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Sparwut der Deutschen : 1,5 Billionen Euro liegen hierzulande fast zinslos herum

Die Deutschen wissen wenig mit ihrem Geld anzufangen: Filiale der HypoVereinsbank in München. Bild: dpa

Das Geldvermögen der Deutschen steigt auf Rekordhöhe. Jedoch ist ein Viertel der 6,1 Billionen Euro dauerhaft angelegt – wodurch sich auch der „Geldanlagenstau“ vergrößert hat. Was hat das zu bedeuten?

          Die deutschen Anleger haben sich trotz niedriger Zinsen nicht entmutigen lassen und sparen immer mehr. Deswegen ist das private Geldvermögen der Bundesbürger in diesem Jahr vermutlich auf das Rekordhoch von rund 6,1 Billionen Euro gestiegen – auch dank Kursgewinnen von Aktien. Damit hat sich jedoch auch der „Geldanlagenstau“ vergrößert. Denn der Anteil der in Bargeld und auf Sichteinlagen dauerhaft „zwischengeparkten“ Mittel beträgt rund ein Viertel des Geldvermögens der Deutschen, bei den neuen Anlagen macht er sogar rund die Hälfte aus. Dies ergeben Schätzungen der DZ Bank, die dieser Zeitung exklusiv vorliegen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Demnach liegen derzeit mehr als 1,5 Billionen Euro fast zinslos in Haushalten oder auf Bankkonten herum. Und es gibt weitere schlechte Nachrichten. Wegen der hierzulande lange nur schwachen Preissteigerungen sei die reale Verzinsung von Einlagen, Rentenpapieren und Versicherungen über weite Strecken der Niedrigzinsphase hinweg zwar positiv geblieben, sagt Michael Stappel, Ökonom der DZ Bank. Mit der Rückkehr der Inflation 2017 habe sich dies aber geändert. Die Inflationsrate sei auf 1,7 Prozent gestiegen, daher sei auch der Realzins mit minus 0,8 Prozent deutlich negativ geworden.

          Und was heißt das für die Sparer? Für die Bundesbürger bedeute dies einen Wertverlust ihrer Geldvermögen von 38 Milliarden Euro, sagt Stappel. Ein Teil der Deutschen habe zwar von steigenden Aktienkursen profitiert, doch dieser Effekt sei durch den im internationalen Vergleich geringen Aktienanteil in den Portfolios vergleichsweise mager. Ein Aktienindex wie der Dax hat in diesem Jahr rund 14 Prozent an Wert gewonnen.

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          Laut DZ Bank brachten Kursgewinne von Aktien, Fonds und Zertifikaten für die Haushalte einen Wertzuwachs von rund 93 Milliarden Euro mit sich. Alles in allem sei das Geldvermögen der Deutschen im Jahr 2017 so voraussichtlich um 5,2 Prozent oder rund 300 Milliarden Euro gewachsen. 2016 waren es plus 4,7 Prozent. Blieben die Zinsen niedrig und werde die Konjunktur weiterhin gut laufen sowie die Sparquote leicht steigen, dann dürfte das Geldvermögen der Privathaushalte 2018 um gut 4 Prozent wachsen, sagt Stappel.

          Die Sparquote der Bundesbürger kletterte 2017 das vierte Jahr in Folge von 9,7 auf zuletzt 9,8 Prozent. Auch die Bildung von Sachvermögen, der Kauf von Wohnungen, Grundstücken oder Häusern als Alternative zur Geldanlage und zur Selbstnutzung spielt in dem günstigen Zinsumfeld eine immer wichtigere Rolle. Hierauf entfällt laut DZ Bank ein wachsender Anteil der Ersparnis. Dadurch habe sich wiederum das Wachstum der Geldvermögensbildung verlangsamt.

          Nach den Berechnungen der DZ Bank, die unter anderem auf Daten der Deutschen Bundesbank basieren, besteht der größte Teil des Geldvermögens aktuell mit 39 Prozent oder rund 2,4 Billionen Euro aus Bargeld oder Einlagen bei Kreditinstituten. Gut 30 Prozent sind in Versicherungen investiert, fast 11 Prozent in Fonds und 7,3 Prozent in Aktien. Auf Rentenpapiere und Zertifikate entfällt ein Anteil von je gut einem Prozent. Die sonstigen Anlagen machen fast 10 Prozent aus.

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