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IT-Panne : Ärger für die Kunden der Netbank

Panne bei Netbank: Tausende Kunden der reinen Online-Bank sind betroffen. Bild: dapd

Nach dem Eigentümerwechsel ist ein IT-Projekt der Netbank gründlich daneben gegangen. Das hat gravierende Folgen für zahlreiche Kunden der ältesten deutschen Online-Bank.

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          Viele Kunden der ältesten deutschen Online-Bank haben seit Wochen mit erheblichen Schwierigkeiten in ihrer Kontoführung zu kämpfen. Nachdem die Augsburger Aktienbank die Netbank schon Anfang des Jahres 2016 übernommen hatte, sollten vor dreieinhalb Wochen die Daten der gut 140.000 Kunden auf die eigenen Systeme übertragen werden. Doch das IT-Projekt ist offenbar gründlich danebengegangen. Noch immer häufen sich auf der Facebook-Seite der reinen Online-Bank die Einträge wütender Kunden – die sich nicht zuletzt darüber beschweren, dass sie die Bank telefonisch nicht erreichen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zunächst musste das Kreditinstitut für die Datenübertragung seine Anwendungen für Bankgeschäfte für 36 Stunden komplett herunterfahren. Die Kunden wurden darüber aber offenbar erst informiert, als es schon zu spät war, wie aus einigen verärgerten Kommentaren hervorgeht. Im Zuge der Umstellung kam es dann noch zu weiteren Behinderungen. Bei einem von mehreren Zahlungssträngen im Interbankenverkehr sei es danach zu Störungen bei der Übertragung von Überweisungen und Lastschriften gekommen, so dass diese von Montag bis Dienstagmittag abgewiesen worden seien, hieß es von der Netbank.

          Für Kunden beginnt eine Odyssee

          Damit begann für mehrere Kunden eine Odyssee. So garniert ein verärgerter Facebook-Nutzer seine Ankündigung, die Bank zu wechseln, mit einem Abriss über die Folgen der IT-Panne für ihn: „Ich habe es hingenommen, dass es wegen der vergeigten Umstellung Rücklastschriften gab und die Gebühren hierfür nicht mal in voller Höhe erstattet wurden. Ich habe es hingenommen, dass ich einige Tage keinerlei Kontoinformationen angezeigt bekommen habe. Ich habe es hingenommen, dass alle Überweisungsvorlagen gelöscht wurden.“ Vor allem aber beklagt er sich über die weiteren Folgen, die sich aus den Rücklastschriften ergeben hätten. Denn wenn eine Lastschrift von einem Geschäftspartner nicht eingezogen werden kann, muss das zwar noch keine negativen Folgen für die Bonität haben; es ist aber sehr aufwendig, alles aufzuarbeiten.

          Zu den technischen Problemen gesellte sich dann auch noch eine unklare Kommunikation. So wissen viele Kunden offenbar bis heute nicht, welche Identifikationsnummer (BIC) ihre Bank nun eigentlich hat. Die Nummer muss zwar nur noch bei Zahlungen außerhalb des europäischen Zahlungsraums Sepa angegeben werden, bei vielen Online-Diensten, darunter etwa dem Zahldienst Paypal, ist sie aber ebenfalls hinterlegt. Die Netbank-Kunden erhielten nach der Datenübertragung offenbar die Information, dass nun die BIC der Augsburger Aktienbank für sie gelte. Doch ein Kunde, der seine vermeintlich neuen Kontodaten bei seinem Arbeitgeber angegeben hatte, erhielt erst einmal kein Gehalt auf seinem Konto, weil offenbar noch die alte BIC gilt.

          „Sie spielen hier mit unserer Kreditwürdigkeit“

          Auch der Kunde mit den Rücklastschriften schreibt: „Wegen der Rücklastschriften habe ich mühevoll allen Lieferanten die neue BIC mitgeteilt und sie darum gebeten, darauf zu achten, dass auch tatsächlich die neue BIC hinterlegt wird. Nun bekomme ich heute eine E-Mail, in der es heißt, ich solle unbedingt weiterhin die alte BIC verwenden.“ Nun werde den Geschäftspartnern wohl abermals angezeigt, dass ihre Lastschrift nicht beglichen werden könne. „Sie spielen hier mit unserer Kreditwürdigkeit bei unseren Lieferanten.“

          Schon vorher hat die Augsburger Aktienbank die Kunden der Netbank mehrfach verärgert. So führte sie im Frühjahr dieses Jahres gestaffelte Kontogebühren ein. Zugleich wurde die bisherige EC-Karte in eine Kreditkarte umgewandelt, die nach Angaben eines Kunden längst nicht in allen Geschäften akzeptiert werde und auch zum Beispiel keine Geldkartenfunktion mehr habe. Klar kommuniziert worden sei das nie.

          Die Netbank war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In einer Mitteilung zur IT-Panne betonte das Unternehmen, dass die Umstellung für die meisten ihrer Kunden ohne Probleme verlaufen sei. Große Unternehmen, die viel mit Lastschrifteinzügen arbeiteten, habe die Bank über die Panne informiert und gebeten, abgewiesene Abbuchungen noch einmal vorzunehmen. Wenn die Unternehmen es dann allerdings nicht von sich aus noch einmal probierten, mussten die Netbank-Kunden von sich aus die ausstehende Zahlung überweisen. Die Netbank war im Jahr 1998 von sieben Sparda-Banken gegründet worden und gilt als erste deutsche reine Online-Bank. Anfang des Jahres 2016 hatte sie die Augsburger Aktienbank übernommen, um ihre eigene Expertise als Wertpapierhandelsbank mit den Stärken der Netbank im Giro- und Kartengeschäft sowie im Ratenkreditgeschäft für Privatkunden zu verbinden.

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