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Banking : Kontowechsel leicht gemacht

Der Hauptwechselgrund Bild: dpa

Banken müssen Kunden helfen, wenn ihr Konto umzieht. Und zur Kontoeröffnung kann man sich im Internet ausweisen. Das machen Fintechs möglich. Doch noch geht nicht überall alles digital.

          4 Min.

          Viele Kunden ärgern sich in diesen Tagen über ihre Bank oder Sparkasse: Anders als in vergangenen Jahren werden sie fast bombardiert mit lästiger Post. Und darin sind viele Banken und Sparkassen noch nicht einmal ehrlich. Anstatt offen zu schreiben, dass sich das Girokonto für die Bank nicht mehr rechnet, weil die Zentralbank von ihr Gebühren (Negativzinsen) auf Einlagen verlangt, schwafeln viele Banken von neuen Kontomodellen, mit denen sie auf Kundenbedürfnisse reagierten. Das ist in den allermeisten Fällen Blödsinn, fast immer geht es um Gebührenerhöhungen. Was liegt da näher, als die Bank zu wechseln?

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bisher haben vor allem junge Leute ihre Bank gewechselt. Sparkassen und VR-Banken verlieren die Hälfte der Kunden, wenn sie im Alter von 27 bis 37 Jahren in den Beruf einsteigen und die Bank ihr Girokonto plötzlich gebührenpflichtig macht. Dann schnellt der Marktanteil filialloser und deshalb kostengünstigerer Direktbanken in dieser Altersgruppe von 0 auf 23 Prozent nach oben, hat die Stuttgarter Beratungsgesellschaft MM1 mit einer Umfrage herausgefunden.

          Ältere Bankkunden dagegen waren in der Vergangenheit meist treu. Manche eröffnen schon einmal ein zusätzliches Konto oder Depot, um bei einer anderen Bank Lockangebote abzugreifen. Aber der alten Bank kündigen? Davor schreckten viele wegen des Papierkrams zurück.

          Der Antrag ist schnell gestellt

          Doch jetzt werden auch ältere Bankkunden mobiler - auch weil Fintechs für die Banken den Kontowechsel leichter machen. Zum einen ist die Identifizierung des Kontoinhabers seit rund zwei Jahren auch online per Video-Legitimation möglich. Zum anderen ist der Umzug des alten Kontos zur neuen Bank seit September 2016 nicht mehr allein Sache des Kunden, sondern die Banken untereinander müssen das weitgehend regeln. Auch dabei helfen Fintechs.

          Das Konto lässt sich heutzutage bequem im Internet eröffnen. Das Antragsformular auszufüllen mit Namen, Adresse, Monatseinkommen und anderen Daten, die Banken wegen des Geldwäschegesetzes erheben müssen, dauert wenige Minuten. Unmittelbar anschließend kommt eine automatische E-Mail, die zwei Wege zeigt, über die man sich legitimieren kann, also beweist, dass man selbst und nicht jemand anderes unter dem eigenen Namen das Konto eröffnet.

          Dafür kann man sich wie eh und je in der Postfiliale mit Personalausweis und Ausdruck des von der Bank zugeschickten Kontoeröffnungs-Kupons ausweisen. So werden noch immer die meisten Konten eröffnet, auch wenn die Schlangen in den Postfilialen nervenzehrend lang sein können. Und manchmal muss man, etwa wenn man einen komplizierten Namen hat und der Beamte den Post-Ident-Kupon falsch ausgefüllt an die Bank zurückschickt, sogar ein zweites Mal dorthin.

          Misstrauen gegenüber Online-Identifizierung

          Einfacher geht es im Internet. Dort hält man seinen Personalausweis in eine Web-Kamera. Viele Direktbanken wie ING Diba und DKB nutzen bei der Video-Legitimation das Fintech Web-Id-Solutions. Die zur französischen Bank BNP Paribas gehörende Consorsbank lässt die Online-Identifizierung dagegen auch über die Mitarbeiter der Deutschen Post durchführen. Sie nehmen den neuen Bankkunden im Video-Chat in Empfang, prüfen Vorder- und Rückseite des Ausweises am Bildschirm und gleichen das Foto im Ausweis mit dem Gesicht des Antragstellers in der Kamera ab. Die nächsten Unterlagen bekommt der Kunde anschließend per Post von der Bank.

