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Gold : Kaufen Sie doch mal eine Kurantmünze

  • Aktualisiert am

Deutscher Kaiser, König von Preußen auf 20 Mark. Bild: ESG Edelmetall-Service

Wer auf Gold setzt, dass er auch in der Hand halten kann, hat es nicht leicht. Eine Empfehlung sind Kurantmünzen, die als robust gelten und deren individueller Zustand nicht eine so große Rolle spielt.

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          Ein Drittel Aktien, ein Drittel Anleihen, ein Drittel Gold ist wohl eine der ältesten Regeln für das, was man neudeutsch als „Asset Allocation“ bezeichnet. Während es mit Aktien und Anleihen noch vergleichsweise einfach ist, wird es beim Gold schon schwieriger. Ein Standard-Goldbarren wiegt rund 12 Kilogramm und kostet derzeit rund 460.000 Euro.

          Also weichen die meisten Privatanleger doch aus auf kleine Barren der Edelmetallhändler. Die gibt es schon als 1-Gramm-Barren zum Preis zwischen 40 und 50 Euro – wobei diese bei einer Größe von 1,5 mal 0,8 Zentimeter wohl behütet werden sollten. Eine andere Alternative sind Goldmünzen wie der kanadische Maple Leaf oder der südafrikanische Krügerrand, je nach Größe derzeit zum Preis von 137 Euro aufwärts.

          Weniger bekannt sind dagegen die sogenannten Kurantmünzen, also Goldmünzen, die einmal als Zahlungsmittel gedient haben (oder heute noch dienen). Der Name leitet sich vom französischen Wort „courant“ für „laufend“ ab, so Dominik Lochmann, Geschäftsführer von ESG Edelmetall-Service.

          Ihr Feingehalt beträgt im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagemünzen nicht 999,9/1000, sondern 900/1000 oder 916/1000- denn sie sollten strapazierfähiger sein, um sie dauerhaft als Zahlungsmittel einsetzen zu können.

          Sie sind vergleichsweise preiswert, denn ihr Kaufpreis liegt in der Regel sehr nahe am aktuellen Edelmetallpreis. Vor allem aber spielen Zustand und Prägequalität eine dem Goldwert untergeordnete Rolle, sofern Gewicht und Prägebild innerhalb der Toleranz liegen. Kurantmünzen kursierten zwar nur noch in begrenzter Zahl, seien aber erstaunlich gut verfügbar.

          Ein weitere Vorteil sei, dass auf historische Umlaufmünzen aus Gold seit 1993 in Deutschland und seit 2003 sogar europaweit keine Mehrwertsteuer gezahlt werden muss, sofern die Münzen einen Feingehalt von mindestens 900/1000 haben, nicht vor 1800 geprägt wurden und als offizielles Bezahlmittel anerkannt waren oder sind. Darüber hinaus darf der Ankaufpreis nicht mehr als 80 Prozent über dem aktuellen Marktwert der entsprechenden Menge Gold liegen. Aufgrund ihres geringen Aufgeldes eigneten sich Kurantmünzen daher für Goldanleger als Alternative zu neu geprägten Anlagemünzen oder Goldbarren.

          Besonders beliebt sind die alten deutschen 20-Mark-Reichsgoldmünzen, die französischen Goldfrancs oder britische Sovereigns.

          Die 20-Mark-Münze galt ab 1871 im gesamten Kaiserreich als Hauptwährung. Abgebildet waren jeweils das Reichswappen sowie der Herrscher des jeweiligen Herzogtums. Durch die Verwendung einer 900er-Goldlegierung mit 10 Prozent Kupferzugabe gelten die Münzen als ausgesprochen robust: Bei einem Goldgehalt von ungefähr 7,16 Gramm wiegt eine Münze 7,96 Gramm. Bis heute gebe es eine große Menge gut erhaltener Münzen, die sich nahe dem aktuellen Goldpreis an- und verkaufen ließen. Ihr Preis liegt bei rund 280 Euro.

          Französische 20-Goldfrancs, unter anderem mit dem Prägebild von Napoleon, der Marianne und dem Coq oder dem „Stehenden Engel“ befinden sich ebenfalls immer noch in großer Stückzahl im Umlauf. Auch sie haben eine 900er-Goldlegierung. Je nach Prägejahr variierten die zugelassenen Gewichtstoleranzen. Modernere Goldfrancs besitzen einen geringeren Spielraum als ältere Versionen. Ihr Preis liegt bei etwa 220 Euro.

          Im 19. sowie Anfang des 20. Jahrhunderts war der Sovereign ein klassisches Goldzahlungsmittel im britischen Commonwealth. Mit dem Ende des Goldstandards verschwand die Münze jedoch aus dem Zahlungsverkehr. Erstmalig wurde die Goldmünze in ihrer genormten Größe, dem 22-Karat-Feingoldinhalt und dem konstanten Gewicht von einem halben sowie einem Pfund unter dem englischen König George III. im Jahre 1817 in London geprägt. Auf dem Avers der Münze bilden sich die in der Zeit des Prägejahrs herrschenden Königinnen und Könige ab. Aufgrund der ehemaligen Größe des britischen Königreiches wurde die Münze in so hoher Stückzahl geprägt, dass sie sich noch heute weltweit bei Anlegern großer Beliebtheit erfreue und sich ebenfalls nahe des reinen Goldwertes an- und verkaufen lasse. Aktuell werden die Sovereigns mit Preisen von etwa 280 bis 479 Euro gehandelt, je nach Alter.

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