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Fintech : Leichter das Bankkonto wechseln

Probier doch mal ’ne andere Karte. Bild: dpa

Ein neues Gesetz soll es Bankkunden einfacher machen, mit ihrem Girokonto die Bank zu wechseln. Es gilt voraussichtlich vom Sommer an. Die Banken holen sich dazu schon mal Hilfe - von Fintechs.

          Bankkunden sollen in Zukunft leichter das Girokonto wechseln können. Auf eine entsprechende neue Regelung im sogenannten Zahlungskontengesetz, das gerade den Bundestag durchläuft und voraussichtlich im Sommer in Kraft treten soll, bereitet sich im Augenblick Deutschlands Finanzbranche vor.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Gerade wird eine neue EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt, sie soll Bankkunden den Wechsel des Girokontos deutlich erleichtern“, sagte Sven Korschinowski, Partner im Bereich „Financial Services“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG. „Künftig soll jeder innerhalb von zwei Wochen das Konto wechseln können - und zwar mit Unterstützung seiner alten Bank.“ Die Kunden müssten dann nicht mehr jede Lastschrift und jeden Dauerauftrag einzeln ändern, das werde dann automatisch geschehen.

          Das geplante Gesetz ist bereits im Bundestag. Am 15. Januar fand die erste Beratung statt. Der genaue Zeitplan liege jetzt in den Händen des Parlaments, hieß es auf Anfrage beim Bundesfinanzministerium. Offenbar ist es aber nicht unrealistisch, dass dieses Gesetz bereits im Sommer in Kraft treten kann.  

          Werbung mit dem Service

          Die Banken jedenfalls beschäftigen sich intensiv mit der Vorbereitung auf diese neue Regelung. Es gibt auch jetzt schon Banken, die einen ähnlichen Kontowechselservice anbieten. Die Commerzbank beispielsweise wirbt damit, als erste Bank eine entsprechende App aufgelegt zu haben. Das gehe „ganz bequem und vollautomatisch innerhalb von wenigen Minuten per Smartphone oder Tablet“, sagte ein Sprecher der Bank.

          Künftig aber müsse das bei allen Banken Standard sein, führte KPMG-Finanzfachmann Korschinowski aus. Die Bank, von der man weg wechsele, müsse dafür alle Kontobewegungen samt Daueraufträgen und Lastschriften der vergangenen 13 Monate zur Verfügung stellen – „technisch bei den heutigen Systemen der Banken keine ganz einfache Aufgabe“. Deshalb bedienten sich die Banken zum Teil bestimmter Fintechs, die sie unterstützten. In Deutschland spielten dabei vor allem drei Fintechs eine Rolle: Dwins, Fin-Reach und Fino. Dazu komme mit Arvato ein etablierter Anbieter.

          Auf die Banken gebe es regulatorischen Druck, hinzu kämen praktische Anforderungen von Kundenseite– sie könnten entweder selbst reagieren oder einen der vier Dienstleister nutzen. „Die Banken sind da unterschiedlich weit“, sagte Korschinowski. Institute in der Fläche, die durch die neue Regelung eher einen Verlust von Kunden befürchteten, seien beim Implementieren der neuen Möglichkeiten vielleicht zögerlicher.

          Wie viele Bankkunden die neuen Möglichkeiten zum Wechseln des Girokontos überhaupt nutzen werden, sei noch nicht abzusehen, sagte der KPMG-Partner. Als ein Bereich, in dem in Deutschland Möglichkeiten zum Anbieterwechsel viel genutzt würden, gelte der Mobilfunk. Bei Strom und Gas hingegen spare bislang nur eine Minderheit der Bevölkerung Geld durch einen Anbieterwechsel.

          Eine ähnliche Möglichkeit zum einfachen Wechsel des Girokontos, wie sie hierzulande jetzt geplant sei, gebe es in England schon seit längerer Zeit, sagte Korschinowski. Dort habe voriges Jahr etwa ein Prozent der Bevölkerung das Girokonto gewechselt. „Für Deutschland könnte ich mir eine etwas höhere Größenordnung vorstellen“, sagte der Zahlungsverkehrsexperte.

          Bislang hat einer Umfrage der Direktbank Comdirect zufolge nur etwa ein Fünftel aller Deutschen überhaupt schon mal die Kontoverbindung gewechselt. Eine Gruppe in ähnlicher Größenordnung gab bei der Umfrage an, prinzipiell durchaus an einem Wechsel der Bankverbindung und des Girokontos interessiert zu sein - den damit verbundenen Zeitaufwand aber zu scheuen

          Die neuen Angebote zum Kontowechsel seien ein gutes Beispiel, wie Banken und Fintechs zusammenarbeiteten, sagte Korschinowski.    „Ich glaube, dass Fintechs in Zukunft noch viel mehr Aufgaben im Finanzsektor übernehmen werden. Zum Teil in Konkurrenz zu den Banken - zumeist aber in enger Kooperation mit Ihnen.“

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