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ING-Diba-Chef Nick Jue : „Das Handy wird zur Bank“

Der Holländer Nick Jue ist seit 2017 Vorstandsvorsitzender der Online-Bank ING Diba. Zuvor hatte der Betriebswirt unter anderem die Unternehmenskommunikation der ING-Bank in den Niederlanden geleitet. Bild: Wolfgang Eilmes

ING-Diba-Chef Nick Jue traut dem Telefon alles zu, verteidigt Magerzinsen aufs Tagesgeld und prophezeit das Ende der Filialen.

          Herr Jue, Sie zahlen noch 0,01 Prozent Zins aufs Tagesgeld. Das ist ein Witz!

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zumindest ist der Zins positiv. Wenn Banken überschüssige Liquidität an die Europäische Zentralbank (EZB) weiterreichen, wird ein Strafzins fällig.

          Trotzdem: Die ING Diba hat ihre Kunden immer mit hohen Zinsen geködert. Sonst kommt doch niemand mehr.

          Doch, wir wachsen weiter und werden in absehbarer Zeit zehn Millionen Kunden haben. Die Zeiten haben sich geändert: Vor fünf Jahren vielleicht kamen die Leute nur wegen hoher Zinsen zu uns. Inzwischen haben sie bemerkt, dass wir mehr zu bieten haben, sie haben erlebt, dass unser Banking einfach, bequem, schnell ist. Das macht heute den Unterschied, der Zins allein gibt nicht mehr den Ausschlag.

          Das heißt: Sie haben es nicht mehr nötig, mit höheren Zinsen zu werben. Schlecht für uns Kunden.

          Für Neukunden haben wir immer noch Angebote mit höheren Zinsen. Und für alle ist das Girokonto kostenlos, während die anderen Banken reihum die Gebühren erhöhen. Vergessen Sie außerdem nicht: Niedrige Zinsen haben auch etwas Gutes, bei Krediten und Baufinanzierung freuen sich die Kunden darüber.

          Bleiben die Zinsen jetzt ewig an der Nulllinie?

          Nein, irgendwann müssen sie steigen.

          Nur wann?

          Unsere Volkswirte sagen: Frühestens im zweiten Halbjahr 2019 ziehen die Zinsen an. Die Unsicherheit in Italien jetzt wird den Prozess eher verzögern, die EZB wird die Politik des billigen Geldes erst mal beibehalten.

          Was heißt das für die Sparer: Wohin so lange mit dem Geld?

          Es gibt durchaus Alternativen, ohne allzu großes Risiko aus Geld mehr Geld zu machen.

          Die Deutschen wollen vor allem Sicherheit – keine Aktien.

          Ich will gar nicht jeden in Aktien treiben. Hätte ich 20 000 oder 25 000 Euro, wäre ich auch etwas vorsichtiger. Bis zu solchen Beträgen rate ich, das Geld flüssig zu halten mit Sparanlagen, trotz Niedrigzins. Wer aber mehr Geld übrig hat, der kann mit ein bisschen Risiko möglicherweise mehr Rendite holen. Zum Beispiel mit unserem Partner Scalable Capital, da investieren Sie nicht in einzelne Aktien, sondern ein Roboter wählt für Sie ETF aus, die beispielsweise die Wertentwicklung des Dax eins zu eins abbilden.

          Mit ETF auf den Dax zu setzen, das schaffen wir auch ohne Roboter.

          Robo Advisor streuen die ETF über diverse Märkte, das können die Roboter besser als ein Mensch. Sie können schneller reagieren, mehr Informationen verarbeiten. Das ist die Zukunft.

          Sie raten davon ab, Aktien direkt zu kaufen?

          Eine schlechte Frage an mich als Bank-Vorstand. Auf diesem Posten ist es manchmal klüger, keine Aktien zu kaufen, um jeden Verdacht von Insiderhandel zu vermeiden.

          Der Gesetzgeber macht das Geldanlegen immer noch komplizierter. Stichwort Beratungsprotokoll, Stichwort Mifid 2: Leiden Sie auch an dem Bürokratiemonster?

          Das trifft uns nur zum Teil, weil wir Kunden nicht beraten.

          Folglich treibt die übermäßige Regulierung Direktbanken wie Ihnen die Kunden zu?

          Es hilft uns sicherlich, wenn die Kunden der Gängelung in den Filialbanken müde werden. Wie gesagt, wir wachsen stetig. Ich bin mir aber sicher, dass auch die Kollegen in den anderen Banken ihr Angebot ändern. Das ist auch zwingend, wenn Sie sich die Zahlen anschauen. Ein Deutscher zahlt auf sein Vermögen oft bis zu drei Prozent Gebühren im Jahr. Für mich ist das viel Geld, zu viel. Das geht auch günstiger. Bei uns zahlt der Kunde 0,9 Prozent im Schnitt. Da sind schon mal zwei Prozentpunkte verdient.

          Wie lange können Sie garantieren, dass das Girokonto kostenlos bleibt?

          So lange wie möglich. Damit das gelingt, müssen wir immer effizienter werden. Denn in einem bin ich mir ganz sicher: Die Kunden werden es nicht länger hinnehmen, dass sie für die Ineffizienzen von Banken bezahlen – warum auch? Nur haben das noch nicht alle Banken gelernt.

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