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Geldanlage : Wer soll ETF kaufen?

Profi: Ein Börsenhändler in Frankfurt Bild: dpa

Indexfonds sind billig und bringen viel Rendite. Deshalb sind sie zur beliebten Geldanlage geworden. Doch nicht jeder Fonds eignet sich für jeden Anleger.

          3 Min.

          Indexfonds sind in Mode. Landläufig kurz ETF genannt, haben sie sich in den vergangenen Jahren zum beliebten Anlagevehikel für Privatanleger und für Profis entwickelt: für Profis, weil sie so billig und flexibel sind – vielleicht gibt es ETF sogar bald ganz ohne Verwaltungsgebühren. Für Privatanleger sind ETF interessant, weil sie mit den Indexfonds auf größere Verdienste setzen können als mit herkömmlichen Fonds. Die Indizes, die Anleger mit Hilfe der ETF nachbilden, liefern unter dem Strich höhere Renditen als die meisten Manager herkömmlicher Fonds, die Aktien analysieren und dann ihre Anlageentscheidung treffen – nicht zuletzt deshalb, weil ETFs eben weniger kosten.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch wo ein Trend ist, ist die Kritik nicht weit – und die wurde in den vergangenen Jahren laut. Erstens: Können ETF das Finanzsystem unsicherer machen, weil Anleger in schlechten Zeiten mit dem Verkauf ihres ETF einen ganzen Index auf einmal verkaufen? Zweitens: Wenn immer mehr Investoren nur noch den Index kaufen – bleiben dann noch genügend  Investoren übrig, die Unternehmen kritisch betrachten und die Kurse erfolgversprechender Aktien in die Höhe schicken, während sie die Kurse der anderen am Boden halten? Führt so ein Indexfonds am Ende sogar systematisch dazu, dass Anleger jede Blase mitnehmen, weil die Hype-Aktien im Index immer größeres Gewicht bekommen – bis der Kurs einbricht?

          ETF lohnen sich vor allem für Privatanleger

          In diesen Tagen haben sich gleich zwei Studien um diese Kritikpunkte gekümmert. Sie finden einen durchaus differenzierten Rat für Anleger.

          Die erste Studie stammt von der Universität in Berkeley und der Investmentgesellschaft AQR, sie wird demnächst im angesehenen „Journal of Finance“ veröffentlicht. Ihre Autoren analysieren die Börsen theoretisch und anhand von mehreren schon veröffentlichten empirischen Studien. Am Ende kommen sie zu dem Schluss: ETF lohnen sich vor allem für Investoren, die Wert auf Sicherheit legen und nicht übermäßig viel Vermögen haben – also für die klassischen Privatanleger.

          Professionelle Anleger sollten dieser Studie zufolge eher auf eine professionelle Fondsauswahl setzen. Das liegt nicht nur daran, dass sie eher Risiken eingehen können – sondern auch daran, dass sie eher die Kontakte, das Wissen und die nötigen Mittel haben, um Fondsmanager ganz genau anzugucken und festzustellen, welcher wahrscheinlich mit dem anvertrauten Geld viel Rendite holt.

          Das passt zu den Renditen, die Fonds in der Praxis liefern. Aktiv verwaltete Fonds liefern die höchsten Renditen, wenn sie sich ausschließlich an Profi-Anleger wenden. Die Erklärung der Forscher: Die Profis machen den Fondsmanagern den höchsten Druck, dass sie für ihr Gehalt tatsächlich einen Gewinn abliefern.

          Wenn Privatanleger sich an aktive Fonds wagen, dann wählen sie lieber einen, der zusätzlich an Profis verkauft wird. Erkennbar ist das daran, dass es eine spezielle Anteilsklasse nur für institutionelle Anleger gibt. Und: Fonds, die vom Bankberater vorgeschlagen werden, sind besonders häufig schlecht. Besser sind Fonds, die sich Anleger selbst suchen müssen. Aber all das gilt für die aktiv verwalteten Fonds, die für Privatanleger laut der Studie ohnehin eher im Ausnahmefall interessant sind.

          Was Privatanleger mit ETF falsch machen

          Doch auch wer als Privatanleger auf ETF setzt, liegt damit nicht immer richtig. Darauf weisen Forscher der „Behavioral Finance Group“ an der Universität Mannheim um Martin Weber in einem neuen Band hin. Zwar müssten sich vor allem Privatanleger nicht darum sorgen, dass sie mit ETF die Finanzmärkte destabilisieren. Diese Gefahr gehe eher von kurzfristig orientierten Profi-Händlern aus. Doch das bedeutet der Arbeit zufolge nicht, dass jeder ETF für Privatanleger geeignet ist.

          Inzwischen ist es nämlich häufiger geworden, dass Fondsgesellschaften nicht länger nur ETF auf große Indizes wie den Dax, den Eurostoxx oder den amerikanischen S&P 500 anbieten. Stattdessen konstruieren sie spezielle Sonder-Indizes, um ETF zu einem speziellen Modethema anbieten zu können. Das verführt Privatanleger. Untersuchungen ihrer Geldanlage zeigen: Viel zu oft versuchen Privatanleger, mit solchen Modethemen Gewinn zu machen. Viel zu oft versuchen Privatanleger, mit schnellen Käufen und Verkäufen den Kursrückgängen zu entgehen – dabei schaffen sie das selten. Anleger sollten große Indizes mit vielen Aktien aus vielen Regionen der Welt kaufen und das Geld dann liegen lassen.

          ETF aller Arten finden Sie im Kursteil von FAZ.NET.

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