währung aus. Zum Vergleich: Beim Euro sind es nur 6 Prozent des gesamten Handelsvolumens. Doch der Dollar dominiert mit einem Marktanteil von knapp zwei Dritteln.

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