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Luxusgüter : Der Oldtimer ist die beste Wertanlage

Oldtimer wie der Triumph TR 3a Roadster eignen sich als profitable Geldanlage. Bild: dpa

Es müssen nicht immer Aktien sein: Auch Autos, Weine, Geschirr und Briefmarken können sich lohnen – nur antike Möbel meistens nicht.

          4 Min.

          Von ihren Anlagen erwarten Investoren vor allem eins: dass sie Geld bringen. Leider sind Aktien, Zertifikate und Optionen vor allem eins: nicht schön. Zeigen oder gar ins Wohnzimmer hängen möchten Investoren sie nicht. Als Statussymbol taugt zwar Geld, aber die Anlagen darin leider gar nicht. Aber es gibt Alternativen: Luxusanlagen. Mit einem schönen Auto in der Garage kann man seine Nachbarn wunderbar neidisch machen, mit einer teuren Uhr seine Arbeitskollegen beeindrucken oder mit Gemälden, Diamanten und Münzen im Wohnzimmer Freunde zum Staunen bringen. Das Gute daran: Diese Luxusgüter sehen nicht nur gut aus, mit den richtigen können Anleger auch eine hohe Rendite erzielen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zum Beweis errechnet die Beratungsagentur Knight Frank einen Luxusinvestmentindex. In diesem befinden sich neun exquisite Luxusgüter: neben Oldtimern, chinesischer Keramik, Münzen, antiken Möbeln, Juwelen, Wein, Briefmarken und Uhren auch Kunst. Jede dieser Kategorien basiert auf einem einzelnen Index, den Marktexperten errechnen. Diese werden von Knight Frank in den Luxusinvestmentindex zusammengefasst und je nach Popularität und relativem Wert des Luxusgutes gewichtet.

          Die Wertsteigerung bei Oldtimern in den letzten zehn Jahren liegt bei 456 Prozent Bilderstrecke
          Die Wertsteigerung bei Oldtimern in den letzten zehn Jahren liegt bei 456 Prozent :

          Wert von Oldtimern hat sich mehr als vervierfacht

          Der Index muss keinen Vergleich zu Aktienindizes scheuen. Zwar war das vergangene Jahr mit einem Plus von 8 Prozent relativ mau, aber im Zeitraum von 10 Jahren hat sich der Index um 179 Prozent erhöht. Damit schlägt er selbst den F.A.Z.-Index – dieser gewann nur 92 Prozent. Selbst Gold ist dank des Einbruches vom Vorjahr in greifbare Nähe gerückt. Besonders überdurchschnittlich haben sich alte Autos, Oldtimer, entwickelt. In den vergangenen zehn Jahren haben sie ihren Wert mehr als vervierfacht – und schlagen damit locker Gold.

          Allein im vergangenen Jahr legten Oldtimer noch mal um 28 Prozent zu. Als Grund für den starken Anstieg sehen die Analysten von Knight Frank die starke Nachfrage aus Asien nach den Autos, wo sie einen noch größeren Kultfaktor als hierzulande haben. Das Finanz-Blog Alphaville fragte schon im vergangenen Jahr, ob eine Oldtimer-Blase drohe. Die Zahlen basieren auf dem Historic Automobile Group International Index.

          Das bedeutet aber nicht, dass man sich heute einen Mercedes oder Trabant kaufen sollte. Bis ein Auto an Wert gewinnt, müssen viele Jahre vergehen. In den ersten Monaten und Jahren zeigen die Preise der Autos nur nach unten. Die seltenen Autos dürfen nicht oft produziert worden sein. Ein Beispiel: Vom oben abgebildeten Ferrari wurde im Jahr 1966 nur 12 Stück produziert und zum Preis von 4 Millionen Pfund verkauft. Ein ähnliches Modell, nur ein Jahr später produziert, wechselte vor einem Jahr für 27,5 Millionen Dollar den Besitzer. Vom 1967 Ferrari 275 GTB/4 NART Spider wurden nur 10 Stück produziert. Die Besitzerfamilie konnte sich über den warmen Geldsegen freuen. Das Auto war seit der Produktion im Besitz von ein und derselben Familie.

          Briefmarken und Münzen erzielen ebenfalls Wertgewinn

          Auch auf dem Münzmarkt gab es zuletzt Rekorde. Für 10 Millionen Dollar wechselte der „Wehendes Haar“-Silber-Dollar den Besitzer. Ursprünglich wurde er im Jahr 1794 geprägt. Angeblich ist die Münze die erste jemals hergestellte Münze der amerikanischen Münzprägerei Mint und damit ein echtes Stück Geschichte.

