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Auf dem Rückzug : Der Crowd geht die Luft aus

Das Mini-Kraftwerk für die Hosentasche: von Deutschen entwickelt, von Amerikanern finanziert Bild: obs

Crowdfinancing ist eine innovative Form der Unternehmensfinanzierung im Internetzeitalter. In Deutschland merkt man davon aber wenig.

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          Was für eine Erfolgsgeschichte: Vor 3 Jahren war die Pebble, eine intelligente Uhr („Smartwatch“), das erfolgreichste Projekt in der Crowdfunding-Gemeinschaft. Damals kamen mehr als 10 Millionen Dollar von Unterstützern zusammen, bis heute wurden über 1 Million Uhren verkauft. Eine Stückzahl, an der sich Milliardenkonzerne wie Samsung, Sony und Apple erst einmal messen lassen müssen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und die Erfolgsgeschichte geht weiter, dieses Mal mit Pebble Time. Im Gegensatz zum Vorgängermodell hat sie ein farbiges Display. 54.520 Unterstützer bezahlten für die Smartwatch bisher; 12 Millionen Dollar kamen innerhalb einer Woche zusammen. Damit wurde ein neuer Rekord erreicht, es ist das bisher erfolgreichste Crowdfunding-Projekt auf der Welt. Das Problem daran: Deutschland hat mit alldem wenig zu tun. Die großen Plattformen wie Kickstarter, auf denen sich das abspielt, stehen in den Vereinigten Staaten. Weder beim Crowdfunding noch beim Crowdinvesting kann Deutschland mithalten.

          Der Unterschied zwischen Funding und Investing

          Der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting liegt darin, was genau man für sein Geld bekommt. Beim Crowdfunding gibt es keine monetäre Rendite. Wird ein Projekt finanziert, liegt der Gewinn zum Beispiel in einer Danksagung oder dem fertigen Produkt - wie etwa der Pebble.

          Beim Crowdinvesting geht es dagegen um handfeste wirtschaftliche Interessen. Die Schwarmfinanziers geben einem Unternehmen Geld, und dieses verspricht eine Rendite. So wollen die Unternehmen ihren Kapitalstock erhöhen, was über den Schwarm oft deutlich günstiger ist als über Banken oder andere Geldgeber. Die Anleger setzen dafür darauf, ihr investiertes Kapital deutlich höher verzinst wiederzuerlangen.

          Natürlich müssen Anleger auch hier die Faustregel der Geldanlage beachten: „Je höher die Rendite, desto höher das Risiko.“ Sie geben den Unternehmen nichts anderes als eine Finanzierung. Sollte das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten, kann das Geld weg sein.

          Crowdfunding in Deutschland: Die Zeiten des großen Wachstums scheinen vorüber zu sein.
          Crowdfunding in Deutschland: Die Zeiten des großen Wachstums scheinen vorüber zu sein. : Bild: F.A.Z.

          Doch der Motor in Deutschland stotterte im Jahr 2014, wenn man dem Portal „Für Gründer“ Glauben schenken darf. Das Crowdfunding wuchs zwar noch von 5,4 auf 8,7 Millionen Euro, doch im Crowdinvesting sank der eingesetzte Betrag von 15 auf 14,7 Millionen Euro. Hoffnungen gibt es für das Crowdinvesting dennoch: Zum einen war das Jahr 2013 extrem erfolgreich, da Bergfürst mit Urbanara eine große Finanzierungsrunde auf die Beine stellen konnte. Zum anderen liefen viele Projekte im letzten Quartal 2014 schon an, wurden aber erst im Januar beendet. Daher sind allein im Januar schon 5,7 Millionen Euro zusammengekommen.

          Im Europa-Vergleich rutscht Deutschland immer mehr ab. Das zeigt eine Studie der Cambridge-Universität. Die renommierte Bildungsstätte sieht Großbritannien und als große Überraschung auch Frankreich vor Deutschland, wenn es um alternative Finanzierungen geht. Ein Problem kann die mangelnde Rechtssicherheit in Deutschland sein. Noch findet das Crowdfunding in einer rechtlichen Grauzone statt, die sich teilweise mit dem Kleinanlegerschutz berührt. Die Bundesregierung möchte diese Grauzone mit einem Gesetzesentwurf beseitigen. Allerdings herrscht nun Unsicherheit, wie stark Crowdfunding reguliert wird. Zu große Dokumentationspflichten könnten die noch junge Branche im Keim ersticken.

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