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Gold als Versicherung : „Profis kaufen Gold“

  • -Aktualisiert am

Für Heike Dengler ist Gold die Versicherung gegen den unwahrscheinlichen Kollaps des Finanzsystems. Bild: Reuters

Heike Dengler arbeitet seit 25 Jahren in und für Banken. Für ihr privates Portfolio schwört sie auf Goldmünzen.

          2 Min.

          Wie viel Gold haben Sie?

          Sehr viel. Die Zusammensetzung meines privaten Portfolios hat sich seit zehn Jahren nicht verändert: 30 Prozent Aktien, 30 Prozent Schweizer Franken, 30 Prozent Gold. Vor zwei Tagen habe ich ein paar Unzen verkauft. Altes Händlerprinzip: Bei Höchstkursen verkaufen, wenn’s runtergeht, decke ich mich wieder ein.

          Mit physischem Gold?

          Ja, ausschließlich. Alles andere ist Unsinn. Die Hälfte der Münzen lagere ich in meinem Tresor in der Schweiz, die andere in Deutschland.

          Um Steuern zu sparen?

          Nein, das ist gegenüber dem Finanzamt alles ganz offen. Völlig legal.

          Wie entwickelt sich der Goldpreis aus Ihrer Sicht?

          Auf kurze Sicht wird Gold teurer werden. Short-term-Investoren treiben angesichts der Null- und Negativzinsen und der Diskussion rund um die Modern Monetary Theory den Preis nach oben, wo sollen sie sonst auch hin mit dem Geld?

          Sie könnten Aktien kaufen, die steigen auch im Wert und werfen dazu Dividenden ab, im Gegensatz zu Gold, das nur rumliegt.

          Wer jetzt Gold kauft, kauft, weil er auf einen Wertzuwachs spekuliert. Und er hat recht. Für mich ist das allerdings zweitrangig, ich denke langfristig, ich muss das Vermögen nicht anfassen. Wenn in der Finanzbranche alles so weiterläuft, dann verdiene ich genug Geld. Wenn nicht, wenn das System zusammenbricht, dann rettet mich das Gold. Wer nur 50 000 Euro Vermögen hat, dem würde ich nicht zu Gold raten. In meiner Situation aber ist das sehr rational: Mit Gold hedge ich den Tail.

          Heike Dengler

          Übersetzt: Gold ist Ihre Versicherung gegen den unwahrscheinlichen Kollaps des Finanzsystems?

          Ja. Ich bin ein langfristiger Anleger, und jeder Long-term-Investor kalkuliert mit dem Kollaps des Systems. Andere wollen ihr Vermögen mehren, wenn wie jetzt gerade alle Vermögenspreise steigen. Das richtig fette Geld aber macht man, wenn die Börse nach unten kracht. Mein bestes Jahr als Asset Manager war 2008, in der Lehman-Krise. Normal wollen die Leute dabei sein im Aufschwung. An diesem Ziel richten sie ihr Anlageverhalten aus. Ich will Geld verdienen und überleben, wenn der Notfall eintritt.

          Im Extremfall könnte der Staat Ihre Barren beschlagnahmen.

          Richtig, solche Beispiele hat es in der Geschichte immer mal wieder gegeben, vorsichtshalber liegt ein Teil meiner Münzen deshalb in der stabileren Schweiz, so halten es viele in der Branche.

          Warum glauben ausgerechnet Finanzprofis an Gold?

          Gerade deshalb: weil sie Profis sind. Weil sie wissen, wie es in Extremsituationen läuft.

          Sie wappnen sich für den Weltuntergang?

          Nein, ich bin ein fröhlicher Mensch, glaube nicht an den Weltuntergang. Aber als Risikomanager möchte ich vorbereitet sein für den Fall, dass er doch eintritt.

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