          Auch neben dieser entwickelten Münzen sich exzellent. Im vergangenen Jahr stand beim Münzenindex ein solides Plus von 10 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren legten sie sogar um 227 Prozent zu. Ähnlich gut schnitten noch seltene Briefmarken ab, die sogar 250 Prozent zulegen konnten. Allerdings gab es bei ihnen im vergangenen Jahr nur ein Plus von 5 Prozent, wie der Stanley Gibbons Index zeigt. Nichtsdestotrotz, „Briefmarken und Münzen haben ihren langfristigen Wertgewinn wieder bestätigt und ihren Ruf als echte Anlagealternative gefestigt“, heißt es in der Studie.

          Etwas praktischer als Münzen oder Briefmarken sind Uhren und Wein. Und auch bei denen lief es gut. Bei Wein wurde sogar ein neuer Rekord erzielt: Zum Preis von 476405 Dollar wurden beim Auktionshaus Christie’s 12 Flaschen des 1978er Domaine de la Romanée-Conti verkauft. Weinfachleute bezeichnen ihn als einen Wein, der „so nah an perfekt ist, wie Wein überhaupt sein kann“. Auch bei einigen Uhrmodellen von Rolex und Patek Philippe wurden Rekorde erzielt, allerdings auf niedrigerem Niveau. Die Indizes stagnierten nahezu mit einem Plus von 3 beziehungsweise 4 Prozent im vergangenen Jahr.

          Kunstindex stagniert seit fünf Jahren

          Ähnliche Bilder zeichnen sich auch bei anderen Luxusgütern ab. Zwar werden sie in der Spitze immer teurer, aber die Indizes steigen nicht: So schnitten auch Juwelen ähnlich ab. Auch dort gab es in der Spitze Rekorde. Der Pink Star, ein 59,6 Karat schwerer Diamant, wurde zum Preis von 83 Millionen Dollar beim Auktionshaus Sotheby’s in Genf versteigert. Zwar stieg der Juwelenindex um 156 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Allerdings stagnierte er im vergangenen Jahr mit einem mickrigen Plus von gerade einmal 2 Prozent.

          Ein ähnliches Phänomen zeigte sich bei Kunstgegenständen. Auch dort wurden neue Rekordwerte erzielt. Zum Preis von 143 Millionen Dollar wechselte etwa im Oktober beim Auktionshaus Christie’s in New York Francis Bacons „Drei Studien von Lucian Freud“ den Besitzer und ist damit das teuerste jemals verkaufte Gemälde eines Künstlers. Allerdings war Kunst insgesamt eine Enttäuschung: Der Kunstindex verlor 3 Prozent und stagniert seit fünf Jahren. Es steht nur ein Plus von 2 Prozent auf der Habenseite. Innerhalb von zehn Jahren war es trotzdem eine gute Wertanlage, bis zur Lehman-Pleite verdreifachte sich der Kunstindex. Danach folgten Stagnation oder geringe Wertverluste. Bei Knight Frank heißt es, der Markt werde weiterhin volatil bleiben. „Auch wenn manche Künstler Rekordergebnisse bei Versteigerungen erzielen, sind viele Käufer vorsichtiger geworden“, schätzen die Analysten den Markt ein.

          Wie lässt sich der Widerspruch zwischen den rasant steigenden Preisen für Bilder und dem doch sinkenden Index erklären? Ganz einfach: Während in der Spitze diese immer teurer werden, stagniert normale Kunst. Genauso verhält es sich bei anderen Wertklassen. Deshalb sind Luxusgüter nur etwas für absolute Experten, die sich in ihrem Markt gut auskennen. Einfach eine Flasche Wein kaufen und 35 Jahre lang stehen lassen wird nicht ausreichen, um reich zu werden.

          Ein schlechtes Investment waren allerdings antike Möbel. Wer sich schon immer einen alten Echtholzsekretär aus Eiche kaufen wollte, kann das gern machen – er sollte das nur nicht als Investment mit Renditechance sehen, sondern eben als Möbelstück. So haben antike Möbelstücke in den vergangenen zehn Jahren knapp 20 Prozent an Wert verloren. „Möbel werden auch weiter an Boden verlieren, da der antike Stil immer mehr an Popularität verliert“, fassen die Analysten der Studie zusammen.

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