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Wertpapierdepot : Commerzbank verändert Gebühr zu ihren Gunsten

Die Commerzbank verändert die Depotgebühr zu ihren Gunsten. Bild: dpa

Die Bank bietet ihren Kunden Wertpapierdepots mit einer Pauschalgebühr an. Auf den ersten Blick klingt das fair. Doch der Anleger zahlt am Ende oft mehr als vorher.

          5 Min.

          Wir verkaufen dem Kunden nur noch das, was er wirklich braucht, heißt es im neuesten Fernsehwerbespot der Commerzbank. Aber stimmt dieses vollmundige Versprechen auch, das die radelnde (und nicht wie ihre Vorgängerin joggende) Commerzbank-Mitarbeiterin im Fernsehen gibt? Wer sich intern in der Bank etwa zum neuen „Premium Depot“ umhört, der bekommt Zweifel.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Kunden, die viel mit Wertpapieren handeln, solle das Depot mit „Pauschalgebühr“ möglichst gar nicht angeboten werden, hätten ihre Vorgesetzten durchblicken lassen, sagen Commerzbank-Berater, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Das ist brisant, denn ausgerechnet für die „Heavy Trader“ genannte Gruppe sehr aktiver Wertpapierkunden würde sich die Depotkostenpauschale besonders lohnen. „Für diese Kunden gibt es ein inoffizielles Vertriebsverbot für das Premium Depot“, behaupten mehrere Mitarbeiter. Damit konfrontiert, sagt ein Sprecher der Commerzbank: „Was meinen Sie mit ,inoffiziell‘? Es gibt klare Compliance-Regeln. Diese schließen ein Vertriebsverbot an Heavy Trader aus.“

          Die Commerzbank hat wie wohl keine andere Bank unter einem massiven Schwund an Wertpapierdepots und Wertpapiererträgen zu leiden. Interne, nur an Kundenberater ausgegebene Informationen vom vierten Quartal 2013 zeigen, dass die Misere größer ist als gedacht: Von 2007 bis 2012 brachen die Einnahmen rund um die Wertpapierkundendepots um satte 60 Prozent auf 695 Millionen Euro ein. In dieser Zeit ging der Anteil der Wertpapiererträge, die für jede Transaktion der Kunden von der Bank vereinnahmt werden, von 65 auf 52 Prozent zurück. Im Gegenzug stieg der Anteil der Gebühren auf den Kundendepotbestand an den Wertpapiererträgen von 35 auf 48 Prozent.

          Weitere interne Zahlen geben zusätzliche Einblicke in das Ausmaß der Misere: Das in den Kundendepots der Commerzbank verwaltete Vermögen ging zwischen 2007 und 2011 von 113 auf 79 Milliarden Euro zurück, bevor es bei kräftig steigenden Aktienkursen bis zum Ende des Jahres 2012 leicht auf 82 Milliarden Euro zulegte. Als einen Grund für die zudem kräftig gesunkene Zahl der Depots führt die Commerzbank an, dass nach der Fusion mit der Dresdner Bank Kunden mit Depots in beiden Häusern diese zusammengelegt hätten. Der Schwund an Depots sei im Jahr 2013 gestoppt worden, wie der Sprecher der Bank betont. Aus der internen Präsentation für die Kundenberater vom vierten Quartal 2013 geht dagegen nur hervor, dass die Zahl der Depots von 2 Millionen im Jahr 2007 auf 1,4 Millionen bis Ende 2012 zurück gegangen ist.

          Mit vier Depotpreismodellen hat die Commerzbank den Kampf gegen die Abwanderung ihrer Wertpapierkunden und ihre Unlust an Wertpapierkäufen aufgenommen. Vor allem vom Konzept des Premium Depots ist Commerzbank-Privatkundenvorstand Martin Zielke besonders überzeugt, wie er im Sommer 2013 dieser Zeitung sagte. Damals führte die Commerzbank das neue Depot mit Pauschalgebühr für „normale“ Privatkunden ein - durchaus mit Erfolg. Wie die Bank im Februar mitteilte, werden inzwischen 8000 Depots mit 1,5 Milliarden Euro an Vermögen als Premium Depot geführt, das heißt: Die Commerzbank verlangt einmal im Quartal „nur“ eine Gebühr, die als Prozentsatz auf den Depotwert erhoben wird - unabhängig davon, wie oft der Kunde Wertpapiere kauft und verkauft.

          Ins Schaufenster gestellt hat die Commerzbank eine Pauschalgebühr von 1,45 Prozent auf das Depotvolumen. Die gilt aber selten für Reiche. Im Wealth Management genannten Teil des Privatkundengeschäfts, in dem die Commerzbank Kunden mit einem Vermögen von mindestens 1 Million Euro betreut, wird das Premium Depot zusätzlich zu anderen Preismodellen seit Anfang des Jahres 2014 angeboten. Dafür wirft die Bank gerade etliche Köder aus: Wer bis April Anlagen im Wert von mindestens 250 000 Euro überträgt, erhält 1000 Euro. Und den schon im Wealth Management betreuten Kunden machen die Berater ein individuelles Angebot für die Depot-Flatrate, das oft deutlich unter 1,45 Prozent liegt und den bisher erzielten Gesamtertrag mit dem betuchten Kunden berücksichtigt. Gleichwohl sollten sich Kunden nicht unbedingt zu diesem Preismodell verleiten lassen.

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