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Nachhaltige Geldanlage : Weniger Zins, dafür mit Sinn

What a wonderful world: Für eine bessere Welt verzichten Bankkunden auf Rendite. Bild: Picture-Alliance

Nachhaltige Finanzprodukte werden immer beliebter. Doch die Anbieter ökologischer oder ethischer Geldanlagen hüllen sich in Schweigen. Die Angebote sind eher hellgrün als dunkelgrün.

          Was kostet ein gutes Gewissen? Den Feierabend, weil man sich nach der Arbeit noch in der Kirche engagiert? Oder den Spaß am Auto fahren, weil man langsam und umweltschonend fährt? Zumindest wie teuer Anleger ihr Ethos zu stehen kommen kann, haben Wissenschaftler nun untersucht. Sie haben dem guten Gewissen sozusagen ein Preisschild aufgeklebt.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Auf dem steht: minus zwei Prozent. Denn laut der Studie der Universität Regensburg sind deutsche Geldgeber bereit, bei einer Investition in sozial-ökologisch ausgerichtete Finanzprodukte auf bis zu zwei Prozent Rendite zu verzichten. Frauen fällt es demnach außerdem leichter, auf einen Teil des Gewinns zu verzichten. Aber auch bei ihnen nimmt die Bereitschaft zum nachhaltigen Investment ab, umso mehr Geld sie anlegen wollen.

          Was in diesem Zusammenhang überhaupt unter sozial, ökologisch oder nachhaltig zu verstehen ist, blieb der Regensburger Arbeitsgruppe ebenso oft verborgen, wie den Anlegern selbst. Häufig fehlten konkrete Angaben der Anbieter, sagt Gregor Dorfleitern, der als Professor für Finanzierung die Untersuchung, bei der rund 500 Privatanleger befragt wurden, leitete.

          Was sind die Ziele? Die Banken schweigen

          Vor allem Aktienfonds, die sich als sozialethisch oder ökologisch bezeichnen, würden sich sehr zurückhaltend geben, wenn es um ihre konkreten Ziele gehe. Anstatt zu sagen, wofür sie sind, sprechen deswegen viele Banken lieber davon, wogegen sie sich richten. Meistens wird den Kunden versichert, dass ihr Geld nicht in Streumunition, Antipersonen-Minen oder Unternehmen, die solch menschenfeindliche Produkte herstellen, angelegt wird.

          Insgesamt will Dorfleitner einen Einstellungswandel bei der deutschen Bevölkerung bemerkt haben. Für Finanzkunden werde es immer wichtiger, ihr Geld mit einem guten Gewissen zu investieren. Und es bleibt nicht nur beim guten Vorsatz. Laut des Forums seien alle nachhaltigen Geldanlagen hierzulande etwa 80 Milliarden Euro schwer. Etwas mehr als jeder zweite „grüne Euro“ ging dabei an die Ethik-Banken. Eine der bekanntesten ist die GLS Bank. Sie wuchs zuletzt um 12,4 Prozent und konnte 15 Prozent mehr Kunden akquirieren.

          Von den 170.000 Girokonten, die die Spezialbanken insgesamt verwalten, dürfte damit auch eine Vielzahl auf die GLS Bank entfallen. Thomas Jorberg, Vorstandssprecher von GLS, spricht angesichts von neun Prozent mehr Kundeneinlagen in nachhaltige Finanzprodukte insgesamt deswegen auch vom Ende der Banken, wie wir sie bisher kannten. Für den Kunden zähle „besser“ statt „mehr“.

          Weniger Rendite – weniger Provision – weniger Motivation

          Wegen des derzeit niedrigen Zinsniveaus fällt es manchem Anleger womöglich noch etwas leichter, auf Rendite zu verzichten und in eine „sinnstiftende Geldanlage“, wie Jorberg es nennt, zu gehen. Und vielleicht würden das noch mehr tun, wenn das Angebot größer wäre. Denn die Wissenschaftler von der Uni Regensburg haben auch herausgefunden, dass vielen Menschen nicht-finanzielle Aspekte bei der Geldanlage wichtig sind, sie aber ihr Geld aber dennoch nicht nachhaltig investieren. Studienleiter Dorfleitner zieht daraus den Schluss, dass es offensichtlich nicht genügend Angebote gibt.

          Viele der bisher auf dem Markt existierenden Angebote seien außerdem mehr „hellgrün“ als „dunkelgrün“, ergänzt Silke Stremlau vom Institut Markt – Umwelt – Gesellschaft. Die Zusammensetzung und Struktur von Fonds sei für viele Privatanleger nicht nachvollziehbar. Viele Bankberater seien darüber hinaus schlecht über das eigene Portfolio informiert.

          Da viele Berater noch immer auf Provisionsbasis bezahlt werden, ist für sie der Anreiz, ihren Kunden nachhaltige Investments mit weniger Rendite zu empfehlen, begrenzt. Insgesamt sei die Nachfrage nach ethischen Geldanlagen derzeit größer als das Angebot, resümiert auch Stremlau.

          Das könnte sich recht schnell ändern, wenn nicht nur neue nachhaltige Produkte aufgelegt, sondern auch bestehende umgestellt werden. Vor allem institutionelle Investoren würden in den nächsten Jahren die treibende Kraft hinter einem weiteren Wachstum der Teilbranche sein, prognostiziert das Forum Nachhaltige Geldanlage. Irgendwann sei es dann womöglich Standard, dass ein Finanzprodukt sozial-ökologisch ist.

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