          Gerade Fintechs wie Web-ID-Solutions betonen, dass sie Daten des Kunden bei der Übermittlung an die Bank bestmöglich verschlüsseln - gilt doch die Sorge nach Datensicherheit als Hürde, damit sich Kunden unbekannten Fintechs anvertrauen. Selbst bei einer Direktbank wie ING Diba, die seit zwei Jahren mit Web-Id-Solutions zusammenarbeitet, wählen erst 20 Prozent der vermutlich internetaffinen Neukunden die bequeme Online-Variante. Das heißt: 80 Prozent gehen für ING Diba noch lieber zur Post.

          Dank dem „Zahlungskontengesetz“

          Dabei ist auch die Kontoschließung beim alten Institut inklusive vorheriger Übertragung wichtiger Informationen wie Daueraufträge und Lastschriften zur neuen Bank dank Digitalisierung leichter geworden. Dazu hat auch der Gesetzgeber beigetragen. Bisher mussten Bankkunden ihren Arbeitgeber, Vermieter und andere Zahlungspartner selbst über die neue Bankverbindung informieren. Vor dieser Fleißarbeit schreckten viele zurück. Das seit September geltende „Zahlungskontengesetz“ sieht nun vor, dass die Banken Kunden unterstützen müssen und bei Überschreiten von Fristen haften, wenn später die Miete nicht korrekt vom neuen Konto abgebucht wird.

          Sobald der Verbraucher der künftigen Bank gemeldet hat, dass er zu ihr wechseln möchte, muss sie dieses Formular innerhalb von zwei Tagen an die bisherige Bank weiterleiten. Das Altinstitut hat fünf Tage Zeit, um dem neuen Anbieter alle Transaktionen der vergangenen 13 Monate zu melden. Die neue Bank bekommt weitere fünf Tage, um den Zahlungspartnern die neuen Kontodaten mitzuteilen.

          Vielfach bleibt der Papierkram

          Was vorher der Kunde tun musste, erledigt nun also die Bank, wenn er sie dazu ermächtigt. Auch die Fristen sind neu. Bislang konnte es sich über Wochen hinziehen, bis der Kontoumzug vollzogen war. Jetzt haften die Banken, wenn es länger als zwölf Tage dauert. Allerdings können sie „angemessene“ Preise für den Kontoumzug verlangen.

          Auch darüber hinaus hat das Zahlungskontengesetz Haken: Der Kontowechsel funktioniert noch nicht zwingend digital, weil sich die Banken nicht auf einen gemeinsamen Standard verständigt haben und nicht alle über Schnittstellen digital miteinander verbunden sind.

          Der Kunde muss deshalb für den Kontowechsel ein mehrseitiges Papier ausfüllen, das viele Banken untereinander noch per Fax austauschen. Dabei sind gerade Direktbanken mit Hilfe von Fintechs in der Lage, einen digitalen Umzugsservice anzubieten. Sobald sich der Kunde online in sein altes Konto eingeloggt hat, werden automatisch alle Kontobewegungen der vergangenen Zeit auf dem Bildschirm angezeigt.

          Der Kunde kann per Klick auswählen, welche Zahlungspartner seine Bank über die neue Bankverbindung benachrichtigen soll. Das Programm dafür liefert unter anderem für die Commerzbank und die Consorsbank das Fintech Fino, Comdirect greift auf Kontowechsel 24 zurück und die DKB auf Finreach. Dank dieses digitalen Kontoumzugsservice kann man sich viel Fleißarbeit und Ärger mit seiner alten Bank ersparen.

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