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Negativzinsen : Stadtsparkasse München kündigt 28.000 Verträge

Entrümpelung bei den Sparkassen: Sparverträge werden gekündigt. Bild: dpa

Die Stadtsparkasse München ist die erste große Sparkasse, die sich mit drastischen Mitteln gegen die Negativzinsen der EZB wehrt.

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          Die Stadtsparkasse München kündigt 28000 Prämiensparverträge. Die fünftgrößte Sparkasse in Deutschland begründet dies mit den Kosten der negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB).

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Außerdem behält sich die Münchner Sparkasse vor, ab 1. Oktober von Neukunden mit Guthaben von mehr als 100000 Euro auf Giro- oder Cashkonto Strafzinsen zu verlangen. Damit soll ein Einlagenzustrom abgewehrt werden.

          Denn für überschüssige Mittel, die bei der EZB angelegt werden, müssen die Banken einen Einlagensatz von minus 0,5 Prozent zahlen. Die Stadtsparkasse München ist bislang die größte Sparkasse, die mit harten Maßnahmen die Auswirkungen der Negativzinsen abzuschwächen versucht.

          Kündigungen in Nürnberg

          In Bayern hatte zuletzt die Nürnberger Sparkasse im Juli 21 000 Prämiensparverträge gekündigt. Dabei handelt es sich um Sparverträge ohne feste Laufzeit, die nach 15 Jahren die Höchstverzinsung erreicht haben.

          Erst im Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) grünes Licht für die Kündigungen von Prämiensparverträgen gegeben. Langjährigen Prämiensparern können nach dem Urteil die Altverträge gekündigt werden, wenn sie die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft haben. In dem Fall hatten Kunden der Kreissparkasse Stendal in Sachsen-Anhalt geklagt, die drei entsprechende Verträge aus den Jahren 1996 und 2004
          weiterführen wollten.

          Die Stadtsparkasse München begründet ihre Kündigungen mit dem von der EZB von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkten Einlagensatz. Da dieser negativ ist, kommt er einem Strafzins gleich, weil die Banken für ihre bei der EZB angelegten Mittel zahlen müssen. Allerdings versucht die EZB die Belastungen durch einen  Staffelzins abzumildern. Die Banken haben einen Freibetrag, den sie bei der EZB umsonst parken können.

          Ertragslage unter Druck

          Die Münchner Sparkasse hat insgesamt 800 000 Kunden. Sparkassen leben ebenso wie Volks- und Raiffeisenbanken unter anderem von der Zinsspanne zwischen niedrigeren Einlagezinsen
          und höheren Kreditzinsen. Wegen der extrem lockeren Geldpolitik schrumpft diese Spanne immer weiter.Das belastet die Ertragslage.

          Nach den Worten der Münchner Sparkassenchefs reichen die bisherigen Sparmaßnahmen aber nicht mehr aus. Bisher habe die Sparkasse „verschiedene Wege“ gefunden, um die sinkenden Erträge zu kompensieren.

          Aber nun stehen Strafzinsen für vermögende Neukunden im Raum - eine Ankündigung, die die Münchner Sparkasse als notwendige Vorsorgemaßnahme beschreibt. „Kunden mit bestehenden Konten betrifft diese Regelung nicht“, versuchen die Kommunalbanker ihre Kunden zu beruhigen.

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