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Geldanlage in Fonds : „Mr. Dax“ hat mal Erfolg

Das war im Jahr 2007: Dirk Müller sitzt als Skontroführer im Handelssaal der Frankfurter Börse und wird so als „Mr. Dax“ durch viele Fernsehbilder bekannt. Bild: dpa

Dirk Müller wurde als „Mr. Dax“ bekannt. Sein Fonds lief lange schlecht, das letzte Jahr war besser. Und nun?

          Der einstige Börsenhändler Dirk Müller ist immer für einen flotten Spruch gut. Der Mann wurde bekannt, weil er jahrelang direkt unter der Dax-Tafel auf dem Frankfurter Parkett saß und so auf jedem Fernsehbild oder Foto zu sehen war, das von dort aus um die Welt ging. „Mr. Dax“ nennen ihn die Medien seit der damaligen Zeit. Müller, der längst nicht mehr als Börsenhändler tätig ist, lebt gut von der so erlangten Popularität.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er schreibt Bücher mit umstrittenen, verschwörerischen Thesen (zuletzt „Machtbeben“), die trotzdem oder gerade deswegen in den Bestseller-Listen ganz vorne landen. Er gibt, sooft sich ihm die Gelegenheit bietet, Fernsehinterviews, in denen er die Börsenwelt in markigen Sätzen erklärt. Und er hat vor einigen Jahren, im April 2015, einen Fonds unter seinem eigenen Namen auflegen lassen, den Dirk Müller Premium Aktien Fonds.

          Unangenehm war nur, dass dieser Fonds einen schlechten Start erwischte und auch danach nicht gerade begeistern konnte. Für Müller, den Mann der flotten Sprüche, war dies blöd, denn schönreden ließ sich die Sache nicht. 2018 aber ist dem Fonds etwas gelungen, woran fast alle anderen Aktienfonds gescheitert sind: Er hat in diesem schwierigen Börsenjahr ein Plus erzielt – und zwar ein beachtliches von nahezu neun Prozent. Vergleichbare Aktienfonds haben dagegen im vergangenen Jahr im Schnitt rund acht Prozent verloren (siehe Grafik). Ist also Müllers Fonds nun eine gute Anlageidee?

          Absicherungsstrategie hat geholfen

          Dazu muss man sich zunächst anschauen, warum sich der Fonds 2018 so gut entwickelt hat: Er hatte tatsächlich nicht wenige jener Aktien im Portfolio, die sich im vergangenen Jahr trotz aller Widrigkeiten recht gut geschlagen haben. Das Kreditkartenunternehmen Mastercard gehörte mit einem Plus von rund 30 Prozent genauso dazu wie der Software-Konzern Microsoft mit einem Zugewinn von rund 25 Prozent. Aber auch ein ungewöhnliches europäisches Unternehmen wie die Firma Bakkafrost von den Färöern findet sich im Depot, ein Betreiber von Lachsfarmen, dessen Aktie 2018 ebenfalls um 25 Prozent zulegte.

          Gleichzeitig war der Fonds mit Hilfe von Derivaten gegen Wechselkursschwankungen und starke Kursverluste geschützt – eine Absicherungsstrategie, die sich Ende des vergangenen Jahres als sehr erfolgreich erwiesen habe, wie Andreas Schmidt von der Vermögensverwaltung Focam zufrieden berichtet. Das ist nämlich das Erstaunliche, man könnte auch sagen das Irritierende, an Dirk Müllers Fonds: Da der prominente Namensgeber kein Fondsmanager ist, ist er offiziell nur als Berater seines eigenen Fonds tätig. Das Tagesgeschäft liegt in den Händen von Schmidt, einem erfahrenen, aber wenig bekannten Fondsmanager. Man kann festhalten: Zumindest im vergangenen Jahr sind aus dieser Zusammenarbeit viele gute Anlageideen entstanden.

          Grundsätzlich kommt in dem Fonds aber in erster Linie Müllers Weltsicht zum Ausdruck, die er auf Anlegerseminaren oder auch bei regelmäßigen Online-Konferenzen zum Fonds zum Besten gibt – eine lobenswerte Transparenz. Allerdings klingen seine Überlegungen mitunter recht simpel. Bei seinem jüngsten Online-Auftritt im Januar philosophierte er beispielsweise: „Amerikas Konzerne sind deshalb so erfolgreich, weil sie die größte Macht der Welt hinter sich haben, die anderen Ländern ihre Bedingungen aufzwingt.“ Diese Ansicht spiegelt sich im Portfolio dann so wider, dass 70 Prozent der ausgewählten Aktien aus Amerika stammen und nur 30 Prozent aus Europa. Ironischerweise hat es nur ein einziger Dax-Konzern in den Fonds des einstigen „Mr. Dax“ geschafft, der Zahlungsabwickler Wirecard.

          Mangelnde Konstanz

          So gut es im vergangenen Jahr auch lief: Das größte Problem des Dirk Müller Fonds sei seine mangelnde Konstanz, sagt Ali Masarwah vom Fondsanalysehaus Morningstar. In der Tat: Seit Auflage im April 2015 hat der Fonds im Jahresdurchschnitt nämlich gerade einmal 0,5 Prozent hinzugewonnen. Vergleichbare weltweit anlegende Aktienfonds haben sich in der gleichen Zeit zwar auch nicht gerade ausgezeichnet, aber im Jahresdurchschnitt zumindest eine doppelt so hohe Wertentwicklung erzielt. Der Weltaktienindex MSCI World, zu dem Aktien aus den wichtigsten Industriestaaten gehören, legte im gleichen Zeitraum gar um durchschnittlich 3,2 Prozent pro Jahr zu.

          Mal ein sehr gutes Jahr, mal ein sehr schlechtes: Nimmt man die bisherige Leistung als Grundlage, war die Wertentwicklung des Dirk Müller Fonds für Anleger zwar keine Katastrophe, aber eben auch keine Freude. Das Versprechen, in Zeiten fallender Kurse das Depot der Anleger zu schützen, haben Müller und sein Fondsmanager bislang eingehalten. Allerdings sollte man sich klarmachen, dass diese Absicherungsstrategie in guten Börsenphasen Rendite kosten kann. Da das Portfolio des Müller-Fonds mit gerade einmal 34 Werten recht konzentriert ist, könnte es zudem stark leiden, wenn die Aktienauswahl sich einmal als nicht so passend herausstellen sollte wie im vergangenen Jahr.

          Wie so viele haben Dirk Müller und sein Fondsmanager den berühmtesten Anleger der Welt, Warren Buffett, zu ihrem Vorbild erkoren. Dessen Credo „Gute Aktien sind Aktien guter Unternehmen, die zu einem attraktiven Preis gekauft werden können“, wiederholen sie häufig. Unschön für die beiden ist nur: Im Vergleich zu ihrem großen Vorbild ist bei ihnen noch deutlich Luft nach oben.

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