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Bankgeschäfte per Handy : Deutsche trauen Mobile-Banking nicht

  • -Aktualisiert am

Ein TAN-Generator, für die Überweisung unterwegs Bild: dpa

Bei der Abwicklung von Bankgeschäften via Mobiltelefon sind deutsche Verbraucher sehr zurückhaltend. Dabei bescheinigen zahlreiche Studien, dass die Deutschen prinzipiell Interesse daran hätten.

          Mal eben 78.000 Euro weg vom Konto? Der Albtraum eines jeden Bankkunden – und so erst jüngst einer Frau widerfahren, die ihre Bankgeschäfte online mit dem bislang als sicher geltenden sogenannten m-TAN-Verfahren erledigt hatte. Dieser und weitere Fälle mit höheren Schäden sorgten zuletzt für Verunsicherung bei den mit Online-Banking ohnehin noch zurückhaltenden Deutschen und gewiss nicht für mehr Vertrauen in das Abwickeln von Bankgeschäften via Mobiltelefon, Mobile-Banking genannt.

          Dabei bescheinigen zahlreiche Studien, dass die Deutschen prinzipiell daran interessiert wären, ihre Bankgeschäfte unterwegs zu tätigen. Der Anteil der Mobile-Banking-Nutzer in Deutschland hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Umfrage der Unternehmensberatung Bain & Company hervor. Bildete Deutschland im vergangenen Jahr noch das Schlusslicht, liegt es heute im Mittelfeld des internationalen Vergleichs. Rund 35 Prozent der Befragten in Deutschland vertrauen bei Überweisungen oder Ähnlichem auf Smartphones und Tablets. Am häufigsten erledigen Chinesen ihre Bankgeschäfte unterwegs.

          Apps für Bankgeschäfte

          Mal eben in der Bahn die Miete überweisen oder aus dem Italien-Urlaub das Wertpapierdepot pflegen – die meisten Banken bieten entsprechende „Apps“ für die gängigen Betriebssysteme der mobilen Geräte an. Der Vorteil einer „App“ ist die angepasste Bildschirmgröße. Anstatt auf einer großformatigen, unübersichtlichen Internetseite beschränkt sich die Darstellung in einer App auf das Notwendigste. Banking-Apps schützen zudem vor sogenannten Phishing-Seiten, mit denen Kriminelle Kontodaten abgreifen, indem sie die Internetseite der Banken fälschen.

          Mehr als 500.000 Mal zum Beispiel ist die Applikation der Deutschen Bank für das Mobile-Banking seit ihrer Einführung vor drei Jahren heruntergeladen worden. Und die Anwendung wird von den Kunden auch benutzt. Gut 15 Prozent der Kontakte im Online-Banking kommen über Geräte wie iPhone und iPad. Nach Angaben von Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon wurden die beiden Sparkassen-Apps schon mehr als fünf Millionen Mal heruntergeladen. Der durchschnittliche Sparkassenkunde ruft seine Apps 16 Mal pro Monat auf.

          „Das Mobile-Banking wird prinzipiell sehr gut angenommen“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dass deutsche Kunden Banking-Applikationen dennoch vergleichsweise zögerlich verwenden, dafür macht sie Sicherheitsbedenken verantwortlich. Laut einer Studie des Marktforschungsinstitut Puls halten 45 Prozent der befragten 1100 Bankkunden in Deutschland Mobile-Banking für unsicher. In der Tat weisen Fachleute immer wieder auf die Gefahren des Mobile-Bankings hin. Denn Mobiltelefone gelten als anfälliger für Attacken als ein Computer.

          Tan-Nummern im Zufallsprinzip

          Wie beim Online-Banking am heimischen Computer müssen Kunden jede Transaktion mit einem eigenen Code bestätigen. Banken verwenden dafür zum Beispiel das m-TAN-Verfahren, eine zufällig erzeugte sechsstellige Zahl, die dem autorisierten Nutzer als SMS zugeschickt wird. Um die Sicherheit zu gewährleisten, sollte diese SMS aber nicht auf demselben Gerät landen, von dem aus die Überweisung oder der Dauerauftrag getätigt wird. „Das erhöht die Gefahr, ausspioniert zu werden“, sagt Verbraucherschützerin Oelmann. Wer sichergehen will, muss also entweder ein zweites Handy dabeihaben oder einen TAN-Generator verwenden. Das kleine Gerät wird von Banken ausgegeben und erzeugt nach dem Einlegen der Karte die Tan-Nummern im Zufallsprinzip.

          Sicherheit kostet auf jeden Fall Bequemlichkeit. Und Banken sichern sich in ihren AGB explizit gegen Fälle ab, in denen ihre Kunden Opfer eines solchen Angriffs werden. „Das ist den Verbrauchern aber nicht bewusst“, sagt Oelmann. Zwar hätten die Kunden die Pflicht, sich über Risiken des mobilen Bankings zu informieren, dies gelte aber nicht, wenn solche Hinweise im Kleingedruckten versteckt würden. Ihrer Erfahrung nach würden sich Banken zwar konziliant zeigen, aber nur wenn die Kunden sich korrekt verhalten hätten – also ein zweites Gerät für die TAN benutzt haben. Bei Fahrlässigkeit gingen die Banken härter vor.

          Verbraucher sind daher gut beraten, ihr Smartphone mit Hilfe von sogenannten Firewalls und Virenschutzprogrammen so gut wie möglich gegen Angriffe zu schützen. Wer sein Handy für das m-TAN-Verfahren nutzt, muss ebenfalls aufpassen, vor allem, wenn es sich bei diesem Handy um ein Smartphone handelt. Auch diese mobilen Minicomputer sind anfällig für Viren und Spähprogramme, sogenannte Trojaner.

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