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Sicherer Hafen : Goldpreis auf Sieben-Jahres-Hoch

Ein Stapel Goldbarren: Anleger kaufen vor allem in unsicheren Zeiten Gold, das als „sicherer Hafen“ gilt. Bild: AP

Der Preis stieg am Freitagmorgen mit 1690 Dollar auf den höchsten Stand seit 2013 – damit kostet das Edelmetall mehr, als im Juni 2016 nach der Brexit-Abstimmung und auf dem Höhepunkt der Konflikte zwischen Donald Trump und Iran.

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          Der Einbruch der Aktienmärkte und der Rückgang der Anleiherenditen haben den Goldpreis am Freitagmorgen mit 1690 Dollar auf den höchsten Stand seit 2013 getrieben. Das ist mehr, als damals im Juni 2016 nach der Brexit-Abstimmung in Großbritannien – mehr auch als während der russischen Annexion der Krim oder auf dem Höhepunkt der Konflikte zwischen Donald Trump und Iran. Gleichwohl ist Gold in der amerikanischen Währung gerechnet noch mehr als 200 Dollar von seinem Allzeithoch aus dem Krisenjahr 2011 entfernt. Während die Bank Goldman Sachs meint, wenn das mit dem Virus bis ins zweite Quartal so weitergehe, werde der Rekord vermutlich zumindest ungefähr erreicht, hat der Goldhändler Heraeus in seinem Jahresausblick einen neuen Höchststand für dieses Jahr als eher unwahrscheinlich bezeichnet.  

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank hat neben den Sorgen um das neuartige Coronavirus die rekordniedrigen Renditen an vielen Anleihemärkten als Treiber ausgemacht. „In einem derartigen Marktumfeld ist Gold als zinslose Anlage gefragt“, stellte Frisch fest. Wegen der anhaltenden Unsicherheiten und weiter sinkender Zinsen dürfte Gold sein Hoch noch nicht gesehen haben. Welches Ausmaß die Nachfrage mittlerweile erreicht hat, lasse sich an den börsengehandelten Gold-Fonds ablesen. „Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten zwischen Ende Januar und Ende Februar an 25 Tagen in Folge Zuflüsse, was es über einen so langen Zeitraum zuvor noch nie gegeben hatte", so der Analyst.

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          Die Funktion als „sicherer Hafen“ für Investoren ist offenbar der Hauptgrund, warum das Gold so im Preis steigt. Die Analysten der Commerzbank schreiben in ihrem täglichen Marktbericht, das Umfeld für Gold sei im Moment „nahezu perfekt“. In den Vereinigten Staaten hatte es am Donnerstag an den Aktienmärkten einen weiteren Sell-off gegeben, also einen Ausverkauf: Der Dow Jones Industrial Average fiel um knapp 1000 Punkte beziehungsweise 3,6 Prozent. Die Volatilität des S&P 500 gemessen am Volatilitätsindex Vix sei wieder auf 40 nach oben gesprungen, was die Verunsicherung und Nervosität der Marktteilnehmer zeige, schreibt die Commerzbank.

          Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen ist am Donnerstag auf ein neues Rekordtief von 0,8 Prozent gefallen, am Freitag erreichten dann auch die Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit einen Tiefstand in der Rendite von 0,71 Prozent. Und der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar ist auf ein Sieben-Monats-Hoch gestiegen. „Dies sind die nahezu perfekten Rahmenbedingungen für einen höheren Goldpreis“, meint die Commerzbank. Da sei es wenig verwunderlich, dass der Goldpreis  am Donnerstag um 2,2 Potent gestiegen sei und am Freitag weiter zulege.

          Der Goldpreis in Euro gerechnet zog ebenfalls an, wegen der Währungsentwicklung allerdings weniger stark. Es blieb zunächst noch unter der Marke von 1500 Euro je Feinunze. Silber hinke Gold weiter hinterher und sei nur unterproportional gestiegen, schreibt die Commerzbank. Daher liege das Gold-Silber-Verhältnis mit 96,5 auf dem höchsten Stand seit 29 Jahren. Da Platin gestern sogar gefallen sei, habe sich die Preisdifferenz zwischen Gold und Platin auf mehr als 800 Dollar ausgeweitet.

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