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Investieren in Asien : So legen Sie in China Geld an

Wer sich nach China wagt, muss wissen: Hohe Kursschwankungen sind an der Tagesordnung. Bild: AFP

Mitten im Handelsstreit in China investieren? Das klingt verrückt, ist aber gar kein schlechter Gedanke.

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          Es gibt viele Länder auf der Welt, die sich über eine solche Nachricht freuen würden: Um sechs Prozent ist Chinas Wirtschaft zwischen Anfang Juli und Ende September gewachsen, teilten die Behörden am Freitag mit. Das klingt nach einer reifen Leistung, ist aber für chinesische Verhältnisse eine Enttäuschung. Man muss fast 30 Jahre zurückgehen, um auf ein Quartal zu stoßen, in dem sich die Wirtschaft ähnlich langsam entwickelt hat.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da klingt es verrückt, ausgerechnet in solchen Zeiten sein Geld in China anzulegen. Zumal ein Grund für das schwächere Abschneiden der Chinesen mit dem Konflikt zu tun hat, der die Welt nun schon seit einiger Zeit in Atem hält: der Handelsstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten. Auch wenn Amerikas Präsident Donald Trump gewohnt großspurig eine Annäherung in dem Streit verkündete, weiß der besonnenere Teil der Menschheit nur zu gut: Ausgestanden ist die Sache noch lange nicht.

          Dass so manche Fondsgesellschaft dennoch die Werbetrommel für China rührt, macht darum zunächst misstrauisch. Müssen die Gesellschaften doch um des lieben Geschäftes willen stets nach neuen Trends suchen, die sie dem Anleger schmackhaft machen können. Dass sie es ausgerechnet in diesen Tagen mit dem schwierigen Thema „China“ versuchen, zeigt aber andererseits auch: Dies ist mehr als reines Marketinggerede, sondern ernsthaften Überlegungen geschuldet.

          Die China-Quote der Fonds

          Anders wäre es ja auch nicht zu erklären, warum ein Großinvestor wie Singapurs Staatsfonds Temasek gut ein Viertel seines Geldes in China investiert. „Die Spannungen zwischen China und Amerika werden noch eine Weile bestehen bleiben“, sagt Tan Chong Lee, einer von Temaseks führenden Portfoliomanagern. „Aber wir sind von der langfristigen wirtschaftlichen Dynamik Chinas überzeugt.“

          Das Dumme an dieser Überzeugung ist zwar, dass sie sich erst in Zukunft überprüfen lässt. Aber ist es eine Mischung aus grundsätzlichen Überlegungen und aus den Konsequenzen des Handelskonflikts, die chinesische Aktien trotz allem interessant machen. Um mit dem Grundsätzlichen zu beginnen: China ist, gemessen an seiner Wirtschaftsleistung, nach den Vereinigten Staaten die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

          In wichtigen Aktienbarometern wie beispielsweise dem MSCI All Country World kommen chinesische Firmen aber nur auf einen Anteil von weniger als vier Prozent. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Fondsgesellschaft Franklin Templeton in einer Analyse der größten Mischfonds der Welt, die sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren.

          China in den meisten Portfolios untergewichtet

          Nur sechs Prozent ihres Geldes findet sich derzeit in Schwellenländern, zu denen auch China in der Terminologie der Finanzmärkte noch immer zählt. Die China-Quote der Fonds macht nur einen kleinen Anteil dieser sechs Prozent aus. Templeton-Experte Marcus Weyerer zieht daraus den Schluss: „Gemessen an der Größe seiner Volkswirtschaft, ist China in den meisten Portfolios untergewichtet. Anleger lassen sich die Chance entgehen, am Wachstum des Landes teilzuhaben.“

          Nun könnte man die Scheu der Investoren ebenso gut als kluge Zurückhaltung aus Angst vor dem Handelskonflikt interpretieren. Aber interessanterweise ergeben sich gerade aus diesem Konflikt Chancen. Die erste besteht darin, dass die Chinesen nun stärker als zuvor auf Produkte aus dem eigenen Land setzen. Es ist sogar das erklärte Ziel der chinesischen Regierung, die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren und den heimischen Konsum zu stärken.

          Dies könnte auch den Aktienkurs von manch chinesischem Unternehmen beflügeln, auch wenn nicht wenige von ihnen unter hohen Schulden leiden. Aber die Verbraucher hätten sogar den Spielraum, ihre eigenen Ausgaben zu erhöhen. Denn die Chinesen sparen mehr als andere Völker, im Mittel legen sie 45 Prozent ihres Einkommens zurück. Sobald sie sich entschließen, nur ein wenig mehr auszugeben, belebt dies Chinas Wirtschaft.

          Eine zweite Chance, die aus dem Handelsstreit resultiert, hat mit Chinas Technologiekonzernen zu tun. Der Smartphone-Hersteller Huawei beispielsweise leidet zwar gerade unter den amerikanischen Sanktionen. Aber zugleich könnte dies einen neuen Entwicklungsschub in China auslösen, wie die Fondsgesellschaft Alliance Bernstein vermutet. Ohnehin stellen Chinas bekannteste Internetfirmen Alibaba und Tencent mit Blick auf ihren Börsenwert gestandene Dax-Konzerne in den Schatten.

          Der einfache Weg für deutsche Anleger

          Am einfachsten ist es für deutsche Anleger, über Fonds in China zu investieren. Hierbei gilt es zu unterscheiden: Manch neuer Indexfonds (ETF), der die Wertentwicklung chinesischer Aktien nachbildet, bezieht im größeren Stil sogenannte A-Aktien mit ein. Dies sind Aktien oft von der Börse Schanghai, die früher nur Chinesen vorbehalten waren, sie sind für mutigere Anleger geeignet.

          Einen solchen ETF hat Franklin Templeton gerade aufgelegt mit dem „Franklin FTSE China“ (ISIN: IE00BHZRR147). Weniger A-Aktien hat der „Lyxor MSCI China“ (ISIN: LU1841731745). Er setzt verstärkt auf Firmen, die an der Hongkonger Börse notieren. Vertrauen Anleger lieber klassischen Fondsmanagern, können sie in den „HSBC Chinese Equity“ (ISIN: LU0039217434) investieren, die Gebühren sind allerdings höher.

          Wer sich nach China wagt, muss wissen: Hohe Kursschwankungen und staatliche Eingriffe in den Aktienmarkt sind an der Tagesordnung. Langer Atem jedoch wurde in der Vergangenheit belohnt. In Dollar gerechnet, haben die wichtigsten chinesischen Aktien ihren Wert seit 2004 fast verfünffacht.

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