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Software-Panne : Kunden leiden unter IT-Schwäche der Banken

Mehr als die Hälfte nannten die alten Systeme, von denen zu viele parallel liefen, als Hauptkostentreiber. Die höhere Komplexität des Bankgeschäfts sowie die verschärfte Regulierung erforderten ständig umfangreiche Anpassungen der bestehenden IT. Um die Kluft zwischen der Ist-Situation und den Erwartungen der Kunden im digitalen Zeitalter zu überwinden, müssten die Bank nach Ansicht von Bain-Partner und Studienautor Ingolf Zies einen Neustart in der IT wagen. „Die derzeitigen Ansätze, neue digitale Lösungen in bestehende Systeme zu integrieren, greifen oft zu kurz.“

Kampf gegen Cyber-Attacken zur Führungsaufgabe machen

Auch die Bundesbank will mehr Einsatz von den Banken. „Wir Finanzaufseher fordern die Kreditinstitute explizit dazu auf, ihre IT- und Cyberrisiken genauso sorgsam zu managen wie die traditionellen Risiken des Bankgeschäfts“, sagte der für die Aufsicht zuständige Vorstand Andreas Dombret am Mittwoch auf einer Veranstaltung. Dabei bezog er sich hauptsächlich auf die Gefahren von außen, vor allem von Hackern, die für die Banken-IT ebenfalls zunehmen. Jüngstes Beispiel war der Hacker-Angriff auf die Zentralbank Bangladeschs. Über das internationale Zahlungsverkehrssystem Swift, das so gut wie alle großen Banken nutzen, erbeuteten die Angreifer 81 Millionen Dollar. Den Kampf gegen Cyber-Attacken sollten Banken zur Führungsaufgabe machen, sagte Dombret.

Sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei den Sparkassen betonen die Verantwortlichen mit Nachdruck, dass die Daten oder gar das Geld der Kunden bei den beiden Großpannen zu keiner Zeit in Gefahr gewesen seien.

Wie verheerend die Kleinstaaterei bei der IT innerhalb einer Großbank sein kann, zeigte die überraschend offene Kritik von John Cryan, kurz nachdem er im vergangenen Sommer den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank übernahm. Die schon legendär gewordenen „lausigen Systeme“ sah er als Folge der ständigen Erweiterung alter Systeme und des vermeintlich kostensparenden Ausgliederns wichtiger IT-Aufgaben. 35 Prozent der im Konzern eingesetzten Hardware näherten sich dem Ende ihres Lebenszyklus oder hätten es schon überschritten, sagte Cryan.

Manche Programmiersprachen beherrsche kaum noch jemand. 80 Prozent der 4400 in der Bank verwendeten Anwendungen liege bei externen Anbietern. Obwohl das Unternehmen an allen Stellen Mitarbeiter entlässt und spart, gilt das nun nicht mehr für die IT. Hier durfte die zuständige Managerin Kim Hammonds schon mehr als 1500 Leute einstellen, um kritische Systeme zurück in die Bank zu holen.

Verunsicherung und Empörung bei den Kunden

Die Sparkassen haben im Zuge des IT-Desasters im Herbst indes nicht nur technische Fehler behoben. Auch die Kommunikation für solche Fälle soll nun besser laufen. Denn zusätzlich zu dem Ärger, den einzelne Kunden haben, wenn sie am Bankautomaten kein Geld mehr bekommen, sorgt es für Verunsicherung und Empörung, wenn von den Instituten über längere Zeit keine einleuchtende Erklärung kommt, was eigentlich schiefgelaufen ist. In Zeiten, in denen über Twitter jeder Betroffene seinen Ärger sogleich in die Welt posaunen kann, reicht es schon, wenn einige Stunden Unklarheit besteht.

Auch das musste die Deutsche Bank am Freitag erfahren. Sie tat die Probleme erst als „Darstellungsproblem“ im Online-Banking ab und verstärkte damit die Empörung im Netz noch. „Wenn ich kein Geld bekomme, ist das kein Darstellungsproblem“, schrieb eine Twitter-Nutzerin. Sogar die Börse schreckte die Ungewissheit über das Ausmaß der technischen Probleme auf. Der Aktienkurs verlor an dem Nachmittag mehr als 4 Prozent.

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