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Alte Verträge aufgelöst : Bausparkassen kündigen 120.000 Bausparern

Für das Eigenheim zu sparen, wird schwieriger Bild: dpa

Die Kündigungswelle nimmt Fahrt auf. Alte Verträge mit hohen Zinsen zehren die Erträge auf. Die Branche mistet nun aus. Doch Verbraucherschützer raten Kunden, sich zu wehren.

          Sollten Sie ein Bausparer sein, der sich seit Jahren über Einlagenzinsen von 3 bis 5 Prozent freut, dann müssen Sie sich auf ein Schreiben Ihrer Bausparkasse gefasst machen. Denn Ihr Altvertrag lastet auf den Zinserträgen und dürfte bald gekündigt werden. Rund 22.000 Kunden der Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg haben in den vergangenen Wochen solche Schreiben erhalten. Sie müssen sich bis Februar melden, ansonsten werden ihre Verträge gekündigt. Diese Kunden sind nicht allein, denn nach Zählung der F.A.Z. haben seit Anfang 2014 die Bausparkassen mehr als 120.000 Kunden die Altverträge gekündigt oder mit der Kündigung gedroht.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kurz vor Weihnachten griff auch die zum Konzern der Deutschen Bank gehörende BHW zu diesem Mittel. Betroffen waren 25.000 Altkunden. Am meisten aber die zur öffentlich-rechtlichen Sparkassen-Gruppe gehörenden Landesbausparkassen ihren Altbestand aus. Auf sie entfallen 80.000 Kündigungsschreiben. Nach Angaben einer Sprecherin der LBS Nord handelt es sich zunächst um einen Hinweis. Das Institut hat im November 12.000 Kunden angeschrieben. Davon haben gut 5600 reagiert und entweder einer Auszahlung ihrer Einlagen oder der Inanspruchnahme eines Kredits zugestimmt.

          Auch die LBS West hat 12.000 Kunden angeschrieben, während die LBS Bayern sofort 26.000 Altverträge gekündigt hat. Die Bausparkassen bekommen dabei Rückendeckung von der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Deren noch amtierende Präsidentin Elke König sagte am Dienstagabend, dass die Bausparkassen unter dem niedrigen Zinsniveau leiden. Derzeit führen die Aufseher eine Zinsumfrage bei den Bausparkassen durch.

          Vor zwei Jahren war der Branche noch ein gutes Zeugnis ausgestellt und deren Krisenfestigkeit bescheinigt worden. Doch damals lag die Umlaufrendite von Anleihen der öffentlichen Hand in Deutschland noch bei 1,2 Prozent. Inzwischen ist diese auf knapp 0,4 Prozent gesunken. Das zentrale Problem der hochverzinsten Altverträge hat den Worten Königs zufolge die Branche noch nicht gelöst. Diese drückten auf die Erträge. Im Jahr 2013 sank das Betriebsergebnis der zwölf privaten Bausparkassen und der zehn Landesbausparkassen um 11 Prozent auf 463 Millionen Euro. Im zurückliegenden Jahr dürfte sich der Ertragsdruck erhöht haben.

          Das Recht, Verträge nach zehn Jahre zu kündigen

          In der aktuellen Kündigungswelle greifen die Bausparkassen aber zu einem juristischen Kniff, der nach Ansicht von Verbraucherschützern nicht zulässig ist. Denn die Verträge werden nun gekündigt, wenn sie schon mehr als zehn Jahre zuteilungsreif sind, aber noch kein Darlehen abgerufen wurde. Selbst bei Verbraucherschützern ist es unumstritten, dass die Bausparkassen Verträge kündigen, wenn die Kunden die Bausparsumme voll angespart haben. Ein Darlehen, das der Differenz zwischen Bausparsumme und Einlagenguthaben entspricht, kann deshalb nicht mehr beansprucht werden.

          Doch zuteilungsreif sind die Bausparverträge schon ab einem Guthaben von 40 bis 50 Prozent. Die Bausparkassen berufen sich auf das Kündigungsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Der Kreditnehmer hat danach das Recht, nach zehn Jahren den Vertrag zu kündigen. Verbraucherschützer kritisieren die Konstruktion: Denn der Bausparkunde mit seiner Einlage gilt in dieser Interpretation als Kreditgeber der Bausparkasse.

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