https://www.faz.net/-hs7-7oelw

Beliebte Geldanlagen : Ein Sparbuch ist purer Luxus

Das Sparbuch gehört zu den beliebtesten Anlageprodukten und bringt mittlerweile bei mancher deutschen Bank mehr Zinsen als ein Tagesgeldkonto. Bild: Röth, Frank

Der Klassiker ist und bleibt die beliebteste Geldanlage der Deutschen. Doch die Zinsen sind meist so niedrig, dass die Anleger real Geld verlieren. Dabei gibt es Alternativen.

          Die Deutschen lieben ihr Sparbuch heiß und innig. Denn sie schätzen bei der Geldanlage vor allem eines: Sicherheit. Vermutlich ist diese Liebe auch deswegen so tief, weil sie schon früh beginnt – in den Kindertagen, wenn Eltern und Großeltern das Sparschwein der Kleinen mit ihrem Münzgeld mästen. Doch ihre Liebe kommt die Anleger in solch mageren Zinszeiten wie diesen teuer zu stehen. Zwar ist die Inflationsrate in Deutschland derzeit vergleichsweise niedrig, doch die Sparzinsen liegen noch tiefer. Für die Sparer ergibt sich daher – selbst noch vor Steuern – unter dem Strich ein Minus. Das Geld auf ihrem Sparkonto wird weniger wert. Das Polster an Sicherheit schwindet.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Tatsächlich besitzen mehr als die Hälfte aller Deutschen ein Sparbuch. Nach einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) waren das im vergangenen Jahr 58 Prozent der Bundesbürger. Nach der Rentenversicherung und noch vor der Lebensversicherung zählt das Sparbuch damit zu den drei beliebtesten Anlageprodukten der Deutschen. Das zeigt nicht nur die Studie des Sparkassenverbandes, bei der im Juli vergangenen Jahres 2000 Teilnehmer im Alter von 14 Jahren an befragt wurden. Das meist höher verzinste Tagesgeld kommt demnach nur auf einen Anteil von 37 Prozent, ein Festgeld haben 28 Prozent der Bundesbürger. Dass die Deutschen Sicherheit höher bewerten als Rendite, hört man immer wieder. In der Umfrage des DSGV zum Beispiel ist 94 Prozent der Befragten das Thema Sicherheit am wichtigsten, gefolgt unter anderem von der Verfügbarkeit der Geldanlage und der Flexibilität. Erst im Mittelfeld findet sich eine hohe Rendite mit einem Anteil von rund drei Vierteln.

          Spar-Card mit gewissen Vorteilen

          Hätte jeder Sparbuchbesitzer in Deutschland auch nur ein einziges, wären das wohl mehr als 47 Millionen. Doch die tatsächliche Zahl der Bücher dürfte ein Vielfaches betragen. Allein in der Sparkassenorganisation werden Jahr für Jahr ein bis zwei Millionen Bücher neu ausgestellt, wenn das alte Buch voll ist oder ein neues Konto eröffnet wird. Bei der Frankfurter Sparkasse, der viertgrößten in Deutschland, sind es jährlich 13.000.

          Viele Banken und Sparkassen geben auch Plastikkarten statt Bücher an ihre Sparer aus. Kontoauszüge ersetzen dann die traditionellen Einträge im Buch. Von manchen Banken wird es daher auch Loseblatt-Sparbuch genannt. Bei einigen Instituten haben die Kunden die Wahl, wie bei der Deutschen Bank. Grundsätzlich bietet diese das Sparkonto in Form einer Spar-Card an. Auf ausdrücklichen Kundenwunsch hin bestehe jedoch die Möglichkeit, ein klassisches Sparbuch zu erhalten, heißt es vom Institut. Mit der Spar-Card können Kunden an gut 61.000 Geldautomaten in mehr als 30 Ländern kostenfrei bis zu 600 Euro je Tag oder maximal 2.000 Euro je Kalendermonat abheben.

          Die Karten haben so gesehen ihre Vorteile: Sie erleichtern das Ein- und Auszahlen von Geld, weil die Kunden nicht mehr an die Öffnungszeiten der Filialen gebunden sind. Man kann sie zudem gut im Portemonnaie verstauen. Gleichwohl fehlt ihnen der Charme des Klassikers. Bei den Sparkassen zum Beispiel gibt es nach wie vor deutlich mehr Bücher als Sparkarten. Auf rund 100.000 schätzt die Sprecherin des DSGV die Anzahl der Karten, die jährlich an die Sparkassenkunden ausgegeben werden.

          Die niedrigen Zinsen führen allerdings dazu, dass die Menschen anders mit ihrem Geld umgehen. „Viele Deutsche sind offenbar der Meinung, dass sich gegenwärtig Sparen nicht lohnt“, sagt Sabine Münster, Leiterin Bankgeschäft bei Comdirect, der Internettochtergesellschaft der Commerzbank: „Sie geben ihr Geld lieber aus.“ Und wenn gespart werde, seien es häufig kleinere Beträge. Ihre Beobachtungen basieren auf einer repräsentativen Befragung von 2000 Bundesbürgern aus dem Februar. In diesem Monat legten demnach zwei Drittel ihr Geld gar nicht erst an, sondern ließen es auf dem Girokonto oder als Bargeld zu Hause liegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump : Ein heraufziehender Sturm

          Donald Trump gerät erstmals ins Visier einer amerikanischen Bundesanwaltschaft. Der Präsident bereitet sich auf den Wahlkampf 2020 vor und entlässt auch deshalb wieder einen sogenannten Erwachsenen in der Regierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.