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Banken 2030 : Die Bankfilialen der Zukunft

Lounge im Immobiliencenter einer Stuttgarter Commerzbank-Filiale Bild: Lukas Kreibig

Immer weniger Menschen möchten noch in Bankfilialen gehen. Immer mehr Filialen schließen. Commerzbank und Deutsche Bank versuchen, dem mit neuen Ideen entgegenzutreten.

          Niemand kann in die Zukunft sehen. Deswegen ist es für die Banken auch so schwierig zu ergründen, wie sie sich in den nächsten Jahren entwickeln wollen. Sicherlich, es gibt Umfragen und Marktforschungen. Meistens kommt dabei heraus: Kunden gehen immer seltener in die Filialen, nutzen immer häufiger Online-Banking und die dazu passenden Apps - und wollen aber trotzdem in Zukunft nicht auf die Filialen verzichten. Was macht man mit solchen Informationen, die nicht Fisch und nicht Fleisch sind? Denn wirklich schlauer im Hinblick auf die zukünftige Strategie werden die Banken dadurch nicht.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um zumindest im digitalen die Zukunft zu erforschen, haben die großen deutschen Banken Institute gegründet, die etwas Start-up-Atmosphäre herstellen sollen. Die Banken nennen sie dann Innovationslabore oder Digitalfabriken (im Falle der Deutschen Bank) oder nennen ihr Start-up Neugelb (im Falle der Commerzbank). Die Begriffe sind als eine Art Pfeifen im Walde zu verstehen, um sich selbst Mut zu machen. „Neu, jung, innovativ!“, sollen die Begriffe vor allem herausschreien.

          Dass die Banken in ihren bisherigen Strukturen nicht innovativ sein können, sagt mehr über sie aus, als sie wahrhaben möchten. Die Banken müssen sich digital weiterentwickeln und gleichzeitig ihre Filialen wieder attraktiv machen, gleichzeitig für eine jüngere Generation der Anlaufpunkt sein und die ältere Generation dabei nicht verschrecken. Ein schwieriger Spagat, denn laut Umfragen wünschen sich zwei Drittel der Kunden sowohl Filiale als auch Digitalangebot.

          Filialenzahl halbiert sich

          Schaut man sich heute in Deutschland um, stellt man aber schnell fest, dass die Bankfilialen verschwinden, und das in einem atemberaubend schnellen Tempo, eben weil die Menschen seltener in Banken gehen. Dabei ist es egal, über welche Bank man spricht. Es betrifft alle. Die Sparkassen schließen Filialen, die Volksbanken auch die Deutsche Bank dünnt ihr Netz aus, die Commerzbank hat in den vergangenen Jahren Filialen verloren.

          Konkret wurden in den vergangenen zehn Jahren von 46.444 Filialen mehr als 12.000 geschlossen. Aktuell gibt es noch 34.000 Niederlassungen, und hier wird noch nicht das Ende erreicht sein. Oliver Mihm von Investors Marketing glaubt zum Beispiel, dass in den kommenden zehn Jahren weitere 13.000 Filialen wegfallen werden. Präsenz vor Ort kostet viel Geld, das sich zahlreiche Geldinstitute im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht leisten können. Für jeden Euro, den die Deutsche Bank mit ihren Filialen einspielt, muss sie laut Privatkundenvorstand Christian Sewing mehr als 80 Cent für die Kosten aufbringen. Das ist zu viel.

          Schließung sensibles Thema

          Dazu haben viele Niederlassungen einen dringenden Modernisierungsbedarf, nicht nur hinter dem Tresen. Denn der Charme vieler Filialen schwankt irgendwo zwischen Behörde und Zahnarzt - man geht einfach ungern hin, wenn man es irgend vermeiden kann. Jeder Sparkassenkunde geht nur noch einmal pro Jahr in die Filiale, aber ruft App oder Online-Banking fast jeden zweiten Tag auf.

          Die Commerzbank schätzt, dass zumindest ein Viertel der Kunden einmal im Jahr eine Filiale aufsucht. In den Filialen werden dann meistens Beratungsleistungen nachgefragt. Deswegen rechnen sich viele kleine Filialen nicht mehr, weil dort eben nicht beraten werden kann - oder man einen Termin Wochen oder gar Monate im Voraus vereinbaren muss.

          Deswegen sind Filialschließungen auch ein so sensibles Thema. Zum einen gehört zur Beratung auch immer Vertrauen. In einer anonymen, riesigen Filiale fühlen sich viele Kunden nicht mehr so wohl wie in ihrer kleinen, vertrauten Niederlassung, selbst wenn sie miefig ist. Außerdem: Wenn die Bank nicht mehr in der eigenen Stadt ist, fehlt irgendwann auch einmal die Bindung zur Bank. Und warum dann nicht direkt zu einer der Direkt- oder Internetbanken gehen?

          Orientierungslotse und Kaffee-Lounge

          Immerhin zehn Prozent der Bankkunden spielen mit diesem Gedanken, sollte ihre Zweigstelle in der Nähe schließen. Commerzbank und Deutsche Bank versuchen deswegen, ihre Filialen zu modernisieren, und experimentieren dazu in deutschen Großstädten. Diese neuen Filialen, gern mit dem Begriff Flagship (Flaggschiff) versehen, finden sich zum Beispiel in Berlin. Und sie haben wenig mit dem zu tun, wie man eine Bankfiliale aus den neunziger Jahren in Erinnerung hat.

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