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Klumpenrisiko : Die Immobilie ist eine Altersvorsorge mit Tücken

Das Klumpenrisiko

Besonders heikel wird dies, wenn die Immobilie der wichtigste oder gar einzige Pfeiler der Altersvorsorge ist. In der Finanzbranche ist vom Klumpenrisiko die Rede. Ideal ist das Gegenteil, nämlich eine breite Streuung des Vermögens und damit auch der Altersvorsorge über verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder auch Immobilien – möglichst auch in verschiedenen Regionen. Da das Vermögen der meisten Menschen nicht ausreicht, um mehrere Immobilien und daneben auch noch ein breitgefächertes Wertpapierdepot in einer mindestens ähnlichen Größenordnung aufzubauen, sollte zumindest das Bewusstsein für die hohe Bedeutung und das damit einhergehende Risiko der Immobilie geschärft sein.

Heikel ist zudem, dass der Verkauf der Immobilie nicht immer aus freien Stücken erfolgt. Leider sind Scheidungen und Todesfälle häufige Gründe für einen raschen Zwangsverkauf. Neben den unwiederbringlich verlorenen Kaufnebenkosten, die Notar, Staat und Makler kassiert haben, verlangt zudem die Bank meist eine Vorfälligkeitsentschädigung, wenn der laufende Kreditvertrag noch keine zehn Jahre alt ist. Je länger die verbleibende Restlaufzeit und je höher die Differenz zwischen dem zu zahlenden Zins und dem aktuellen Zinsniveau ist, desto höher wird die Entschädigungsforderung der Bank für entgangene Zinsen sein. Auch berufliche Umzüge können einen Verkauf der Immobilie nötig machen.

Es gibt jedoch Szenarien, in denen die Immobilie auch finanziell eine vernünftige Angelegenheit sein kann. Wer sich zum Beispiel sicher ist, seinen Lebensabend darin verbringen zu wollen, einen größeren Investitionsbedarf ausschließt und den posthumen Verkaufswert für zweitrangig oder gar irrelevant hält, der kann neben den emotionalen Vorteilen des Eigenheims sich auch - so die Immobilie abbezahlt ist - viele Jahre Miete sparen und so eine erhebliche Erleichterung bei den Lebenshaltungskosten verzeichnen. Leider machen die Unwägbarkeiten des Lebens einige Fragezeichen hinter dieses Modell.

Zunutze machen sich dies die Anbieter seniorengerechter Wohnanlagen. Hier werden die Unsicherheiten reduziert. Es handelt sich meist um Neubauten oder grundlegende Sanierungen, die seniorengerecht und energieeffizient sind. Oft lassen sich bei Bedarf viele Serviceleistungen hinzu buchen, vom Einkauf über den Friseur bis hin zu Pflegedienstleistungen. Die Planungssicherheit hat jedoch ihren Preis. Nicht selten reicht der Gegenwert eines großzügigen Einfamilienhauses mit Garten gerade so, um eine kleine Wohnung in einer solchen Einrichtung zu kaufen.

Solider ist die Altersvorsorge mit einem breit gestreuten Wertpapierdepot aus Aktien und Anleihen, auch in der Form von Fonds und günstigeren Indexfonds (ETFs). Dort können auch Immobilien eine Rolle spielen, zum Beispiel durch offene Immobilienfonds, die seit Jahren relativ stabile Renditen deutlich oberhalb der aktuellen Zinsen auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten bieten. Ein Sparplan mit monatlichen Zahlungen hilft bei der Disziplinierung des Anlegers. Denn das ist neben den emotionalen Aspekten ein großer Vorteil der Immobilie als Altersvorsorge. Sie zwingt durch das monatliche Abstottern eines Kredites zum Sparen. Und da ist im Alter selbst eine verwohnte Immobilie in mäßiger Lage die bessere Geldanlage als ein teures Auto oder ein luxuriöser Urlaub, den sich mancher Mieter gegönnt hat. Wenn dann der gepflanzte Baum im Garten noch Früchte trägt, wird der Nachwuchs später die Lebensleistung wohl kaum dadurch schmälern wollen, dass er sie mit dem Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts abgleicht.

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