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Deutsches Aktieninstitut : So viele Aktionäre wie seit 2003 nicht mehr

Die Deutschen sparen unterdessen weiter aktienfern. Das zeigen die Zahlen der Deutschen Bundesbank für die ersten drei Quartale 2017. Rund 161 Milliarden Euro konnten die Deutschen zur Seite legen. Gut 75 Milliarden Euro flossen in Bargeld und täglich verfügbare Sichteinlagen wie Giro- und Tagesgeldkonten. 57 Milliarden Euro wurden Alterssicherungssystemen überwiesen, alleine 30 Milliarden Euro den Kapital-Lebensversicherungen.

Die legen das Geld für die Kunden an. Aber die Versicherer sind in ihrer Geldanlage noch weniger aktienaffin als die Privatanleger. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat kürzlich die entsprechenden Zahlen für 2017 veröffentlicht. Demnach sind gut 900 Milliarden Euro in den rund 90 Millionen Lebensversicherungsverträgen angelegt. Aktienanteil: 4,6 Prozent. Davon legen die Manager der Lebensversicherer 0,1 Prozent direkt in Aktien an und 4,5 Prozent in Aktienfonds. 86,4 Prozent fließen in Zinspapiere – trotz Niedrigzinsphase ist dieser Anteil 2017 sogar noch gestiegen.

Da waren die Privatanleger konsequenter. Aus Zinsanlagen wie Anleihen, Sparbüchern und Sparbriefen wurden 20 Milliarden Euro abgezogen. Doch die Direktanlage in Aktien profitiert davon kaum. In deutsche Aktiengesellschaften flossen netto in den ersten drei Quartalen 2017 unter dem Strich 0,1 Milliarden Euro, in Auslandsaktien 6,4 Milliarden Euro.

Aktionärskultur auf Sparflamme

Fonds konnten mit 28 Milliarden Euro Zufluss stärker profitieren. Beim Fondsverband BVI geht man zudem von einer weit größeren Verbreitung von Aktien in der Bevölkerung aus als das Aktieninstitut. 20 Millionen Deutsche haben nach einer Umfrage unter den Fondsgesellschaften Fonds, darunter ein Gutteil Aktienfonds und Mischfonds, die auch Aktien enthalten. Allein die Zuflüsse des vergangenen Jahres legen nahe, dass hier erheblich auch in Aktien gespart wird. Mischfonds sind seit Jahren die Favoriten der Anleger.

Auch hier gibt es die Vermutung, dass nicht jedem Anleger klar ist, dass sein Mischfonds oder Multi-Asset-Fonds auch Aktien enthält und er auf die Frage, ob er direkt oder indirekt Aktien besitze, wirklich mit Ja antwortet. Der Fondsverband schätzt die Zahl der regelmäßigen Fondssparpläne auf zehn Millionen und die Zahl der indirekten Fondsbesitzer durch Versorgungswerke, Pensionskassen und private Renten- und Lebensversicherungen auf 30 Millionen.

Sind wir also doch ein Volk von Aktionären? Ja, aber auf Sparflamme, wie die geringen Aktienquoten am Beispiel der Lebensversicherungen zeigen. Auch in den meisten Riester-Versicherungen ist der Aktienanteil sehr gering. Und das Aktieninstitut weist zurecht daraufhin, dass der Lackmustest einer längeren Phase fallender Kurse noch aussteht. Wenn die Kurse hoch sind, bekennen sich die Menschen eher zu Aktien als im Tief.

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