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Software-Panne : Kunden leiden unter IT-Schwäche der Banken

Alles vernetzt: In der schönen neuen Bankenwelt kann ein Fehler in Stuttgart zum Automatenstreik in Bremen führen. Bild: Thomas Wieck

Die Software-Panne bei der Deutschen Bank zeigt, wie wichtig die IT für den Bankbetrieb geworden ist. Viele Banken haben die Systeme vernachlässigt – das rächt sich nun.

          Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Manchmal führt die vermeintliche Behebung eines Fehlers auch zu einem viel größeren. So geschehen in der Nacht zum vergangenen Freitag in der Informationstechnologie der Deutschen Bank. Den Computern war aufgefallen, dass einige Daten nicht richtig verarbeitet wurden. Sie stoppten die Datenverarbeitung automatisch, und als die IT-Mitarbeiter das Problem beheben wollten, war das Ergebnis die größte und auch peinlichste Software-Panne einer deutschen Großbank in den vergangenen Jahren.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fast 60.000 Kunden konnten plötzlich ihre EC-Karte nicht mehr benutzen, an der Tankstelle nicht mehr bezahlen oder bekamen kurz vor dem Wochenende kein Geld mehr am Automaten. Bei noch viel mehr Konten, nämlich nach Angaben der Bank 2,9 Millionen, führte das Missgeschick dazu, dass die Umsätze falsch angezeigt wurden. Bei Kunden, denen die Miete oder die Stromrechnung am 1. Juni abgebucht worden war, erschien der Posten für den 2. Juni noch einmal – viele rutschten plötzlich ins Minus. Im Internet hagelte es Beschwerden, Empörung und Häme, die Filialen mussten länger offen bleiben, um all die Kundenanfragen aufzufangen.

          Ein Fehler kann zur Ohnmacht des Systems führen

          Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie wichtig eine funktionierende Informationstechnologie für die Banken inzwischen ist. Die zunehmende Verbreitung des Online-Bankings von Computern, Mobilgeräten und Selbstbedienungsterminals aus, die wachsende Zahl von elektronischen Überweisungen und Anfragen bei der Bank sowie die Digitalisierung des gesamten Bankgeschäfts machen die zentralen Computersysteme und ihre Vernetzung mit allen Standorten zu Herz und Blutbahnen der Bank. Wenn darin ein Fehler auftritt, kann das rasch zur Ohnmacht des ganzen Systems führen.

          Die Software-Panne sorgte bei Kunden der Deutschen Bank für Unmut.

          Viele Sparkassen erlitten im vergangenen Herbst – um im Bild zu bleiben – einen Schlaganfall. Auch hier führte ein Fehler in der IT dazu, dass Kunden vom Bodensee bis nach Bremen plötzlich kein Geld mehr abheben konnten. Vielerorts waren auch den Mitarbeitern am Bankschalter die Hände gebunden, weil die elektronischen Systeme auf Notfallmodus stellten. Einige Filialen, wo auch die Telefone über die Internetleitung liefen, mussten sogar ganz schließen, weil eine funktionierende Festnetzleitung eine zentrale Betriebsvoraussetzung ist – sonst kann schließlich bei einem Überfall keiner die Polizei alarmieren.

          94 Institute in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, im Saarland, im Rheinland und in Bremen waren damals betroffen, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband heute weiß. Auslöser war eine Überlastung in den Datenautobahnen des Rechenzentrumsbetreibers der Sparkassen, Finanz-Informatik, in Stuttgart. „An einigen Kreuzungen war nach einer Systemerneuerung die Ampel falsch gestellt“, fasst ein Sprecher des Unternehmens das Problem allgemein verständlich zusammen. Den ersten Störfall meldete ein Stuttgarter Bankautomat morgens um 7 Uhr, ab 8.30 Uhr kamen Störmeldungen aus der halben Republik.

          „Wir können Fehler im System nicht ausschließen“

          Dass genau der Fehler noch einmal passiert, dagegen hätten die Techniker der Finanz-Informatik in der Folge alles getan, versichert der Sprecher des IT-Dienstleisters. Das habe man sowohl den Sparkassen als auch der Bankenaufsicht Bafin sehr genau darlegen müssen. Er gibt aber auch zu: „Insgesamt können wir Fehler im System aber nicht ausschließen.“

          Die Beratungsgesellschaft Bain & Company hat im vorigen Herbst IT-Verantwortliche in Kreditinstituten auf der ganzen Welt befragt; ihre Erkenntnisse fassten die Berater so zusammen: Die Kunden erwarten zunehmend ein digitales, voll integriertes Kundenerlebnis – und das stets auf dem neuesten Stand der Technik. Mit diesem rasanten Wandel könnten nur wenige Banken mithalten. Zahlreiche IT-Manager kämpften aufgrund knapper Budgets mit veralteten Systemen und Anwendungen.

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