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Dank Zahlungskontengesetz : So leicht kann man jetzt das Girokonto wechseln

Das sogenannte Zahlungskontengesetz, das seit Sonntag in Kraft ist, soll es Bankkunden leichter machen, das Girokonto zu wechseln. Bild: dpa

Die Zahl der kostenlosen Girokonten sinkt. Zeit, sich nach einem neuen Geldhaus mit besseren Konditionen umzusehen. Der Wechsel soll nun ganz leicht möglich sein - doch im Einzelfall ist Geduld gefragt.

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          Es klingt für den einzelnen Bankkunden einfach und verführerisch, künftig das beste Konto für sich zu finden und schnell zu nutzen. Das sogenannte Zahlungskontengesetz, das seit Sonntag in Deutschland gilt, soll es Bankkunden leichter machen, das Girokonto zu wechseln. Es sieht vor, dass beim Wechsel eines Girokontos der Kunde nur noch ein Formular ausfüllen und unterschreiben muss - das war’s.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Rest wird von den Banken automatisch erledigt. In mehreren Banken in Frankfurt hieß es am Montag dazu, ein großer Ansturm wechselwilliger Bankkunden sei in den Bankfilialen nicht zu beobachten gewesen. Die Direktbank ING Diba hingegen berichtet, bereits vor der neuen Regelung, die sie vorzeitig umgesetzt hatte, habe sie viele neue Girokonten gewinnen können, an manchen Tagen fast 2000, insgesamt jedenfalls mehr als 200 000 in diesem Jahr.

          Die Stiftung Warentest hat unterdessen 241 verschiedene Girokonten-Modelle von 104 Banken und Sparkassen verglichen, um Bankkunden Anhaltspunkte für einen möglichen Kontowechsel zu geben. Sie kommt zu dem Ergebnis: Unter diesen Kontomodellen gebe es immerhin noch 25, die den Titel „Gratiskonto ohne Wenn und Aber“ verdienten. Sie würden vielfach von Direktbanken ohne Filiale angeboten, aber auch von regionalen Banken und von zwei überregionalen Filialbanken.

          Stiftung Warentest: Zwei überregionale Filialbanken kommen besonders gut weg

          Die Zahl der Gratiskonten habe seit dem vorigen Vergleich im Jahr 2014 deutlich abgenommen. Mehrere Banken, die früher kostenlose Girokonten angeboten hatten, haben mittlerweile entweder den Kreis der berechtigten Personen eingegrenzt; wie die Postbank, die Gebühren unterhalb eines Mindestgehaltseingangs von 3000 Euro (früher: 1000 Euro) einführte. Oder sie verlangen für bestimmte Leistungen Geld extra, wie die Commerzbank, die bei ihrem früher kostenlosen Girokonto für jede Überweisung auf Papier jetzt 1,50 Euro verlangt.

          In dem Vergleich kommen laut Stiftung Warentest zwei überregionale Filialbanken besonders gut weg, und zwar die Santander Bank und die Santander Consumer Bank. Gratiskonten, die diesen Namen verdienten, böten auch regionale Institute der PSD-Bankengruppe und die Sparda Bank Hessen sowie die Südwestbank an. Wer für sein Girokonto einschließlich Buchungen und Girocard mehr als 60 Euro im Jahr zahle, solle etwas unternehmen, raten die Finanzexperten.

          Die größte Welle der Gebührenerhöhungen könnte vorbei sein

          Auch hinsichtlich der Umsetzung der neuen Kontowechsel-Regeln gibt es offenbar je nach Institut Unterschiede, wie Max Herbst von der FMH-Finanzberatung sagt. Manche Banken bieten lediglich einen vereinfachten Kontowechsel innerhalb von zwölf Tagen an, wie das neue Gesetz es vorschreibt. Andere Banken, wie die Comdirect oder die ING-Diba, organisieren den Wechsel vollständig auf elektronischem Wege und arbeiten dabei zum Teil mit Fintechs zusammen; in diesen Fällen sei der Wechsel unter Umständen in einer halben Stunde möglich.

          Herbst glaubt zudem beobachtet zu haben, dass die größte Welle der Gebührenerhöhungen rund ums Girokonto erst mal vorbei sei: „Die Banken, die ihre Gebühren erhöhen wollten, haben das jetzt gemacht.“ Dabei lasse sich beobachten, dass die regionalen Kreditinstitute in einem Ort oft zu ähnlichen Regelungen gefunden hätten: Wenn die örtliche Sparkasse neue Gebühren rund ums Konto eingeführt habe, dann habe das oft auch die jeweilige Volksbank gemacht.

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