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Mittelstandsanleihen : Empörung über Eyemaxx

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In den Fachmarktzentren gehört(e) DM zu den Stammmietern von Eyemaxx. Bild: ddp

Der zahlungsunfähige Immobilienentwickler Eyemaxx hat ein Sanierungsverfahren in Österreich beantragt. Anlegerschützer zeigen sich irritiert und befürchten schlimme Folgen.

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          Die Mittelstandsanleihen der frühen 2010er-Jahre erfreuen sich nicht unbedingt eines guten Rufs. Eine ganze Reihe fiel aus, und die Anleger gingen häufig mehr oder weniger leer aus, oft genug unter dubiosen Umständen. Auch beim Immobilien-Projektentwickler Eyemaxx, der nun in die Zahlungsunfähigkeit rutschte (F.A.Z. vom 5. November), werden Befürchtungen laut, Anleger könnten weniger auf ihre Forderungen erhalten, als ihnen eigentlich zustünde. Anlass ist, dass Eyemaxx einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Landesgericht Korneuburg in Österreich gestellt hat, obgleich Sitz der Eyemaxx Real Estate AG das deutsche Aschaffenburg ist. „Die Anleihegläubiger sollen im Insolvenzverfahren abgehängt werden“, vermutet Frank Günther von der Beratungsgesellschaft One Square Advisors.

          Es sind mehrere Punkte im österreichischen Sanierungsverfahren, die für die Inhaber der Anleihen kritisch erscheinen. Zum Ersten gibt es eine gesetzliche Mindestabfindung von nur 20 Prozent auf die Forderungen. Genau diese bietet Eyemaxx an. Zum Zweiten gibt es im Nachbarland keine Bündelung der Interessen durch einen gemeinsamen Vertreter. Das hat zur Folge, dass jeder Gläubiger seine Forderung selbst in Korneuburg anmelden muss. Zum Dritten läuft die Anmeldefrist dafür schon am 1. Dezember aus. Der enge Zeitplan deute darauf hin, sagt Günther, dass das Verfahren von der Gesellschaft von langer Hand vorbereitet sei. So soll schon am 26. Januar über den von der Gesellschaft vorgelegten Sanierungsplan abgestimmt werden.

          „Nicht akzeptabel“

          Zu beachten sei auch, dass es bei diesen Abstimmungen im österreichischen Verfahren nicht nur auf die Volumina der gehaltenen Anleihen ankomme, sondern teilweise auch auf die Zahl der Köpfe, die für oder gegen einen Antrag abstimmten, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Besonders auffällig sei dabei, dass es augenscheinlich durch die Flucht in das österreichische Insolvenzrecht keine Einschnitte aufseiten der Eigentümer der Eyemaxx Real Estate AG geben solle. Es sei nicht akzeptabel, dass die Anleihegläubiger Risiko und Nachteile allein tragen sollten, sagt Tüngler. So erfolgt die Fortführung des Unternehmens im österreichischen Sanierungsverfahren durch die Eigentümer.

          Eine Abfindung, die nicht nach der Mindestquote erfolgt, sondern nach den tatsächlich vorhandenen Vermögenswerten, könnte für die Anleihegläubiger möglicherweise von Vorteil sein. Immerhin weist der bislang letzte testierte Einzeljahresabschluss der Eyemaxx Vermögenswerte in Höhe von knapp 196 Millionen Euro aus, bei neben Anleiheschulden von 150 Millionen Euro kaum nennenswerten weiteren Verbindlichkeiten. Zum 30. April dieses Jahres hatte Eyemaxx im untestierten Halbjahresbericht das Vermögen sogar mit 246 Millionen Euro angegeben. Im Sanierungsantrag sollen jetzt aber nur noch 100 Millionen Euro stehen – und ein Zerschlagungswert von null.

          „Sind höchst irritiert“

          „Hinsichtlich der Stellung eines Antrages auf ein Sanierungsverfahren in Österreich sind wir höchst irritiert, nachdem die Gesellschaft in Deutschland ihren Sitz hat und auch die hier betroffenen Anleihen nach deutschem Recht emittiert wurden“, sagt Tüngler und warnt: „Diesem Beispiel könnten weitere Unternehmen folgen.“ Es sei deshalb wichtig, dass sich die Anleiheinhaber wehrten und ein Parallelverfahren in Deutschland eröffneten. One Square Advisors hat nach eigenen Angaben schon am 2. November beim Amtsgericht in Aschaffenburg einen Fremdinsolvenzantrag gestellt, hilfsweise einen Antrag auf Eröffnung eines Sekundärinsolvenzverfahrens gegen die Eyemaxx Real Estate AG. Darüber habe man an die Gesellschaft ein Einberufungsverlangen für eine Gläubigerversammlung zur Wahl eines gemeinsamen Vertreters für die jeweiligen Anleihen gestellt, um eine bestmögliche Vertretung der Interessen der Anleihegläubiger sicherzustellen. Eyemaxx habe darauf bisher nicht reagiert.

          Auch wenn es im österreichischen Verfahren die Funktion des gemeinsamen Vertreters nicht gebe, sieht Günther eine hohe Chance, dass dessen Legitimation dort anerkannt werde, wenn diesem auf einer Gläubigerversammlung entsprechende Rechte eingeräumt werden. Man habe schon eine größere Zahl von Gläubigern dazu gewinnen können, sich für eine Vertretung durch One Square und die Rechtsanwaltskanzlei Heuking Kühn zu registrieren. Eine eventuelle Vergütung werde aus dem Insolvenzverfahren erfolgen, den Gläubigern entstünden keine zusätzlichen Kosten. Auch die DSW bietet Anlegern eine Bündelung von Interessen an, um gemeinsam gegen das Vorhaben von Eyemaxx vorgehen zu können. Von Eyemaxx war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

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