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Mehr als eine Milliarde Euro : ING Diba befeuert Anlageroboter

Scalable Capital: Die Gründer Florian Prucker, Eric Podzuweit und Stefan Mittnik Bild: Unternehmen

Das Finanz-Start-up Scalable verwaltet als erster deutscher Computer-Anlageberater mehr als eine Milliarde Euro. Vor allem die Partnerschaft mit der ING-DiBa hat Scalable einen Schub gegeben.

          Das Münchener Finanz-Start-up Scalable Capital stößt langsam in Größenordnungen vor, die es zu einer ernsthaften Konkurrenz für traditionelle Banken werden lassen. Wobei „langsam“ in dem Zusammenhang eigentlich das falsche Attribut ist: Mehr als eine Milliarde Euro haben Anleger den Münchnern nach eigenen Angaben schon anvertraut, und das nur zweieinhalb Jahre nachdem sie mit ihrer vollautomatischen Anlageberatung an den Start gegangen sind.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei dieser Form der Anlageberatung, die unter dem Schlagwort „Robo-Advisor“ zu einem der Lieblingsthemen in der Finanzbranche avanciert ist, müssen die Kunden nur einige Fragen zu ihren Anlagezielen und ihrer Risikobereitschaft beantworten und bekommen daraufhin in der Regel ein Portfolio vorgeschlagen, das aus verschiedenen passiven Aktien- und Anleihe-Indexfonds (ETF) besteht.

          Die Hälfte der Anlegergelder auf Scalable stammt nach Angaben der Münchener aus einer Kooperation mit der Frankfurter Direktbank ING Diba. Seit September 2017 leitet die Direktbank ihre Kunden bevorzugt zu diesem Anlage-Roboter weiter. 20.000 ING-Diba-Kunden hätten seither schon ein Depot bei Scalable Capital eröffnet und insgesamt 500 Millionen Euro mit Hilfe des Anlageroboters angelegt.

          Als zweiten Treiber für das Geschäft nennt das Start-up die Zusammenarbeit mit Siemens Private Finance, in deren Rahmen Siemens-Mitarbeitern erstmals eine individuelle, technologiebasierte Vermögensverwaltung angeboten werde.

          Wie sehr die Kooperation mit der ING Diba dem jungen Finanzunternehmen geholfen hat, zeigt auch ein Blick auf die Kundenzahl: Insgesamt spricht Scalable Capital von mehr als 30.000 Kunden. Zwei Drittel davon sind also über das Portal der Direktbank zu dem neuen Angebot gekommen. Im Schnitt hat jeder Kunde rund 32.000 Euro bei Scalable angelegt. Die Einstiegsschwelle liegt im Vergleich zu anderen ähnlichen Angeboten bei relativ hohen 10.000 Euro.

          Scalable Capital wurde im Jahr 2014 von Erik Podzuweit, Florian Prucker, Adam French und dem Münchener Professor Stefan Mittnik gegründet. Im Februar 2016 gingen sie mit ihrem Robo-Advisor an den Start, der nach ihren Angaben das erste bankenunabhängige und von der Finanzaufsicht Bafin regulierte Angebot ist.

          Mit etwas Finanz-Akrobatik kann der Gründer und Geschäftsführer Erik Podzuweit Scalable Capital sogar als den am schnellsten wachsenden Robo-Berater der Welt darstellen: „In Dollar gemessen haben wir die erste Milliarde sogar noch schneller erreicht, und zwar in knapp zwei Jahren und damit rascher als die führenden amerikanischen Robo-Advisors, die einige Jahre vor uns an den Markt gegangen sind und heute jeweils über zehn Milliarden Dollar verwalten.“ Dabei richtete Podzuweit seinen Blick auf die amerikanischen Pioniere Wealthfront und Betterment.

          Ältere Kunden fassen Vertrauen

          Podzuweit ist zuversichtlich, dass die Deutschen sich zunehmend für die automatisierte Anlageberatung interessieren könnten. „Das erreichte Anlagevolumen zeigt vor allem, dass es eine echte Nachfrage nach digitaler Vermögensverwaltung gibt“, sagt er. „Wir stehen aber immer noch ganz am Anfang: Es gibt Millionen von Menschen in Europa, die sich eine technologiegestützte und kostengünstige Form der Geldanlage wünschen.“

          Dabei vertraut auch zunehmend eine reifere Kundschaft der neuen Technik: Der Altersdurchschnitt liege derzeit bei 50 Jahren, vor einem Jahr lag der Wert noch bei 42 Jahren. Jeder dritte Kunde sei älter als 55.

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