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Bankgeschäfte : Die neuen Apps fürs Online-Banking

Bild: Apple

Konten bei unterschiedlichen Banken mit einer App verwalten: Das geht jetzt. Aber ist es auch sicher?

          Geradezu überflutet wird man derzeit im Fernsehen mit Werbespots für eine App, die einen ungewöhnlichen Namen trägt: „Numbrs“ - so wie das englische Wort für Zahlen, nur ohne „e“. Die Anbieter versprechen, dass man damit alle Bankgeschäfte übers iPhone erledigen kann. Und zwar für alle Konten - egal bei welcher Bank.

          Was steckt dahinter?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fast alle Banken bieten ihren Kunden inzwischen Apps fürs Online-Banking an - von den Sparkassen („Sparkasse Plus“) bis zur Deutschen Bank („Meine Bank“). Etwa 27 Prozent der Deutschen haben das laut einer Umfrage zumindest schon mal ausprobiert. Wenn jemand aber zum Beispiel sein Girokonto bei einer Bank hat und das Tagesgeldkonto bei einer anderen, dann ist es unpraktisch, wenn er dafür mehrere Apps braucht.

          Helfen sollen „Multibanking-Apps“ - bankübergreifende Lösungen. Numbrs ist beileibe nicht die einzige: Eine andere, die von den Nutzern im App Store recht gut bewertet wurde, heißt etwa „Finanzblick“ von Buhl Data Service. Allerdings scheint Numbrs im Augenblick besonders erfolgreich zu sein. Vor allem wohl wegen der Werbung: Als die App im vorigen Jahr an den Start ging, interessierten sich gerade mal 25 000 Leute dafür. Seit sechs Wochen laufen die Werbespots: „Seither haben mehr als 200 000 Nutzer die App heruntergeladen“, sagt Numbrs-Chef Julien Arnold stolz.

          Immerhin 3500 Banken hat Numbrs mittlerweile im Programm, darunter die Deutsche Bank, die Volksbanken und die Sparkassen, nicht jedoch die Commerzbank. Letztere ist nach Bankangaben allerdings aus rein technischen Gründen nicht dabei.

          Was kann die App?

          Überweisungen lassen sich mit einem Fingerwisch ausführen, alle Kontobewegungen werden grafisch aufbereitet im Überblick dargestellt. Als besonderen Gag bietet Numbrs an, dass man sich nicht nur zeigen lassen kann, wie viel Geld man im Monat für Essen, Auto oder Kleidung ausgibt. Es lässt sich auch eine Prognose erstellen, wie flüssig oder klamm man im nächsten Monat sein wird. Nicht alle Nutzer sind begeistert: Im Internet gibt es viel Kritik, dass nicht alles funktioniere. Und bei der Bewertung im App Store kommt Numbrs nur auf zweieinhalb von fünf Sternen.

          Entscheidender jedoch ist die Grundsatzfrage: Wie sicher sind Bankgeschäfte mit solchen Apps, die mehrere Konten verwalten? Boris Hohl, Spezialist für IT-Sicherheit bei Capgemini, ist skeptisch. Bei solchen „Konto-Aggregierungs-Apps“ seien die Sicherheitsprobleme größer als der praktische Nutzen. „Ohnehin sind die Risiken beim Online-Banking über das Smartphone höher als beim Homebanking über den PC.“ So bestehe die Gefahr, dass man sein Smartphone verliere und es Betrügern in die Hände falle. Außerdem kümmerten sich viele Menschen bei ihren Mobiltelefonen nicht ausreichend um den Virenschutz - das mache die Geräte angreifbar.

          Kritik im Internet gab es an Numbrs außerdem für die Sache mit der Pin: Bei dieser App identifiziert man sich einmal am Anfang mit einem Sicherheitsmuster - dafür braucht man nicht bei jeder Bank ein Passwort. Überweisungen werden mit Pin und Tan eingegeben. Die Pin jedoch soll man eigentlich in der App speichern: Davon raten Experten allerdings aus Sicherheitsgründen ab - dann jedoch funktioniert nicht alles.

          Die Leute von Numbrs sagen zumindest, sie täten alles für die Sicherheit: So benutze die App für die Datenübertragung die Verschlüsselung HBCI, die auch die Banken selbst fürs Online-Banking verwenden. Außerdem würden auf dem Mobiltelefon keine Daten unverschlüsselt gespeichert. Das alles hat Numbrs sogar amtlich: Der Tüv Saarland hat die Sicherheit getestet und das Siegel „geprüfte App“ verliehen - laut Tüv ein Zeichen dafür, dass die Sicherheit „auf dem Stand der Technik“ sei. Etwas misstrauisch macht allerdings die Tatsache, dass Numbrs seine App gratis hergibt - und keine Gebühren verlangt. Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Andreas Marx von der Netz-Sicherheitsfirma AV-Test hält es für heikel, dass der Nutzer dem Unternehmen sehr viele Daten über seine Kontobewegungen überlasse. „Man weiß nicht, was der Anbieter mit den Daten wirklich macht. Wird dem Anwender vielleicht ab einem gewissen Kontostand schon ein Ferrari oder der Porsche empfohlen?“

          Numbrs-Chef Arnold hingegen versichert: „Wir verkaufen keinerlei Daten.“ Das Geschäftsmodell seiner Firma sei es, nach einer Einführungsphase kostenpflichtige Zusatzdienste anzubieten. „Eine mögliche Idee wäre, Wertpapierhandel in die App zu integrieren - das ist aber noch nicht spruchreif.“

          Immerhin ist das Konzept offenbar so attraktiv, dass sich die großen Spieler für die App interessieren: Nachdem Numbrs zunächst unter dem Dach der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Centralway entwickelt wurde, beteiligte sich jetzt Pro Sieben-Sat1. Und zwar in Form einen Tausches: Für Werbespots bekommt der Sender Anteile. Kein Wunder also, dass für die kleine App so groß geworben wird.

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