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Kapitalanlage : Am Ende der fetten Jahre

EZB-Turm während der Luminale im März 2016: Der Blick auf die Geldpolitik von Draghi & Co. verstellt den Blick auf das Wesentliche. Bild: dpa

In den vergangenen drei Jahrzehnten herrschten außergewöhnlich gute Rahmenbedingungen für die Kapitalanlage. Diese Epoche ist vorbei. Wie sieht die Zukunft aus?

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          Wer auf unsere Welt mit niedrigem Wachstum, niedriger Inflation und niedrigem Zins, aber gleichzeitig hoher öffentlicher und privater Verschuldung blickt, findet zwei Narrative. Das eine, gerne in Deutschland erzählte Narrativ lautet, dass der deutsche Sparer die Zeche für Verschuldungsorgien im Ausland und eine Geldpolitik zahlt, die im Interesse hochverschuldeter Länder betrieben werde. Würde eine richtige Politik betrieben, so lautet die Schlussfolgerung, könne alles viel besser sein - eine Rückkehr in die alten Zeiten vor der Finanzkrise wäre dann problemlos möglich.

          Das andere Narrativ, das außerhalb Deutschlands weit verbreitet ist und allmählich nach Deutschland dringt, lautet: Wir leben inmitten eines wirtschaftlichen und demographischen Epochenbruchs, in dem eine auch für Kapitalanleger schöne Vergangenheit unwiderruflich vorbei ist. Und selbst wenn Politikfehler zur aktuellen Situation beigetragen haben mögen und künftig eine bessere Politik betrieben würde, kommt die Vergangenheit nicht zurück. Der Fokus auf Draghi & Co. verstellt nach dieser Sichtweise den Blick auf das Wesentliche.

          Eine aktuelle Studie des McKinsey Global Institute erinnert noch einmal an die guten Zeiten und an ihre Ursachen. In den 30 Jahren zwischen 1985 und 2014 ließen sich mit amerikanischen wie mit europäischen Aktien im Durchschnitt 7,9 Prozent im Jahr verdienen. Mit anderen Worten: Man brauchte gar keinen versierten Vermögensverwalter, sondern musste einfach in Standardaktien investieren und durchhalten, um Vermögen zu bilden.

          Aber auch für Anleger in Anleihen waren die Zeiten toll: In den vergangenen 30 Jahren ließen sich mit europäischen Anleihen im Durchschnitt 5,9 Prozent im Jahr und mit amerikanischen Anleihen im Durchschnitt 5 Prozent im Jahr verdienen. Auch hier brauchte man keinen versierten Anlageberater - man musste nur sichere Anleihen aufeinanderstapeln. Vermögensanlage mit langem Atem und dynamischem Zinseszins war einfach.

          Goldene Epoche der Kapitalanlage

          Was waren die wesentlichen Begleiterscheinungen dieser im Nachhinein goldenen Epoche der Kapitalanlage? McKinsey nennt mehrere Ursachen: Erstens ein scharfer Rückgang der Inflation und damit auch der Zinssätze, der hohe Kursgewinne auf Anleihen bescherte. Zweitens ein kräftiges Wachstum der Weltwirtschaft, befördert durch die Demographie, Produktivitätsgewinne und das schnelle Wachstum Chinas, das vor rund 25 Jahren in die Weltwirtschaft eintrat. Drittens ein die Aktienkurse beflügelndes sehr starkes Wachstum der Unternehmensgewinne, das vom Wirtschaftswachstum getrieben wurde, aber auch von der Eroberung neuer Märkte in Schwellenländern, von sinkenden Unternehmensteuern und von Gewinnen aus der Automatisierung, die eine Kostendisziplin beförderten.

          Man könnte zu dieser Auflistung von McKinsey als weiteren, aber auf die Dauer problematischen Wachstumsfaktor eine zunehmende staatliche und private Verschuldung addieren, mit deren Hilfe einem allmählich nachlassenden Wirtschaftswachstum neue Flügel verliehen werden sollten. Am Ende belief sich alleine die Privatverschuldung in den Industrienationen auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

          Niemand kennt die Zukunft, und es mag sein, dass sich auf längere Sicht die Rahmenbedingungen für das Wirtschaftswachstum und die Kapitalanlage wieder spürbar verbessern werden. Aber nichts führt an der Erkenntnis vorbei, dass eine Reihe von Faktoren, die zwischen 1985 und 2014 der Kapitalanlage zugutekamen, so nicht mehr existieren.

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