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Fintechs : Banken kämpfen um die Hoheit über ihre Kundendaten

Wer in eine Filiale der Postbank geht, wird kaum seinen Kontoauszug von der Sparkasse verlangen – in der neuen App wird das nun möglich. Bild: Bloomberg

Alle Finanzen in einer App zu überblicken, ist für viele Bankkunden reizvoll. Für die Anbieter solcher Programme auch. Nun machen es erste Banken den Fintechs nach.

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          Das muss man sich erst einmal vorstellen: Wenn ein Kunde in die Filiale einer Postbank kommt, steht da nicht nur Frau Meier von seiner Hausbank, nein am Schalter nebenan steht auch noch der schneidige Berater von der Sparkasse und daneben die aus der Fernsehwerbung weithin bekannte Joggerin Lena Kuske von der Commerzbank. Mit dem einen kann er seine Aktienkäufe machen, bei der anderen kurz einen neuen Dauerauftrag einrichten, die Konditionen vergleichen und alles ist in wenigen Minuten erledigt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den Geschäftsstellen der realen Welt dürfte es noch eine Zeitlang dauern, bis alle Kreditinstitute so einhellig beieinander im selben Raum ihre Dienste feilbieten. Doch immerhin in der virtuellen Welt ermöglicht die Postbank das nun – in ihrer App für den Tablet-Computer. Ab sofort können die Kunden der Bonner Bank auch ihre Konten bei anderen deutschen Banken oder Bezahldiensten wie Paypal in die Banking-App „Postbank Finanzassistent“ integrieren. Dafür muss der Nutzer nur aus einer Liste die anderen Banken aussuchen, bei denen er ein Online-Konto hat, der App seine Zugangsdaten verraten, und schon kann er in dem Programm seine jüngsten Umsätze und seinen Kontostand einsehen.

          Postbank auf dern Spuren der Start-Ups

          Vorerst geht das nur auf dem Apple-Tablet iPad, nach und nach soll das Angebot aber auch auf andere Geräte und Betriebssysteme übertragen werden, heißt es von der Bank. Auch die Möglichkeiten, die der Kunde mit dem Bankenpotpourri hat, sollen nach und nach erweitert werden, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. Bislang kann er erstmal nur seinen Kontostand und seine vergangenen Umsätze damit abrufen. Überweisungen und andere Bankgeschäft sind noch nicht möglich. Doch nach und nach wolle die Bank auch das ermöglichen.

          Damit sei die Postbank die erste Bank in Deutschland, die alle andere Banken in ihre App einbinden kann, lässt das Institut stolz wissen. Doch das erste Angebot dieser Art ist es nicht. Denn mehrere Finanz-Start-ups wie Outbank, Finanzblick und Centralway Numbers bieten ihren Nutzern schon seit einigen Jahren die Möglichkeit, alle ihre Konten und Depots in einer App zusammenzufügen, um den Überblick über all ihre Finanzen zu behalten. Manche werben damit, dass die Nutzer ihre Ausgaben über alle Konten hinweg zum Beispiel für Versicherungen, Restaurantbesuche oder den Bekleidungskauf kategorisieren können. In anderen sind Überweisungen von allen verschiedenen Bankverbindungen schon möglich. Und die Kunden geben die Login-Daten zu ihren Online-Konten den Anbietern offenbar bereitwillig preis.

          Verbraucherschützer warnen zwar ein ums andere Mal dabei nicht zu leichtfertig zu sein. Aber als die Stiftung Warentest vor einem Jahr verschiedene Finanz-Apps auf Service, Nutzbarkeit und Sicherheit hin testete, mussten sich die großen traditionellen Banken kleinlaut hinter dem siegreichen Angebot von Outbank einreihen.

          So ist der vermeintliche Vorstoß einer traditionellen Bank, den die Postbank nun vermeldet hat, wieder einmal vor allem eine Reaktion auf eine offensichtlich von vielen Kunden gewünschte Idee junger Finanz-Start-Ups. Bei der Zusammenführung mehrerer Bankverbindungen und Finanzdienste in einer App geht es schließlich um nicht weniger als darum, der Hauptansprechpartner für den Kunden in Finanzfragen zu bleiben. Denn wenn alle Konten und Depots nebeneinander in einem Programm liegen, kann der Kunde viel leichter vergleichen, welcher Anbieter ihm eigentlich den besten Service und die günstigsten Konditionen bietet. Der Anbieter, auf dessen Plattform all das liegt, holt sich damit zwar quasi die Konkurrenz ins Haus, hat aber immerhin schon einmal den Heimvorteil.

          Außerdem bietet sie nicht nur dem Kunden, sondern auch dem Anbieter der zentralen Sammelstelle einen Überblick darüber, wo und zu welchen Konditionen der Kunde so sein Geld liegen hat und was er damit gerne macht. Solche Daten können Gold wert sein. Das Geschäftsmodell diverser Fintechs basiert darauf, aus der Analyse solcher Informationen Produktvorschläge zu machen und andere Anbieter zu empfehlen.

          Brüsseler Druck

          Das hat auch die Deutsche Bank erkannt. In ihrer sei Juni verfügbaren Banking-App will sie von Herbst an ebenfalls die Möglichkeit schaffen, alle Konten und Depots verschiedener Banken einzubinden. Von Anfang 2017 an sollen dann auch Überweisungen und Wertpapier-Kaufaufträge über die App an die anderen Anbieter funktionieren. „Wir glauben nicht, dass die Kunden ihre Finanzen über drei, vier oder gar mehr Apps regeln wollen“, sagt Markus Pertlwieser, Leiter des Digitalgeschäfts mit Privatkunden der Deutschen Bank. „Sie wollen eine App für alle Bankgeschäfte auf einen Blick.“ Für ihn ist die Zusammenführung mehrerer Konten und Depots deshalb ein strategisches Thema. „Das ist die klassische Hausbank in digitaler Form“, findet Pertlwieser.

          Erleichtert wird diese Zusammenführung durch die Ende 2015 überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie der Europäischen Union (PSD II), die es Banken vorschreibt, ihren Kunden auch die Zahlungsdienste Dritter zugänglich zu machen. Was eigentlich als klarer Vorteil für die jungen Fintechs gegenüber den etablierten Spielern betrachtet wurde, versuchen die nun für sich selbst zu nutzen.

          Vor allem ihre Bekanntheit und das Vertrauen der Kunden wollen die Etablierten dabei für sich nutzen. So wirbt die Deutsche Bank mit der anerkannten hohen Datensicherheit ihrer Systeme gegenüber denen junger, weitgehend unbekannter Fintechs. Außerdem soll die umfassende Finanzübersicht nicht nur am Handy und dem Tablet, sondern auch am heimischen PC und sogar in der Filiale möglich sein.

          Und hier zeigt sich freilich der wichtigste Beweggrund der Banken, die Hoheit über alle Konten ihrer Kunden selbst behalten zu wollen: So kann schließlich auch der Bankberater am Schalter dezent darauf hinweisen, dass er mit einem Produkt der Deutschen Bank womöglich besser bedient wäre als mit dem schlecht verzinsten Festgeldkonto, das der Kunde bei einer anderen Bank unterhält.

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