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Magere Renditen : Jeder dritte Vermieter macht mit Immobilie keinen Gewinn

Balkone vor Mietshäusern in Hamburg. Die Rendite einer Eigentumswohnung liegt oftmals unter der Inflationsgrenze. Bild: dpa

Viele Anleger stecken ihr Geld in ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Das ist sicher und bringt Rendite, denken sie. Doch für Millionen Deutsche geht das Kalkül nicht auf, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt.

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          In Zeiten niedriger Zinsen suchen Privatanleger nach sicheren Investitionen, die sich lohnen. Trotz steigender Immobilienpreise ist für viele das Betongold noch immer die Geldanlage der Wahl. Doch ob es sich für den Käufer und späteren Vermieter wirklich auszahlt, das Geld in ein Haus oder eine Mietwohnung zu stecken?

          Anne-Christin Sievers
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Daran lässt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin nun berechtigte Zweifel aufkommen. Bei fast 25 Prozent der Immobilienanlagen beträgt die Rendite null Prozent, den Vermietern bringt ihr Wohneigentum gar nichts, hat das Wirtschaftsforschungsinstitut herausgefunden. Bei 8,5 Prozent ist die Bruttorendite sogar negativ. Von den etwa sieben Millionen Haus- und Wohnungseigentümern, die ihre Immobilie als Kapitalanlage nutzen, verdienen damit rund drei Millionen am Ende des Tages kein Geld. Fast 21 Prozent der Vermieter bringt ihre Immobilie gerade einmal null bis zwei Prozent ein. Zieht man die Inflation ab, bleibt nicht allzu viel übrig. Nur 18 Prozent der Eigentümer können mit einer Verzinsung von 5 Prozent und mehr eine ordentliche Rendite erzielen.

          „Geht man von einer durchschnittlichen Inflation von jährlich zwei Prozent aus, liegen die Renditen von mehr als 50 Prozent der Immobilieninvestitionen unterhalb der Inflationsgrenze“, sagt Thomas Meyer, Vorstandsvorsitzender der Wertgrund Immobilien AG, die die Studie beim DIW in Auftrag gegeben hat. Dabei sei der überwiegende Teil der niedrigen und negativen Renditen auf vermietete Eigentumswohnungen zurückzuführen. Die Vermieter unterschätzten oft, wie stark Instandhaltung, Kosten beim Mieterwechsel oder Leerstand die Erträge drücken können.

          Renditen von vermieteten Immobilien sind gering

          In den vergangenen zehn Jahren haben die Deutschen mit vermietetem Wohneigentum eine Rendite von durchschnittlich 2 bis 3 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. Damit schneidet die Geldanlage laut Einschätzung des DIW im Vergleich zu anderen Anlageprodukten nicht besonders gut ab: „Gemessen an den Renditen, die man in der Vergangenheit für relativ sichere Finanzanlagen erzielen konnte, sind die hier ermittelten Renditen privater Immobilieninvestitionen relativ gering“, so das Wirtschaftsforschungsinstitut. Dies gelte besonders, wenn man das höhere Risiko und den individuellen Bewirtschaftungsaufwand mit berücksichtige. Auch der Auftraggeber der Studie bewertet die Hoffnung der Deutschen, ihr Anlageglück in einer Immobilie zu finden, kritisch: „Häufig wird ein Großteil der Ersparnisse in eine vermietete Eigentumswohnung investiert. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn die Rendite durch eine falsche Verwaltung gedrückt wird“, sagt Meyer. „Das Klumpenrisiko ist hoch, ein Investment sollte entsprechend lang und sorgfältig überdacht werden.“

          Doch wovon hängt es ab, ob eine Immobilie am Ende das eigene Geld vermehrt oder den Anleger sogar ärmer macht als zuvor? Alter, Bildung, Bundesland, Geschlecht und Haushaltstyp haben laut DIW keinen großen Einfluss auf Mieteinnahmen und Immobilienrenditen. Entscheidender seien Einkommenshöhe und Immobilientyp. Wer über ein höheres Einkommen verfügt und ausschließlich in Mehrfamilienhäuser und Mietshäuser investiert statt in Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen, der erziele auch eine höhere Rendite.

          Die Forscher des DIW haben für die Studie unter anderem Daten des institutseigenen „Sozio-oekonomischen Panels“ aus den Jahren 2002, 2007 und 2012 ausgewertet. Daraus ergibt sich für 2012 ein gesamtes Immobilienvermögen von hochgerechnet 4,83 Billionen Euro, 3,75 Billionen Euro davon entfallen auf die selbstgenutzten Immobilien und 1,08 Billionen Euro auf die vermieteten und sonstigen Immobilien. Der Wert einer vermieteten Immobilie beträgt im Schnitt 155.000 Euro, bei den reichsten 10 Prozent der Immobilienbesitzer sind es 264.000 Euro.

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